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Nach Samurai-AttackeSpezialeinheit überwältigt Querulanten

In Baden verletzte ein Mann mit einem Samurai-Schwert erst einen Polizisten und verschanzte sich danach in seiner Wohnung. Nun konnte ihn die Polizei überwältigen – mit einem Taser.

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fum/adv

Das aargauische Baden kann aufatmen: Der Mann, der einen Polizisten mit einem Samurai-Schwert verletzt hatte, konnte um 14.20 Uhr von der Sondereinheit Argus festgenommen werden. Wie die Kantonspolizei bestätigte, wurde der Mann mit einem Elektroschockgerät, einem sogenannten Taser, ausser Gefecht gesetzt. Er sei dabei unverletzt geblieben.

Man kann allerdings von Glück sprechen, dass es keine weiteren Verletzte gab: Nachdem die Polizei die Wohnungstüre des Querulanten gesprengt hatte, habe er die Polizisten wiederum mit dem Schwert angegriffen. Diese hätten daraufhin einen Schuss auf die Beine des Mannes abgegeben - ihn dabei aber nicht getroffen. Dennoch konnte er überwältigt und mit einem gewöhnlichen Lieferwagen weggebracht werden. Er befindet sich nun in Polizeigewahrsam und wird dem Amtsarzt zugeführt. Dieser muss entscheiden, ob der Mann hafterstehungsfähig ist oder nicht. Je nach Ergebnis kommt er danach in eine Klinik oder ins Gefängnis.

Polizist nicht lebensgefährlich verletzt

Eine fünfköpfige Gruppe der Kantonspolizei Aargau wollte den Mann am Morgen auf Geheiss der Staatsanwaltschaft in seiner Wohnung abholen – dies, weil er gegenüber einer Person massive Drohungen ausgesprochen habe. Dabei drehte er durch: Er zückte ein Schwert und verletzte einen Polizisten am Arm. Die Verletzung ist laut Max Suter, Sprecher der Kantonspolizei Aargau, nicht lebensgefährlich. Der Mann habe operiert werden müssen, es gehe ihm den Umständen entsprechend aber gut.

Eine Nachbarin erlebte die ganze Szenerie mit: «Die Polizisten haben erst an die Türe geklopft, danach hörte ich das Geräusch einer Bohrmaschine. Als Nächstes sah ich den blutenden Polizisten vor dem Haus», sagte sie gegenüber 20 Minuten Online. Bis die Ambulanz eingetroffen sei, habe sie ihn notfallmässig medizinisch versorgt.

Nachbarn sassen fest

Die Polizei habe sie und die anderen Nachbarn daraufhin gebeten, die Türe zu schliessen und die Wohnung nicht zu verlassen. Sie sass stundenlang fest - und hatte Angst. «Es war zwar meistens ruhig, aber ich hatte schon ein mulmiges Gefühl», so die Nachbarin. Ihren Termin beim Arzt musste sie absagen.

Der Verhaftung des Mannes - der sich laut der Polizei in einem «psychischen Ausnahmezustand» befindet - gingen mehrere Stunden der Verhandlungen voraus: Laut Sprecher Suter hielt sich ein Polizeiteam lange vor der Wohnung des Querulanten auf und sprach mit ihm durch die Türe. Offenbar hat er sich dabei gar eine Pause gegönnt: Er wurde auf dem Balkon beim Rauchen gesichtet, auf den Schultern ein Baseballschläger. Äusserlich wirkte er gefasst.

Den Behörden bekannt

Offenbar ist der Angreifer in Baden kein unbeschriebenes Blatt: Wie die Nachbarin auf Anfrage sagte, habe er die Behörden seit Jahren immer wieder auf Trab gehalten. So habe er sich mit dem politischen Mainstream nicht anfreunden können und dies unter anderem auch in Leserbriefen kundgetan. Einer regelmässigen Arbeit sei er in letzter Zeit nicht mehr nachgegangen.

Kapo-Sprecher Suter bestätigte, dass die Polizei bereits am Montagabend versucht hatte, den Mann aus der Wohnung zu bewegen. Nach einem Gespräch habe die Polizei allerdings abziehen müssen ohne ihn mitzunehmen. Danach habe man das Umfeld des Mannes genauer abgeklärt - auch als Konsequenz aus dem Fall Kneubühl, zu dem vor Wochenfrist eine Administrativuntersuchung veröffentlicht wurde. Diese ergab, dass die Polizei zu wenig Informationen über den Bieler Rentner eingeholt hatte.

Nach Kenntnis und Prüfung aller Hinweise, habe man sich entschieden, die Wohnung am Dienstagmorgen zu räumen - mit den bekannten Folgen. (fum/adv/sda)

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