Geschworenengericht Zürich: Spektakuläre Bilder sollen «Amokfahrer» entlasten

Aktualisiert

Geschworenengericht ZürichSpektakuläre Bilder sollen «Amokfahrer» entlasten

Der «Amokfahrer», der am 1. Mai 2008 mit seinem Auto in eine Menschenmasse gefahren ist, soll für 12 Jahre hinter Gitter, fordert der Staatsanwalt. Doch der Verteidiger präsentierte spektakuläre Bilder.

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att/meg

Der Fall der «Amokfahrt» vom 1. Mai wurde heute Donnerstag auf spektakuläre Weise in ein anderes Licht gerückt. Der Verteidiger arbeitete dabei mit Einzelbildern aus dem Video der Horrorfahrt und wollte so den Geschworenen aufzeigen, dass sein Mandant in Panik gehandelt habe.

Tatsächlich zeigten die Momentaufnahmen aus dem Video erstaunliche Fakten. So ist laut Verteidiger auf einem der Bilder klar ersichtlich, dass schon gegen das Auto getreten wurde, ehe der Angeklagte losgefahren sei. Auch Scherben seien im Auto gefunden worden, die von einem Flaschenwurf gegen das Auto stammten. Das interessanteste und wichtigste Detail an diesem Nachmittag war aber der Mann auf der Kühlerhaube. Für den Verteidiger ist klar, dass dieser Mann mit dem Kapuzenpulli nicht angefahren wurde, sondern dem Fahrer auf die Motorhaube sprang. Laut Verteidigung genau in dem Moment, in dem das Video einen kurzen Moment nicht auf das Auto gerichtet ist. Dass sich der Mann mit dem Kapuzenpulli nie bei der Polizei gemeldet habe, spielte der Verteidiger zudem in die Hände.

Laut Verteidiger habe dieser Sprung auf die Motorhaube dazu geführt, dass der Angeklagte einen Moment lang nichts mehr gesehen habe und deshalb in diesem Moment drei Personen angefahren hat.

Der Verteidiger plädiert auf mehrfache fahrlässige Körperverletzung und forderte eine Freiheitsstrafe von 27 Monaten, davon 20 Monate bedingt. Er machte Panik geltend.

Staatsanwalt fordert lange Freiheitsstrafe

Die Staatsanwaltschaft urteilte in ihrem Plädoyer anders. Zwölf Jahre Freiheitsstrafe: So lautet die Forderung von Staatsanwalt Ulrich Weder für den Amokfahrer vom 1. Mai 2008. Der Autofahrer D. B., der in Zürich im Anschluss an die 1.-Mai-Demonstration in eine Menschenmenge raste und eine Person lebensgefährlich verletzte, soll wegen mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung verurteilt werden. Als Beweismaterial diente dem Staatsanwalt das Augenzeugenvideo (siehe Video oben).

Das Urteil des Staatsanwalts fiel eindeutig aus. Weder spricht von einem sehr schweren Verschulden. Der Angeklagte sei in einer «Horror- und Amokfahrt» durch die Menschenmenge gefahren. «Es ist ein Wunder, dass es nicht zu einem Massaker gekommen ist», so Weder heute Donnerstag vor dem Geschworenengericht.

Trotzdem Strafreduktion

Den Aussagen des Angeklagten glaubte Weder nicht – im Gegenteil: Er warf dem Autofahrer Verlogenheit vor. Trotzdem verzichtete er darauf, die Höchststrafe von 20 Jahren zu fordern. Die Strafreduktion wurde unter anderem damit begründet, dass es keine Toten gegeben habe und es somit nur beim Versuch blieb. Eine direkte Tötungsabsicht konnte dem Angeklagten ebenfalls nicht angelastet werden. Zudem hielt Staatsanwalt Weder zugute, dass im Zusammenhang mit der 1.-Mai-Demo tatsächlich eine Stresssituation geltend gemacht werden könne.

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