Spendenaktion: Spendenorgie «in der Schweiz undenkbar»
Aktualisiert

SpendenaktionSpendenorgie «in der Schweiz undenkbar»

Die gigantische, von Bill Gates und Warren Buffett lancierte Spendenaktion wäre in der Schweiz nicht möglich.

von
Othmar Bamert

Die beispiellose Spendeninitiative von Bill Gates und Warren Buffett lässt die Schweizer Geldelite knauserig aussehen. Sie brachten 40 US-Milliardäre dazu, öffentlich zu versprechen, mindestens die Hälfte ihres Vermögens zu spenden. Eine philanthropische Orgie dieser Dimension wäre in der Schweiz nicht vorstellbar. Denn «Tue Gutes und rede darüber» hat hierzulande keine Tradition.

«In der Schweiz wäre es undenkbar, dass Reiche öffentlich solche Spendensummen bekannt geben würden», sagt Georg von Schnurbein, Philanthropie-Experte an der Uni Basel. Der Grund: In der Eidgenossenschaft rede man nicht gerne über Spenden. «Aber abgesehen davon gibt es auch viel weniger Superreiche als in den USA», so von Schnurbein. Tatsächlich besitzt einzig der reichste Schweizer, Ikea-Gründer Ingvar Kamprad, ein Vermögen von über 15 Mrd. Franken (laut Bilanz 35 Mrd. Franken). Und selbst er ist ein Leichtgewicht gegenüber Bill Gates (55 Mrd. Franken).

Privates Engagement als Ersatz für Staatsaktivitäten

«In den USA werden Spenden aber auch als Ersatz für Staatsaktivitäten angesehen, hier bloss als Ergänzung», gibt von Schnurbein zu bedenken. Deshalb würden dort auch 15 Prozent der Erträge von Nonprofitorganisationen aus Spenden stammen. In der Schweiz sind es dagegen bloss acht bis 10 Prozent.

Not am eigenen Leib erfahren

Hinzu kommt laut dem Basler Experten, dass die Spendenkultur in Amerika im 19. Jahrhundert massgeblich von Personen geprägt wurde, deren Familien selbst grosse Not erfahren haben (z.B. die Rockefellers, siehe Bildstrecke) und die deshalb diese lindern wollten.

Not – die in der Schweiz Gott sei Dank ausgeblieben ist – dürfte übrigens für die neuste Spendenkampagne der 40 amerikanischen Milliardäre eine zentrale Rolle gespielt haben. «Die Finanzkrise hat die USA viel stärker getroffen als Europa. Die Reichen merken deshalb, dass sie etwas tun müssen, um von der Gesellschaft akzeptiert zu werden», glaubt von Schnurbein.

Deine Meinung