Neues Rezept: Sparkonto soll Junge vor Schulden retten
Aktualisiert

Neues RezeptSparkonto soll Junge vor Schulden retten

Jeder vierte Jugendliche gibt mehr Geld aus, als er hat. Politiker schlagen nun ein spezielles Konto vor, das zum Sparen anregen soll. Für Experten eine untaugliche Idee.

von
Jessica Pfister
Leere Taschen: Viele Jugendliche tappen in die Schuldenfalle.

Leere Taschen: Viele Jugendliche tappen in die Schuldenfalle.

Sie kaufen teure Markenkleider, hängen stundenlang am Handy oder gönnen sich die neuste Playstation. So tappen zahlreiche Jugendliche in die Schuldenfalle. Laut einer 2007 erschienen Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz stehen 38 Prozent aller 18- bis 24-Jährigen in der Kreide - die meisten davon bei Familienmitgliedern oder Freunden. Bei einem Viertel davon betragen die Schulden 2500 Franken oder mehr.

Ein Zustand, den die CVP nicht länger mitansehen will. Die neuste Idee der Partei: Sparanreize in Form einer «Jungen Säule». Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren sollen maximal 5000 Franken pro Jahr auf ein spezielles Sparkonto einzahlen können. Analog zur dritten Säule soll dieser Betrag nicht versteuert werden. Die Bank verzinst die angehäuften Ersparnisse grosszügig und ab dem 35. Altersjahr oder bei einer Familiengründung zahlt sie diese aus. CVP-Nationalrat Gerhard Pfister, der die entsprechende Motion eingereicht hat, ist überzeugt: «Eine gute Verzinsung ist sicher ein Anreiz, dass die Jugendlichen mehr sparen als sie konsumieren.» Zudem würde dieses Modell nicht den Staat belasten, sondern die Selbstverantwortung fördern, wie Pfister gegenüber 20 Minuten Online betont.

«Nur für gutsituierte Jugendliche»

Pro Juventute begrüsst zwar, dass sich nun auch die Parteien des Themas Jugendverschuldung annehmen, kann dem Vorschlag der CVP allerdings nur wenig abgewinnen. «Einen Anreiz zum Sparen zu schaffen ist eine im Grundsatz positive Sache, wird zur Verringerung der Jugendverschuldung in der Schweiz aber nur wenig beitragen können», sagt Daniel Jenal, Finanzkomptetenz-Verantwortlicher bei Pro Juventute. Viel wichtiger sei die umfassende Vermittlung eines bewussten Umgangs mit Geld.

Ebenfalls wenig begeistert ist Mario Roncoroni, Geschäftsführer der Berner Schuldenberatung: «Die Idee einer ‹Jungen Säule› eignet sich lediglich für gutsituierte Jugendliche. Für die echten Probleme der Jugendverschuldung ist sie allerdings nicht tauglich.» Nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist laut Roncoroni auch der Vorstoss von FDP-Nationalrat Hugues Hiltpolt. Seinen Vorstoss hatte die Wirtschaftskommission des Nationalrats im April gutgeheissen. Dieser fordert, dass Firmen, die Jugendliche Konsumkredite gewähren, einen Teil ihres Umsatzes in Präventionsprogramme gegen Jugendverschuldung investieren müssen. «Es gibt nur wenig Jugendliche, die überhaupt einen Kredit aufnehmen», gibt der Experte zu bedenken. Laut Studie sind es rund vier Prozent.

Neuer Fachbereich im Lehrplan

Viel wichtiger ist für Roncoroni, dass die Jugendlichen in der Schule die nötigen Kompetenzen für die Budgetverwaltung erwerben. So sollen sie zum einen eine realistische Vorstellung über wichtige Posten in einem Haushalt entwickeln können - wie zum Beispiel über die Miete, Steuern, Krankenkassen oder Freizeitausgaben. Zum anderen müssten sie begreifen, wie ein Konto funktioniert und den Begriff und die Funktion von Rückstellungen und Ersparnissen verstehen lernen. Dabei reiche es nicht, wenn eine Fachperson durch die Klassenzimmer laufe. «Die Finanz- oder Budgetkompetenz muss vielmehr ein selbstverständlicher Teil der Ausbildung sein», so Roncoroni. Und damit solle möglichst früh angefangen werden. «Wenn Schüler beispielsweise eine Schulhausparty organisieren, könnte man das Gelernte auch gleich anwenden.»

Die frühe und fundierte Vermittlung des Umgangs mit Geld hält auch Jenal von Pro Juventute für elementar. «Dann haben wir gute Chancen, die Jugendverschuldung in der Schweiz nachhaltig in den Griff zu bekommen.» Deshalb setzten sich die Experten auch dafür ein, dass das Thema im neuen Lehrplan 21 verankert wird.

«Umgang mit Geld ist ein Thema»

Laut Kathrin Schmocker, Co-Projektleiterin des Lehrplans 21, soll der Umgang mit Geld im kommenden Lehrplan durchaus ein Thema sein. «Die genauen Entwürfe liegen allerdings noch nicht vor», so Schmocker. Klar ist, dass mit Wirtschaft, Arbeit und Haushalt ein neuer Fachbereich geschaffen wird. Laut einem ersten Grundlagenpapier vom März 2010 sollen dort Themen wie Geld, Konsum, Arbeit, Freizeit, Haushalt und der Umgang mit Ressourcen verstärkt Eingang in die Schule finden.

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Tipps gegen die Schuldenfalle

Handy Was brauche ich für ein Abo? Welche Vor- und Nachteile bringt es mit sich? Wo ist es am günstigsten? Auf www.comparis.ch gibt es den Vergleich. Die Stiftung für Konsumentenschutz empfiehlt den Jugendlichen ein Prepaid-Abo zu lösen - damit man den Überblick über die Kosten nicht verliert.

Budget Zusammen mit den Eltern ein Budget mit den monatlichen Einnahmen und Ausgaben erstellen. Wie viel kostet mein Hobby, wie viel dürfen Kleider und sonstige Vergnügen kosten? Dank einem Budget wird klar, was ich mir überhaupt leisten kann.

Konto Wenn ich das Konto nicht überziehen kann, besteht auch keine Versuchung, noch mehr Geld abzuheben. Also: Überzugslimite auf null festlegen. Jugendliche mit einem festen Lohn sollten Daueraufträge einrichten und einen monatlichen Fixbetrag auf ein separates Sparkonto überweisen.

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