Verdacht auf sexuelle Gewalt: Spenden sollen Aufklärung im Fall Nathalie* (8) vorantreiben

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Verdacht auf sexuelle GewaltSpenden sollen Aufklärung im Fall Nathalie* (8) vorantreiben

Der Vater des Mädchens soll ihm jahrelang sexuelle Gewalt angetan und es satanischen Ritualen unterzogen haben. Die Mutter kämpft derzeit mit dem Existenzminimum. Ein Crowdfunding soll nun Abhilfe schaffen.

von
Elodie Kolb
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Im Frühling erhob ein achtjähriges Mädchen gegenüber der Kinderpsychiatrie Baselland schwere Vorwürfe gegen seinen Vater. Er hat jahrelang sexuelle Gewalt gegen es ausgeübt und es gar satanischen Ritualen unterzogen. Dieses Bild soll das Mädchen gezeichnet haben.

Im Frühling erhob ein achtjähriges Mädchen gegenüber der Kinderpsychiatrie Baselland schwere Vorwürfe gegen seinen Vater. Er hat jahrelang sexuelle Gewalt gegen es ausgeübt und es gar satanischen Ritualen unterzogen. Dieses Bild soll das Mädchen gezeichnet haben.

zvg
Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) soll bereits vorher Hinweise darauf gehabt haben, dass das Mädchen missbraucht wurde, ohne die Staatsanwaltschaft zu informieren. Nun läuft gegen die Zuständigen ein Strafverfahren.

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) soll bereits vorher Hinweise darauf gehabt haben, dass das Mädchen missbraucht wurde, ohne die Staatsanwaltschaft zu informieren. Nun läuft gegen die Zuständigen ein Strafverfahren.

bs.ch/Juri Weiss
Auch gegen den Vater wird ermittelt, wie die Solothurner Staatsanwaltschaft sagt. Er ist jedoch nicht in Haft.

Auch gegen den Vater wird ermittelt, wie die Solothurner Staatsanwaltschaft sagt. Er ist jedoch nicht in Haft.

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Darum gehts

  • Der Vater der achtjährigen Nathalie soll jahrelang sexuelle Gewalt gegen sie ausgeübt haben.

  • Gegen ihn und die zuständige Stelle der Kesb laufen Strafverfahren.

  • Freundinnen der Mutter des Mädchens sammeln nun über ein Crowdfunding Geld, um die Anwalts- und Therapiekosten zu decken.

Die achtjährige Nathalie* begann im April in der Kinderpsychiatrie Baselland von jahrelanger sexueller Gewalt durch ihren Vater zu erzählen. Dabei soll die zuständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Hinweise gehabt und nicht gehandelt haben. Gegen den Vater läuft Strafverfahren, wie die Solothurner Staatsanwaltschaft auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt.

Freundinnen der Mutter haben inzwischen gemeinsam mit dem Verein «Gemeinsam gegen Kindsmissbrauch» das Crowdfunding «Hilfe für Nathalie» gestartet, um das Mädchen und seine Mutter finanziell zu unterstützen. «Ich finde das eine ganz liebe Idee», sagt die Mutter zu 20 Minuten. Eine Freundin habe sich überlegt, wie sie helfen könne.

94’000 Franken reichen für ein Jahr

«Ich lebe am Existenzminimum und habe Anspruch auf die unentgeltliche Rechtspflege von der Kesb. Es wird allerdings nur das Minimum bezahlt, und das reicht in unserem Fall einfach nicht», so die Mutter. Die ganzen Anwalts- und Gerichtskosten könne sie sich nicht leisten. Das Geld vom Crowdfunding brauche sie deshalb dringend.

Das Ziel des Crowdfunding beläuft sich laut der Wemakeit-Seite auf 94’000 Franken, was die Kosten für die Rechtsvertretung, Betreuung und Therapie eines Jahres decke. Gesammelt wird in drei Etappen. 35’000 Franken sollen zunächst zusammenkommen. Stand 9. Dezember haben 117 Personen das Projekt mit knapp 25’000 Franken unterstützt.

Wieso reicht die gesetzliche Unterstützung nicht?

«Das Opfer oder die Mutter sollten sich zeitnah an eine Opferberatungsstelle wenden», sagt Fedor Bottler, Psychologe bei der Opferhilfe Zürich. Personen, denen sexuelle Gewalt angetan wird, hätten grundsätzlich Anspruch auf Beratung und Unterstützung gemäss Opferhilfegesetz. Je nach Situation beinhalte das auch finanzielle Leistungen, die in kausalem Zusammenhang zu den Folgen eines Sexualdelikts stünden.

Der Anwalt der Mutter zeichnet ein düstereres Bild. «Ob solche Massnahmen greifen, weiss man erst im Nachhinein», sagt er. Es gebe Fälle, in denen Gerichte die unentgeltliche Rechtspflege im Urteil nicht gewährten. Zudem dauere es sehr lange, bis aufwendige Verfahren wie bei einem Kesb-Fall finanziert seien. «Das führt zu Unsicherheiten aufseiten der Opfer und ihrer Rechtsvertreter», sagt er.

Zugleich kritisiert er, dass Anwälte, deren Aufwand vor allem von der unentgeltlichen Rechtspflege gedeckt sei, oft ein grosses Risiko tragen würden, dass ihre Kosten nicht gedeckt werden. Dies könne sich wiederum zum Nachteil ihrer Mandanten auswirken, deren Fälle nicht mit der nötigen Dringlichkeit vorangebracht würden.

*Name geändert.

Korrigendum: In einer früheren Version des Artikel stand, dass die Staatsanwaltschaft Solothurn gegen die Verantwortlichen bei der Kesb ein Verfahren führt. Das ist falsch.

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?

Hier findest du Hilfe:

Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Castagna, Opferhilfe für Betroffene und Angehörige

Pro Juventute, Tel. 147

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

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