Wetterhorn: Spektakulärer Gletscher-Abbruch bei Grindelwald
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WetterhornSpektakulärer Gletscher-Abbruch bei Grindelwald

Seltenes Naturschauspiel im Berner Oberland: Ein Gletscherabbruch sorgte beim Wätterlouwina für eine riesige Eiswolke.

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nel/cho

Beim Wetterhorn (3692 Meter über Meer) nahe Grindelwald hat sich am Freitag Spektakuläres ereignet: Teile des Gutzgletschers brachen ab, wobei tausende Kubikmeter Eis auf eine Alpwiese stürzten. Dies berichtete die «Jungfrau Zeitung».

Naturliebhaber Hans Bühler (52) gelang, wovon viele träumten: Er konnte das spektakuläre Ereignis aus nächster Nähe miterleben. Zusammen mit seiner Frau Marianne (54) war er am Freitag auf einer Wanderung im Gebiet der Grossen Scheidegg. Das Wetter war beim Aufbruch am Morgen noch schlecht. «Der Regen rieselte und zwischendurch überraschte uns gar ein bisschen Schnee», erzählt Hans Bühler.

Laut wie ein Flugzeug

Mittags kehrten die beiden auf der grossen Scheidegg ein und nahmen eine Mahlzeit zu sich. Der Himmel klarte derweil auf und beim Abstieg auf dem Wanderweg zeigte sich das Wetter mit Sonne und strahlend blauem Himmel von seiner schönsten Seite.

Plötzlich vernahmen die Bühlers einen lauten Knall. «Zuerst dachte ich, es wäre ein Flugzeug», erzählt der 52-Jährige. Gerade freitags sei oft ein reger Verkehr in der Luft, da der Flugplatz Meiringen in der Nähe liege. Dann bemerkte das Ehepaar die weisse Walze, die den Wätterlouwine-Graben hinunterdonnerte.

«Es war definitiv auch Angst mit im Spiel»

«Im ersten Moment war definitiv auch Angst mit im Spiel, als die Druckwelle uns mit grosser Wucht traf», berichtet Bühler. «Zwischen Fotografieren und Filmen hielten meine Frau und ich daher auch Ausschau nach einem Ort, bei dem wir in Deckung gehen könnten», berichtet der passionierte Hobbyfotograf. So hätten sie einen grossen Stein erspäht.

«Ein solches Monster ist selten»

Doch der Gletscherabbruch kam nicht näher an das Paar heran: «Die grosse, eindrückliche Wolke stoppte abrupt und stieg nach oben, wo sie sich schnell verflüchtigte. Nur ein leichter Regen zog über uns hinweg», erzählt Bühler erleichtert. «Wir sind vom ganzen Spektakel sehr überrascht worden und es war sehr beeindruckend, das Ganze aus einer solchen Nähe betrachten zu können», schwärmt der passionierte Wanderer.

Auch erfahrene Bergler zeigen sich beeindruckt über die Aufnahmen von Bühler: «Da stand jemand zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ein solches Monster sieht man wirklich selten», sagt Hanno Tschabold, Bergführer aus Interlaken.

Es ist bekannt, dass kleinere Stücke des Gutzgletschers an dieser Stelle immer mal wieder den Berg hinunterstürzen. So beurteilt die ETH Zürich den Gletscher mittelfristig als gefährlich. Zu Recht: 1999 fanden bei einem Abbruch rund 30'000 Kubikmetern Eis den Weg ins Tal. Der Abbruch erfolgte in der Nacht, verletzt wurde niemand.

Gletscher fliessen immer Richtung talwärts, erklärt der Berner Glaziologe Samuel Nussbaumer. Beim Wetterhorn sei die Situation jedoch speziell: «Der Gletscher schiebt sich jährlich Stück für Stück über eine Felskante. Wird das Gewicht zu gross, bricht das Eisstück ab und stürzt ins Tal.» Das Ganze sei ein sehr seltenes, aber spektakuläres Ereignis.

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