Wiedererstarkter Franken: Spekulanten fordern SNB heraus
Aktualisiert

Wiedererstarkter FrankenSpekulanten fordern SNB heraus

Das Aufatmen beim Euro-Franken-Kurs war verfrüht. Der Franken hat sich in den letzen drei Tagen wieder massiv verstärkt. Die Spekulanten haben die Angst vor der Nationalbank verloren.

von
Sandro Spaeth
Der Franken wir wieder rasant schnell stärker. Wann kommt die nächste Intervention der Schweizer Notenbanker?

Der Franken wir wieder rasant schnell stärker. Wann kommt die nächste Intervention der Schweizer Notenbanker?

Beim Blick auf den Währungschart dürfte sich die Stirn des Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand erneut in Falten legen. Der Euro kratzte am Freitag an der Marke von 1.10 Franken. Die Entscheidungsträger der Schweizer Nationalbank (SNB) dürften die Entwicklung gebannt verfolgen. Der Grund: Nach dem erstmaligen Unterschreiten der Grenze von 1.10 Anfang August war der Euro-Franken-Kurs innert rund einer Woche bis zur Parität gefallen.

«Wird die psychologisch wichtige Marke von 1.10 Franken erneut durchbrochen, kann es sehr rasch in Richtung Parität gehen», sagt Sarasin-Währungsökonomin Ursina Kubli im Gespräch mit 20 Minuten Online. Zur Erinnerung: Am vergangenen 9. August tauchte der Euro-Franken-Kurs innerhalb lediglich eines Tages von 1.08 auf noch 1.007 Franken.

Spekulanten sind zurück

Nun geht es erneut dramatisch schnell abwärts. Innerhalb von zwei Tagen fiel der Euro von 1.1608 auf 1.099 Franken am Freitagnachmittag. «Die Aufwertung des Frankens hat einerseits mit schlechten Wirtschaftsaussichten aus den USA zu tun, andererseits mit Hedgefonds, die wieder ins Geschäft mit dem Franken eingestiegen sind», sagt ZKB-Ökonom David Marmet. Ins selbe Horn stösst Ursina Kubli: «Neben den schlechten Fundamentaldaten sind die Spekulanten zurückgekommen».

Für Hedgefonds hat die Ankündigung der Schweizer Notenbanker, im Notfall drastische Massnahmen gegen die Frankenstärke zu ergreifen, an Schrecken verloren. Seit zwei Wochen ist die SNB kommunikationstechnisch auf Tauchstation: «Immer mehr Investoren fragen sich , ob die Nationalbank tatsächlich bereit wäre, harte Massnahme einzuführen, sollte sich der Franken wieder dramatisch aufwerten», so Marmet.

Würde die Nationalbank allerdings eine Untergrenze des Euro-Franken-Kurses bekanntgeben, müsste sie diese mit massiven Fremdwährungszukäufen verteidigen. Sollte der Euro trotzdem weiter sinken, drohen der Notenbank grosse Verluste.

Liquiditätsausweitung unwahrscheinlich

Den Trend des immer stärkeren Frankens konnte die SNB Anfang August mit der Ausweitung der Liquidität und geschickter Kommunikation brechen. Die SNB erhöhte die Girokonten der Banken bis auf 200 Milliarden und warf damit sozusagen die Notenpresse an. «Diese Massnahme dürfte nun am Ende sein», sagt David Marmet. Dass die Notenbanker die Liquidität kommende Woche weiter erhöhen, ist eher unwahrscheinlich: «Es würde zu keiner Schwächung des Frankens mehr führen», so Marmet.

Währungsspezialistin Ursina Kubli schliesst darum nicht aus, dass die Nationalbank bereits nächste Woche am Devisenmarkt interveniert. «Diesmal wird die SNB nicht bis zur Parität zuwarten», so Kubli. Die Notenbanker befinden sich in einer schwierigen Lage: Dem Treiben weiter zusehen oder intervenieren? «Es gilt abzuwägen, wann der Schweizer Wirtschaft durch die Frankenstärke entstehende Schaden schwerer wiegt, als das Risiko einer definierten Kursuntergrenze», sagt Marmet.

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