FC Sion: «Spezial-Heizung» im Stade de Tourbillon
Aktualisiert

FC Sion«Spezial-Heizung» im Stade de Tourbillon

Im Wallis geht man immer neuere Wege, um die Austragung von Fussballspielen garantieren zu können. Nun sollen drei Wärmetunnel mit rund 100 Metern Länge den Platz von Schlamm und Eis befreien, damit das Spiel Sion-YB am nächsten Wochenende stattfinden kann.

von
Herbie Egli

«Auf gar keinen Fall!» Christian Constantin reagiert mit grosser Vehemenz auf die Frage, ob man gegen die Young Boys noch einmal in Genf spielen werde. Doch diese Frage ist berechtigt. Auf dem Tourbillon-Rasen liegen noch mindestens 15 cm Schnee und das Grün auf der Seite der Haupttribüne hat schon seit November keine Sonne mehr gesehen.

Überdimensionale Würste und Lärm

Die Situation vor Ort präsentiert sich wie folgt: Drei überdimensionale Würste mit rund 100 Meter Länge verlaufen von einer Seite des Terrains zur anderen und der weithin hörbare Lärm eines Gebläses sorgt auch für grosse Aufmerksamkeit. Bernard Pury, der Stadionverantwortliche der Stadt Sitten, klärt auf: «Das sind drei Wärmetunnel. Im Moment sieht es hier grausam aus. Auf der einen Seite ist der Schnee teilweise geschmolzen und alles versinkt in einem grossen See. Da versuchen wir momentan mit grossen Walzen, das Wasser vom Terrain zu bekommen, aber auch hier brauchen wir die Hilfe der Sonne. Die letzten Niederschläge waren zu heftig. Leider haben wir zum Wochenende hin keine optimalen Wetterprognosen.»

Und was es mit den Wärmetunneln auf sich hat, erklärt der Chef des «Service des Sports» ebenfalls. «Wir konnten auf dem gefrorenen Grund zunächst den Schnee räumen und haben dann diese drei Wärmetunnel verlegt. Unter diesen Tunneln blasen wir schon seit letzter Woche permanent heisse Luft über das Terrain und hoffen so, dass der Boden auftaut.» Auch hier ist der Erfolg aber längst nicht gewährleistet. «Es ist wohl bis in eine Tiefe von rund einem Meter alles knochenhart zugefroren. Wenn wir den Boden nicht bis in eine grössere Tiefe auftauen können, friert er innerhalb kürzester Zeit auch wieder zu», sagt der Stadionverantwortliche und fügt an: «Wir sind an beiden Seiten in einem Wettlauf mit der Zeit».

Nie zuvor ein solcher Aufwand

Für Pury und den Sportamtsleiter der Stadt Sitten, Jean-Claude Donzé, steht jedoch jetzt schon fest: «Wir haben noch nie zuvor einen solchen Aufwand betrieben, aber wir haben keine Wahl», sagte Donzé gegenüber dem «Nouvelliste» und brachte damit auch sein Unverständnis zum Ausdruck, dass man im Dezember und Februar im Wallis Fussballspiele austragen möchte. Zumindest wirtschaftlich gibt es für den FC Sion jedoch einen Lichtblick. Die Swiss Football League bestätigte, dass sie sich finanziell an diesem erheblichen Aufwand beteiligen werde.

Was wäre wenn?

Doch was passiert, wenn der Wettlauf gegen das Klima verloren geht? Präsident Christian Constantin sagt ganz klar «Nein» zu einem erneuten Ausflug nach Genf. «Wir wären inzwischen unter den Strich gerutscht, wenn wir nicht gegen Vaduz und Luzern hätten spielen können. Zwar mit Spielen im Rückstand, aber dennoch darunter. Und bei der schwachen mentalen Verfassung der Spieler wäre das ein zu grosser Druck – einmal abgesehen von der dreiwöchigen Dauerbelastung der englischen Wochen. Wenn wir jetzt nicht im Tourbillon spielen können, dann spielen wir eben nicht. Fussball im Februar im Wallis geht einfach nicht.»

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