Basel: Sperrzone Stadtcasino – das wird am Zionistenkongresses gefeiert 

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BaselSperrzone Stadtcasino – das wird am Zionistenkongresses gefeiert 

1897 wurde in Basel der Grundstein für das heutige Israel gelegt. Für das 125-Jahr-Jubiläum wird die Innenstadt zu einer Hochsicherheitszone. Rund 700 Polizei- und Armeeangehörige sind im Einsatz.

von
Jeanne Dutoit
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Sperrzone Stadtcasino: Hier wurde vor 125 Jahren die Gründung Israels in die Wege geleitet. Am Montag wurde dies im Beisein des israelischen Staatspräsidenten Isaac Herzog gefeiert.

Sperrzone Stadtcasino: Hier wurde vor 125 Jahren die Gründung Israels in die Wege geleitet. Am Montag wurde dies im Beisein des israelischen Staatspräsidenten Isaac Herzog gefeiert.

20 Minuten
Theodor Herzl hat am ersten Zionistenkongress in Basel zur Gründung eines israelischen Staates ausgerufen.

Theodor Herzl hat am ersten Zionistenkongress in Basel zur Gründung eines israelischen Staates ausgerufen.

«Aus Theodor Herzl». Von Julius H. Schoeps. Verlag Brandstätter.
Anlässlich des 125-Jahre-Jubiläums des Zionistenkongresses wird das Basler Stadtcasino grossräumig gesichert.

Anlässlich des 125-Jahre-Jubiläums des Zionistenkongresses wird das Basler Stadtcasino grossräumig gesichert.

20 Minuten/lha

Darum gehts

  • Der erste Zionistenkongress wurde 1897 in Basel durchgeführt.

  • Aktivist und Journalist Theodor Herzl rief damals zur Gründung des Staates Israel auf. Er war sich sicher, dass der Antisemitismus in Europa nicht zu besiegen war.

  • Nun jährt sich der Kongress zum 125. Mal. Anlässlich des Jubiläums finden in Basel Feierlichkeiten statt. Die Stadt wurde dafür abgeriegelt.

Basel gleicht in diesen Tagen einer Festung. Über der Stadt kreisen Helikopter, das Militär ist präsent und hat in der Agglomeration hinter einem Stacheldrahtzaun eine Basis errichtet, grosse Teile der Stadt stehen hinter Betonpollern und Sichtschutz. Der Grund: Seit Sonntag laufen die Feierlichkeiten rund um den Zionistenkongress. Der Anlass, an dem der Publizist und Jurist Theodor Herzl 1897, vor 125 Jahren, in Basel zur Gründung eines jüdischen Staates aufrief. Die Idee des modernen Staates Israels war geboren. Zum bedeutenden Jubiläum wird am Montag auch der israelische Präsident Isaac Herzog erwartet. Die Sicherheitskosten des Kongresses, an dem rund 700 Angehörige von Polizei und Armee im Einsatz sind, belaufen sich für den Kanton auf rund fünf Millionen Franken.

«Leider leben wir in einer Welt, in der jüdische Veranstaltungen besonders geschützt werden müssen», hielt die Basler Sicherheitsdirektorin Stephanie Eymann gegenüber 20 Minuten fest.

Doch wieso fiel die Wahl vor 125 Jahren gerade auf das Basler Stadtcasino als Austragungsort des Kongresses?

Erik Petry, stellvertretender Leiter des Zentrums für Jüdische Studien an der Universität Basel, erklärte gegenüber dem «Regionaljournal» von Radio SRF, dass Basel lediglich die zweite Wahl war. Eigentlich hätte die Versammlung in München stattfinden sollen. «Doch die dortige jüdische Gemeinde hatte das abgelehnt. Denn der Zionismus galt damals auch als Bedrohung für die Assimilation», so Petry. Ein Zürcher, der Zionist David Farbstein, brachte dann Basel aufgrund seiner weltoffenen Art und guten koscheren Restaurants ins Spiel. 

Wer war eigentlich der zionistische Gründervater Theodor Herzl?

Der Herzl-Biograf Derek J. Penslar sagte in einem Interview mit dem Jüdischen Museum über den Aktivisten: «Herzl betrat die Bühne zu einem Zeitpunkt, als sich Jüdinnen und Juden nach einer charismatischen, inspirierenden Leitfigur sehnten, die nicht durch bestehende und gescheiterte jüdische Institutionen belastet war.» Herzl war laut Penslar depressiv, egozentrisch und ein Workaholic, alles Attribute, die zu seinem Erfolg geführt hätten.

Wurde die Stadt auch für den ersten Zionistenkongress abgeriegelt?

Herzl war sich nicht bewusst, was der Kongress 1897 für Wellen schlagen würde. Dies werde beim Lesen von Herzls Tagebuch klar, so Petry. Kommen durfte jeder, der wollte und eine Anmeldeliste habe es auch nicht gegeben.  «Am Schluss schaffte es Herzl aber auch dank seines charismatischen Auftrittes, den Zionismus ins Rollen zu bringen.»

Warum wollte Herzl einen jüdischen Staat ausrufen?

Er war sich sicher, dass die jüdische Bevölkerung in Europa niemals gleichberechtigt sein würde. Die Pogrome in Osteuropa bestätigten ihm, dass der Antisemitismus nicht zu besiegen sei. Nur eine «gesicherte Heimstätte in Palästina» könne vor Verfolgung schützen, war er sich sicher.

Was passiert am 125-Jahr-Jubiläum und wer nimmt alles teil?

Rund 1200 Jüdinnen und Juden besuchen derzeit Basel, um an der Feier teilzunehmen. An der Jubiläumsgala am Montagabend im Stadtcasino wird der Höhepunkt der Auftritt des israelischen Staatspräsidenten Isaac Herzog sein. Ausserdem werden Bundesrat Guy Parmelin (SVP) und der Basler Regierungspräsident Beat Jans (SP) an den Feierlichkeiten teilnehmen. Für das entsprechende Rahmenprogramm ist die World Zionist Organization zuständig. Geboten werden unter anderem Think-Tank-Treffen und ein Netzwerkanlass für Unternehmende.

Warum gab es im Vorfeld des Jubiläums eine bewilligte Gegendemo?

Die Gründung des Staates Israel 1948 auf palästinensischem Land ist nicht unumstritten. Am Sonntagnachmittag demonstrierten rund 300 Personen in Basel gegen den Kongress. Die Kritik der Demonstrierenden: Der israelische Staat hätte so nie gegründet werden dürfen. Der Konflikt mit den Palästinenserinnen und Palästinensern ist immer noch ungelöst. «Es war allen bewusst, dass auf dem heutigen Gebiet von Israel eine arabische Bevölkerung lebt. Historisch gab es die Vorstellung, dass die arabische Bevölkerung unter dem Zionismus ein besseres Leben führen kann und darum wurde die Bewegung unterstützt», so Petry, stellvertretender Leiter des Zentrums für Jüdische Studien. 

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