Aktualisiert

Spektakuläre Wende im Mordfall JonBenet

Der Fall der 1996 ermordeten JonBenet Ramsey, einer sechsjährigen Kinderschönheitskönigin, hat erneut eine spektakuläre Wende genommen. Der Mann der JonBenet getötet haben will, kann nicht der Täter sein.

Die Justiz des US-Staats Colorado kam zu dem Schluss, dass der kürzlich in Thailand festgenommene John Mark Karr entgegen seiner eigenen Bezichtigung das Mädchen nicht getötet hat. Es gebe keinerlei DNA des 41-Jährigen am Tatort, erklärte Staatsanwältin Mary Lacy.

Damit bleibt das Verbrechen ungeklärt. «Der Fall ist nicht geschlossen», versicherte Lacy am Montag. Der Vater hatte JonBenet Weihnachten 1996 erdrosselt und mit gebrochenem Schädel im Keller seines Hauses gefunden. Nach ihrer Ermordung ging das Bild der geschminkten Kinderschönheitskönigin um die Welt. In Amerika gilt das Verbrechen als einer der mysteriösesten Kriminalfälle des vergangenen Jahrzehnts. Zeitweise waren auch die Eltern und der ältere Bruder des Mädchens unter Verdacht geraten.

Karr war von diesem Fall und einem weiteren Mädchenmord in Kalifornien fasziniert. Nach seiner Festnahme in Thailand hatte er gesagt, er sei mit der Sechsjährigen zur Tatzeit zusammengewesen und ihr Tod sei ein Unfall gewesen. Staatsanwältin Lacy erklärte, Karr sei im April ins Visier der Ermittler geraten, nachdem er sich in E-Mails an einen Journalismusprofessor an der Universität von Colorado, der Dokumentarfilme über das Verbrechen drehte, des Mordes bezichtigt hatte.

Schon bald nach seiner Festnahme waren Zweifel an seinem Geständnis laut geworden. Den Ermittlern zufolge hielt er sich offenbar zur Tatzeit mit seiner Familie im US-Staat Georgia auf. Lacy verteidigte die Entscheidung, Karr festnehmen und in die USA überstellen zu lassen, mit dem Hinweis, er hätte eine Gefahr für Kinder in Thailand werden können. Der 41-Jährige bleibt vorerst in Polizeigewahrsam in Denver. Kalifornien will seine Auslieferung, weil eine Anzeige wegen Kinderpornografie aus dem Jahr 2001 vorliegt.

Die Justiz erhob nicht formell Anklage gegen Karr wegen des Mordes. Ein Staatsanwalt in Denver erklärte, der 41-Jährige müsse sich aber möglicherweise wegen seiner Lüge vor Gericht verantworten. Er habe die Steuerzahler eine Menge Geld gekostet. Karrs Anwalt Seth Temin sagte, sein Mandat hätte niemals festgenommen werden dürfen.

Karr, der von sich sagt, er sei in JonBenet verliebt gewesen, war nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren als Lehrer in mehreren Ländern unterwegs - unter anderem in Deutschland. Der geschiedene Vater dreier Kinder, der vom Lehrbetrieb ausgeschlossen wurde, hatte erst kurz vor seiner Verhaftung wieder eine Lehrerstelle in einer thailändischen Grundschule angetreten. (dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.