VW-Rally: Spekulationen über Spekulationen
Aktualisiert

VW-RallySpekulationen über Spekulationen

Seit Wochenanfang hat die wahnwitzige Kursentwicklung der VW-Aktien die Deutsche Börse durchgeschüttelt. Nun soll sich die Dax-Zusammensetzung ändern. Auch Porsche will die Kursausschläge glätten.

Nach bereits riesigen Ausschlägen vom mehreren Hundert Euro in den Vortagen schnellte gestern Dienstag die VW-Aktie um über 100 Prozent nach oben. Der Automobilkonzern Porsche hat Zugriff auf 74,1 Prozent der Aktien - das Land Niedersachsen besitzt 20,2 Prozent. In echtem Streubesitz befinden sich nur noch 5,7 Prozent. Durch diese Entwicklung machte der Konzern zeitweise rund einen Drittel des gesamten Gewichts im Deutschen Aktienindex (Dax) aus. Dadurch wurde die Index-Entwicklung komplett verfälscht. Zu Spitzenzeiten war die Aktie mehr als 1000 Euro wert. Der VW-Konzern war für kurze Zeit das teuerste Unternehmen der Welt – Mit einem Börsenwert von 300 Milliarden Euro vor dem US-Ölkonzern Exxon.

Deutsche Börse reagiert

Bereits ab nächsten Montag will die Deutsche Börse den VW-Effekt auf den Index dämpfen. Wenn die Aktien am Freitag nicht unter 10 Prozent vom Index-Wert liegt, soll sie auf diese Schwelle zurückgestuft werden. Wie sich dieser Eingriff auswirkt, ist schwer zu sagen. «Dies wird den Druck auf VW drastisch senken und in den kommenden Tagen ist mit deutlichen Kursrückgängen in VW zu rechnen», erklärt Christian Stocker, Indexexperte der Unicredit, wie «Handelsblatt.com» berichtet.

In den vergangenen Tagen wurde Kritik an der Börse laut. Die VW-Aktie hätte aussetzen müssen. «Im jetzigen Exzess muss die Börse reagieren», wettert Stocker weiter. Ein Sprecher der Börse weisst diese Vorwürfe zurück: «Das gibt unser Regelwerk nicht her.» Es gibt drei Situationen, in denen der Handel ausgesetzt wird: wenn Aktien nicht lieferbar sind, bei ausländischen Aktien, bei denen der Handel am Heimmarkt aussetzt, oder wenn die Informationslage über ad-hoc-pflichtige Tatbestände unklar ist. «Nichts davon traf bei VW zu», so der Sprecher weiter.

Porsche wirft Optionen auf den Markt

Um die Lage zu beruhigen warf Porsche ein Optionenpaket auf den Markt. Der Kurs der VW-Aktie brach bis zum Nachmittag um mehr als 40 Prozent auf 552 Euro ein. Gleichzeitig erklärt Porsche, dass das Unternehmen nichts mit den Marktverwerfungen und der daraus resultierenden Risiken zu tun habe. Für diese Schwankungen seien Leerverkäufe verantwortlich. Der Konzern sei während der Kursschwankungen nicht am Markt aktiv gewesen.

Des Pudels Kern

Für die Kursturbulenzen der VW-Aktie sind scheinbar Hedge-Fonds verantwortlich, die auf sinkende VW-Aktien spekuliert haben. Geliehene VW-Aktien wurden verkauft und müssen nun zu einem ungünstigen Zeitpunkt zurückgekauft werden – ein riesiges Verlustgeschäft. Brancheninformationen zufolge habe so der Londoner Headge-Fonds Marshall Wace mehr als fünf Milliarden Euro verloren. Das Unternehmen dementierte dies jedoch und erklärte der Verlust sei wesentlich kleiner. Brancheninsidern zufolge sei das nicht der einzige Hedge-Fonds, dem die VW-Aktie über den Kopf wächst.

Software gesteuerte Fonds fahren Verluste ein

Nicht nur Spekulanten leiden unter diesem unerwarteten Anstieg der Aktie. Auch Index-Fonds sind gezwungen, VW-Aktien zu astronomischen Preisen zu kaufen. Diese Fonds bilden automatisch den Index nach – soviel Prozente die Aktien im Index ausmacht, so viel sind es im Fonds. Steigt die VW-Aktie stark, während der Dax sinkt, erhöht sich prozentual der VW-Anteil am Index. Das löst in der Software eine Kaufanweisung aus.

(scc/zac)

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