Aktualisiert 10.10.2003 13:48

Spendenrückgang bei Hilfswerken

Die Schweizerinnen und Schweizer sind in diesem Jahr nicht spendabel: Viele Hilfswerke müssen einen Spendenrückgang hinnehmen.

Beim Heks beträgt der Rückgang rund sieben Prozent. Es werden sieben Teilzeitstellen abgebaut.

Seit Jahresbeginn sanken die Spendeneinnahmen beim Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) im Vergleich zur Vorjahresperiode insgesamt um 1,5 Millionen Franken oder 13 Prozent. Heks-Zentralsekretär Franz Schüle bestätigte am Freitag entsprechende Angaben der Zeitschrift «reformierte presse».

Ein Teil des Rückgangs sei allerdings darauf zurückzuführen, dass sich 2003 schleichende und nicht akute Katastrophen ereignet hätten. Es seien keine Nothilfeaktionen erfolgt. Von der Nothilfe bereinigt betrage der Spendenrückgang rund 7 Prozent, sagte Schüle.

Caritas und mission 21

Einen Spendenrückgang verzeichnet auch Caritas. Die Grössenordnung könne noch nicht beziffert werden, sagte Jürg Arnold von der Marketingabteilung auf Anfrage. Es stehe aber fest, dass im laufenden Jahr weniger Spenden eingegangen seien.

Der mission 21 der evangelischen Kirchen der Schweiz droht wegen des Spendenrückgangs 2004 ein Betriebsdefizit von 1,9 Millionen Franken. Das Missionswerk baut deshalb 5,5 Stellen ab, wie es im September mitteilte.

Bei der Behindertenorganisation Pro Infirmis zeichnet sich für das laufende Jahr ein Defizit von knapp 2 Millionen Franken ab, wie jüngst bekannt wurde. Anders als bei anderen Organisationen steht bei Pro Infirmis allerdings nicht der Spendenrückgang im Zentrum, sondern die Zunahme der Klientenzahl.

Wirtschaftslage und Spendenskandale

Die geringe Spendierfreude der Bevölkerung erklären sich die Verantwortlichen der betroffenen Organisationen in erster Linie mit der schlechten Wirtschaftslage. Sie schliessen aber nicht aus, dass diverse Spendenskandale im Frühling und Sommer sich negativ ausgewirkten.

Für Aufsehen gesorgt hatten die Verurteilung von Guido A. Zäch wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung am Paraplegikerzentrum sowie die Ermittlungen gegen die Minenhilfsorganisation «Ensemble contre les mines» (ECM) wegen möglichem Spendengeldermissbrauch. Ausserdem war bekannt geworden, dass die Schweizer Berghilfe in den letzten Jahren 16 Millionen Franken an der Börse verlor. (sda)

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