Horrorsturz in Kitzbühel: Spektakel oder Sicherheit?
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Horrorsturz in KitzbühelSpektakel oder Sicherheit?

Nach dem schweren Sturz von Hans Grugger auf der Streif stellt sich wieder die Frage: Müssen die Abfahrten weiter entschärft werden? Die Antwort ist einfach.

von
fox

2008 stürzte der Amerikaner Scott Macartney beim Zielsprung der Hahnenkamm-Abfahrt schwer, 2009 war es Daniel Albrecht an der gleichen Stelle. Die Organisatoren reagierten daraufhin. «Perfekte Präparierung, keine Extra-Wellen, kein extra Zielsprung. Schwerverletzte soll es keine geben», war der Tenor für die letztjährige Ausgabe. Auch 2011 wird viel Wert auf die Sicherheit gelegt.

Trotzdem stellte Rennleiter Peter Obernauer schon vor einem Jahr gegenüber der «Kleinen Zeitung» klar: «Die Streif ist noch immer die schwerste Abfahrt der Welt. Auch wenn wir heuer sehr viel gemacht haben, um sie zu entschärfen.» Jetzt, beim ersten Training der Abfahrt 2011, stürzt Hans Grugger schon beim Sprung in die Mausefalle. Er musste per Helikopter in die Universitätsklinik in Innsbruck geflogen werden. Er habe ein Schädel-Hirn-Trauma, Brustverletzungen und sei nicht ansprechbar, sagte Markus Aicher, Sprecher des österreichischen Ski-Verbandes.

Stürze gehören dazu

Und wieder fragt man sich: Warum entschärft man die Abfahrten nicht weiter? Die Antwort ist simpel: Die Zuschauer wollen Spektakel sehen. Eine Abfahrt ohne Sprünge interessiert niemanden. Stürze gehören dazu. Das macht den Reiz der Abfahrt aus. Den Fahrern ist dieses Risiko bewusst und sie wissen auch, dass sie im Falle eines Sturzes mit schweren Folgen rechnen müssen. Skifahren ist nicht wie Formel 1, wo die Sicherheit so weit ist, dass selbst nach einem Crash in die Mauer die Fahrer oft fast unverletzt aussteigen. Nimmt man den Abfahrten die Hochgeschwindigkeits-Abschnitte oder die Sprünge weg, kann man die Disziplin auch ganz abschaffen.

Schon nach der Olympia-Abfahrt 2010 der Frauen mit den Horrorstürzen von Dominique Gisin und Anja Pärson ging ein Aufschrei um die Welt. Die Strecke sei zu gefährlich, war damals der Grundtenor. Das Problem lag jedoch anderswo: Es wurde fahrlässig unprofessionell trainiert. Die Frauen konnten nie ein ganzes Training absolvieren und so die Gefahr des Zielsprunges erfahren. Dies ist im aktuellen Fall anders. Grugger unterlief schlicht ein Fehler. Von den ersten 60 Gestarteten erreichten 59 das Ziel. Zu schwierig war die Abfahrt nicht. Aber Stürze werden – egal wie sehr die Sicherheit angepasst wird – immer wieder passieren.

Was ist Ihre Meinung: Sollten die Abfahrten weiter entschärft werden oder gehört das Sturzrisiko einfach dazu?

Kein Neuling

Hans Grugger absolvierte die Streif bisher dreimal. Zweimal 2004, wobei er einmal nicht ins Ziel kam und einmal im letzten Jahr, wo er auf Rang 6 fuhr.

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