Spendengelder abgezockt
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Spendengelder abgezockt

Das Basler Strafgericht hat den Gründer des Vereins Menschen gegen Minen wegen Wuchers zu 16 Monaten Gefängnis bedingt verurteilt.

Das Gericht befand, dass das vom Angeklagten bezogene Honorar um mindestens eine halbe Million Franken zu hoch war.

Der 43-jährigen Schweizer hatte 1998 den Verein Menschen gegen Minen als Schweizer Ableger der gleichnamigen deutschen Stiftung gegründet. Der Vorstand setzte sich aus einem Pfarrer, einem Lehrer und einer Spitex-Frau sowie einem Vertreter der deutschen Stiftung zusammen.

Der Angeklagte selbst war nicht Vorstandsmitglied. Er war aber ab 2001 gegen Entgelt für das Fundraising und die Geschäftsführung zuständig. Der Vertrag, den der Verein mit dem Angeklagten abgeschlossen hatte, hielt fest, dass ihm einen Anteil von 17,65 Prozent seiner Kosten zurückerstattet werden.

Weiter war im Vertrag abgemacht, dass Spenden zur weiteren Spendengewinnung reinvestiert werden durften. Dadurch wurde das Entgeld des Angeklagten indirekt von den Spendeneinnahmen abhängig. Dieses Konstrukt bezeichnete die Gerichtspräsidentin in der Urteilsbegründung als standeswidrig.

Nicht der Gegenleistung entsprochen

Nach Meinung des Gerichts sei eine Bemessung nach Zeitaufwand die einzige zulässige Berechnungsart. Insgesamt bezog der Angeklagte ein Honorar von 1,4 Millionen Franken. Dieser Betrag hat aus der Sicht des Gerichts auch bei einer grosszügigen Berechnung nicht der vom Angeklagten erbrachten Gegenleistung entsprochen.

Weil der Angeklagte nach Meinung des Gerichts bei der Festlegung des Entgelds die Unerfahrenheit der Schweizer Vorstandsmitglieder ausnützte, kam es zu einem Schuldspruch wegen Wuchers. Die Gerichtspräsidentin bezifferte den Deliktsbetrag auf mindestens eine halbe Million Franken.

Als belastend nannte die Gerichtspräsidentin auch den Umstand, dass der Angeklagte zahlreiche Spender darüber täuschte, dass der grösste Teil der Spenden nicht in Entminungsprojekte fliessen, sondern zur Gewinnung weiterer Spenden eingesetzt würde. Nur gerade vier Prozent der Spenden wurden für Projekte verwendet.

Ausserdem fiel bei der Strafzumessung negativ ins Gewicht, dass keine Spur von Wiedergutmachung zu verzeichnen sei.

(sda)

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