Nordkorea: Spekulationen um Kim Jong Ils Nachfolger

Aktualisiert

NordkoreaSpekulationen um Kim Jong Ils Nachfolger

Wahlen in Nordkorea gelten als reine Formsache. Anders wird es auch am kommenden Sonntag nicht sein, wenn in dem kommunistischen Land Parlamentswahlen abgehalten werden sollen. Trotzdem wird es heuer spannend, da die Zeichen auf Machtwechsel stehen.

von
Dirk Godder
dpa

Wie schon in der Vergangenheit werden die Kandidaten, darunter auch Militärmachthaber Kim Jong Il, wohl 100 Prozent Zustimmung der Wähler erhalten. Doch steht nicht der Ausgang dieses staatlich orchestrierten Wahltheaters im Mittelpunkt.

Vielmehr erhofft man vor allem in Südkorea, dass sich der Vorhang ein wenig lichten könnte, hinter der sich die politische Zukunft des Nachbarlandes verbirgt.

Kriegerische Drohungen

Mit den Berichten über eine mutmassliche Erkrankung Kims im vergangenen Sommer ist auch die Frage der Nachfolgeregelung wieder in den Vordergrund gerückt. Dies zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel verschärft haben.

Nordkorea, das der Regierung in Seoul eine Konfrontationspolitik unterstellt, stösst seit Wochen kriegerische Drohungen aus. In den offiziellen Medien wird davor gewarnt, dass die Halbinsel «am Rande eines Krieges» stehe.

Trotz dieser spannungsgeladenen Atmosphäre soll die Ansetzung der Wahlen nach Meinung von Beobachtern das Gefühl der politischen Normalität hervorrufen. So wird die Wahl als Zeichen dafür gewertet, dass Kim wieder einigermassen genesen ist und die Zügel bei den Regierungsgeschäften in der Hand hat.

Schlaganfall vermutet

Der 67-jährige Diktator war wochenlang von der öffentlichen Bildfläche verschwunden. Nach Informationen des südkoreanischen Geheimdienstes erlitt er einen Schlaganfall. Kims Abwesenheit könnte demnach auch der Grund für die Verschiebung des Wahlgangs gewesen sein.

Die fünfjährige Amtszeit der Abgeordneten der Volksversammlung lief im vergangenen Jahr ab. Die derzeit 687 Mitglieder wurden 2003 gewählt. Es wird damit gerechnet, dass Kim erneut als Vorsitzender der mächtigen Nationalen Verteidigungskommission bestätigt wird, wenn das neue Parlament zusammentritt.

Die so genannte Oberste Volksversammlung ist nominell das höchste Machtorgan des Staates. Sie tritt aber normalerweise nur zweimal jährlich zusammen. Auf den Sitzungen werden weitgehend vorher gefasste Beschlüsse der Arbeiterpartei ratifiziert.

Spekulationen über Nachfolge

Da kaum Informationen aus dem inneren Machtzirkel in Pjöngjang nach aussen dringen, reissen auch die Spekulationen um mögliche Positionskämpfe und die Machtnachfolge nicht ab. Zuletzt kursierten in den südkoreanischen Medien Gerüchte, wonach Kim seinen jüngsten von drei Söhnen, Jong Un, per Weisung als seinen Nachfolger ernannt habe.

Nach Berichten der Nachrichtenagentur Yonhap liess sich Kim Jong Un - er soll 24 oder 25 Jahre alt sein - als Kandidat für die Wahl aufstellen. Wie früher in anderen kommunistischen Ländern ist auch in Nordkorea die Nachfolgeregelung nicht institutionalisiert. Sollte der Sohn gewählt werden, wäre das zumindest ein Hinweis darauf, dass er als Machterbe aufgebaut werden könnte.

Kim Jong Il hat selbst hat sich für den Wahlbezirk 333 registrieren lassen. In einem offenen Brief hatte er Mitte Februar die Wahlberechtigen des 23 Millionen-Volkes zur Stimmabgabe aufgefordert. Das Fernbleiben von der Wahl gilt in Nordkorea nach Angaben von Überläufern aus dem Land als «politisches Vergehen».

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