26.10.2020 17:32

Schluss um 23 UhrSperrstunde überrumpelt die Basler Barbetreiber

Der Kanton Basel-Stadt kündigte am Freitag die Einführung einer Sperrstunde für alle Restaurationsbetriebe an. Da diese bereits am Samstag in Kraft getreten ist, können die Betreiber nicht planen und verzeichnen finanzielle Einbussen.

von
Elodie Kolb
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Nach dem Beschluss einer Sperrstunde ab 23 Uhr in Basel sehen sich die Barbetreiber vor weiteren Corona-bedingten Erschwerungen. Nicolas Grumbacher von L’ Atelier spricht von «massiven finanziellen Einbussen».

Nach dem Beschluss einer Sperrstunde ab 23 Uhr in Basel sehen sich die Barbetreiber vor weiteren Corona-bedingten Erschwerungen. Nicolas Grumbacher von L’ Atelier spricht von «massiven finanziellen Einbussen».

Facebook/ L’Atelier
Die Bar Rouge sieht sich nicht in der Lage, unter diesen Umständen wirtschaftlich geöffnet zu bleiben, und bleibt bis auf weiteres geschlossen, wie sie auf der Homepage mitteilt. 

Die Bar Rouge sieht sich nicht in der Lage, unter diesen Umständen wirtschaftlich geöffnet zu bleiben, und bleibt bis auf weiteres geschlossen, wie sie auf der Homepage mitteilt.

Screenshot/ Bar Rouge 
Auch Matthias Seitz von der Baltazar-Bar hält die Lage für schwierig. Er warte jetzt ab, ob am Mittwoch noch weitere Massnahmen verkündet würden, und schaue dann, ob die Bar rentabel offen bleiben könne. 

Auch Matthias Seitz von der Baltazar-Bar hält die Lage für schwierig. Er warte jetzt ab, ob am Mittwoch noch weitere Massnahmen verkündet würden, und schaue dann, ob die Bar rentabel offen bleiben könne.

Baltazar Bar

Darum gehts

  • Der Kanton Basel-Stadt verkündete am Freitag die Einführung einer Sperrstunde.

  • Diese trat bereits am Samstag in Kraft und überrumpelte damit Barbetreiber.

  • Neben finanziellen Schwierigkeiten stellen sich Probleme in der Personalplanung. Arbeitspläne mussten kurzfristig umgestellt werden.

  • Der Wirteverband hält die Sperrstunde nicht für eine wirkungsvolle Massnahme.

Am Samstagabend gab die Bar Rouge auf ihrer Website bekannt, dass sie bis auf weiteres geschlossen bleibt, da die geltenden Verordnungen einen wirtschaftlichen Betrieb verunmöglichen. Denn: Am Freitagabend beschloss das Gesundheitsdepartement Basel-Stadt, eine Sperrstunde ab 23 Uhr einzuführen – ab Samstag.

«Die geltenden Regeln kommen einem ‹Berufsverbot› gleich, ohne dass finanzielle Kompensation in Aussicht gestellt wird», schreibt die Bar Rouge in ihrem Statement. Auch andere Barbetreiber blicken nun verunsichert auf die kommenden Wochen.

«Wegen der Sperrstunde haben wir massive finanzielle Einbussen», sagt etwa Nicolas Grumbacher, Besitzer von L’ Atelier auf Anfrage von 20 Minuten. «Unser Kerngeschäft sind Events und Weihnachtsfeiern und davon wurden bereits viele abgesagt.» Aber es sei nicht nur eine finanzielle Frage: Insbesondere die Arbeitsplanung der Mitarbeitenden sei wegen der kurzfristigen Einführung kaum möglich.

«Die Frage ist: Bleiben wir offen und haben finanzielle Einbussen oder schliessen wir und machen genauso Verluste?», sagt Grumbacher. Beim Zapfenstreich handle es sich de facto um einen Lockdown, der aber keinerlei finanzielle Unterstützung mit sich bringe. Er ist sich daher nicht sicher, ob seine Bar offen bleiben kann, und wartet jetzt bis am Mittwoch, ob der Bundesrat weitere Massnahmen verfügt, wie er sagt.

Hoffen auf Mieterlass

Auch die Grossbasler Cargo-Bar macht grosse Umsatzverluste und es gibt weniger Arbeitsstunden, die den Mitarbeitenden ausbezahlt werden können, wie Geschäftsführer Claude Gaçon gegenüber 20 Minuten sagt. «Das ist natürlich nicht erfreulich. Ich hoffe aber, dass die Menschen ihre Gewohnheiten ändern und schon früher kommen», sagt er.

«Besonders blöd finde ich, dass es bisher keine verbindlichen Regelungen bezüglich dem Mieterlass gibt.» Wenn ein Vermieter von sich aus keine Reduktion gewähre, müssten Betriebe die volle Miete bezahlen. «Und so ist es bei uns», so Gaçon.

Der Wunsch nach einer Mietreduktion äusserte auch Laura Herbella, Inhaberin der Soho-Bar, auf Anfrage: «Die Miete macht uns zurzeit grosse Bauchschmerzen. Wir hoffen sehr, dass da noch etwas vom Bund kommt, damit nicht jeder selber darauf hoffen muss, dass die Miete erlassen wird», wie sie sagt.

Verlagerung ins Private

Maurus Ebneter vom Basler Wirteverband erachtet die finanziellen Einbussen, die Gastrobetriebe aufgrund der Sperrstunde in Kauf nehmen müssen, als «existenzgefährdend», wie er gegenüber 20 Minuten sagt. Es stelle sich besonders bei kleineren Betrieben die Frage, ob eine Schliessung nicht weniger Schaden bedeuten würde, als unter diesen Umständen geöffnet zu bleiben.

Ebneter hält die Sperrstunde überdies für nicht besonders hilfreich in Bezug auf die Pandemie, wie er sagt. «So verlagern sich noch mehr Anlässe und Treffen ins Private, wo es oft keine Schutzkonzepte gibt», gibt er zu bedenken. Und dort würden auch die Abstände weniger konsequent eingehalten.

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112 Kommentare
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schwyzerstimm

27.10.2020, 15:46

Macht doch nichts. Ab über die Grenze. Gefeiert wird überall

Justsayin

26.10.2020, 20:42

Ich glaube es ist und bleibt für alle Unternehmer, Mitarbeiter und Kunden eine Herausforderung. Das Problem sind nicht die Verordnungen oder Massnahmen- das war absehbar, sondern das Kurzfristige. Die Politik kann auch nicht mehr machen, wie zu reagieren und versuchen den kleinstmöglichen Schaden anzurichten. Generell verstehe ich die Abschätzung gegenüber Gastronomen nicht. Beklagen tun sich doch alle, betroffen sind wir doch alle. Anstatt sich über die anderen aufzuregen, mit Fingern zu zeigen, sollten sich alle darauf konzentrieren die Betriebe aller Branchen zu unterstützen, die ihnen am Herzen liegen.

Richy Rich

26.10.2020, 20:34

Das ist ja wie vorgezogenes Weihnachten, jetzt kann man günstig in Basel diverse Unternehmen ekaufen, wunderbar. Vielen Dank.