Aktualisiert 02.10.2012 15:25

Plackerei oder Berufung?

Spass am Job ist Charakterfrage

Ob man mit seiner Arbeit zufrieden ist, hängt davon ab, wie viele individuelle Charakterstärken man einsetzen kann. Ab vier nimmt man den Beruf bereits als Berufung wahr. Das zeigt eine Studie der Uni Zürich.

von
jcg
Je mehr eine Arbeit den individuellen Charakterstärken entspricht, desto zufriedener ist man mit seiner Stelle, sagen Psychologen der Uni Zürich. (Bild: Colourbox)

Je mehr eine Arbeit den individuellen Charakterstärken entspricht, desto zufriedener ist man mit seiner Stelle, sagen Psychologen der Uni Zürich. (Bild: Colourbox)

Wer seine persönlichen Stärken im Beruf einsetzen kann, hat mehr Spass und Sinn bei der Arbeit. Er ist zufriedener mit dem Beruf und nimmt ihn eher als Berufung wahr. Dies fanden die Psychologen Claudia Harzer und Willibald Ruch vom Lehrstuhl für Persönlichkeitspsychologie der Universität Zürich in zwei Studien heraus.

Sie befragten 1000 Berufstätige zu ihren Charakterstärken. Dies sind moralisch positiv bewertete Eigenschaften wie Selbstkontrolle, Teamwork oder Freundlichkeit. Charakterstärken, die einer Person besonders eigen sind und die diese gern und häufig einsetzt, bezeichnet man als Signaturstärken. Davon besitze jede Person typischerweise drei bis sieben, schreibt die Hochschule.

Nutzen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Die Forscher befragten die Teilnehmer, ob sie ihre Signaturstärken bei der Arbeit einsetzen können und wie zufrieden sie mit dieser sind. Es stellte sich Folgendes heraus: Wer vier und mehr Signaturstärken anwenden kann, hat mehr Spass bei der Arbeit, geht mehr darin auf, empfindet die Arbeit als sinnvoller und ist zufriedener mit dem Beruf. Diese Personen empfinden ihre Arbeit auch eher als Berufung.

Die Befunde könnten laut den Forschenden für die Personalauswahl und -entwicklung sowie für die Arbeitsplatzgestaltung nützlich sein. «Wird vor der Besetzung einer Stelle abgeklärt, welche Charakterstärken für die Arbeit zentral sind, kann eine Person anhand dieser Stärken rekrutiert werden. Davon profitieren Arbeitgeber und Arbeitnehmer», erklärt Harzer in der Mitteilung der Universität. Im Stellenbeschrieb für Pflegepersonal stehe vieles über Hygiene, aber eher wenig zu freundlichem Verhalten – dennoch sei zu erwarten, dass die Pflege besser gelingt, wenn das Personal freundlich und mitfühlend ist.

Weitere Studien sollen laut Harzer untersuchen, ob sich in allen Berufen und Hierarchiestufen vier Signaturstärken finden oder ob weniger Signaturstärken reichen, um bei den Arbeitnehmenden ein positives Erleben zu begünstigen. (jcg/sda)

Teilnehmer für neue Studie gesucht

Die Studie untersucht den Zusammenhang zwischen Charakterstärken und Arbeitsmotivation, Arbeitszufriedenheit und beruflicher sowie allgemeiner Leistungsfähigkeit. Wer das komplette Programm abschliesst, erhält eine umfangreiche individuelle Rückmeldung zu seinen Charakterstärken und zu seiner Arbeitsmotivation, Arbeitszufriedenheit und beruflicher sowie allgemeiner Leistungsfähigkeit. Die Teilnahme an dieser Studie erfolgt von zu Hause aus via Online-Programm und ist kostenlos. Die Teilnehmenden sollten mindestens zu 50 Prozent angestellt sein. Es ist auch möglich als ganzes Team an der Studie teilzunehmen.

Information, Kontakt und Anmeldung: c.harzer@psychologie.uzh.ch

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.