Aus fürs Alba-Festival - «Spezielle Regeln für die albanische Community gehen gar nicht»
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Aus fürs Alba-Festival«Spezielle Regeln für die albanische Community gehen gar nicht»

Trotz einer Beschwerde der Veranstalter ist das Alba-Festival nun definitiv abgesagt. In der Community ist die Empörung gross.

von
Noah Knüsel
Joel Probst
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Nur zwei Tage vor dem Start hat der Zürcher Regierungsrat das Alba-Festival in Zürich abgesagt.

Nur zwei Tage vor dem Start hat der Zürcher Regierungsrat das Alba-Festival in Zürich abgesagt.

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Die Veranstaltenden gingen juristisch gegen den Entscheid vor – blitzten aber vor dem Verwaltungsgericht ab.

Die Veranstaltenden gingen juristisch gegen den Entscheid vor – blitzten aber vor dem Verwaltungsgericht ab.

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Mehr als 20 Acts aus Kosovo und Albanien hätten am 4. und 5. September auf der Hardturmbrache vor bis zu 10’000 Fans pro Tag auftreten sollen – darunter der Kosovo-Star Kida. Auch die Acts auf den folgenden Slides waren gebucht.

Mehr als 20 Acts aus Kosovo und Albanien hätten am 4. und 5. September auf der Hardturmbrache vor bis zu 10’000 Fans pro Tag auftreten sollen – darunter der Kosovo-Star Kida. Auch die Acts auf den folgenden Slides waren gebucht.

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Darum gehts

  • Das Alba-Festival in Zürich findet definitiv nicht statt.

  • In der Community ist man enttäuscht und empört: «Mit dem Verweis auf die albanische Community wird eine ganze Bevölkerungsgruppe stigmatisiert», sagt etwa Përparim Avdili.

  • Die Stiftung gegen Rassismus sieht dagegen keine Diskriminierung.

Es ist das definitive Aus für das Alba-Festival: Wie die Zürcher Staatskanzlei auf Anfrage von 20 Minuten schreibt, hat das Verwaltungsgericht eine Beschwerde der Organisatoren abgewiesen. Erst am Donnerstag hatte der Kanton dem zweitägigen Festival die Bewilligung entzogen - unter anderem mit der Begründung, dass die albanische Community «stark von Corona betroffen» sei.

Die Trauer über das Aus ist gross: «Ich bin sehr enttäuscht, dass das Festival so kurzfristig abgesagt wurde», sagt etwa der 23-jährige D.S. Ihn irritiert der Entscheid: «Das Alba-Festival wird abgeblasen, während das Energy Air in Bern trotz allem stattfindet.» S. ist der Meinung, dass eine Durchführung nach GGG-Prinzip möglich sein müsste.

Dieser Meinung ist auch die 34-jährige Arjeta Zuta. «Der Entzug der Bewilligung für das Alba-Festival ist eine Diskriminierung gegen eine Bevölkerungsgruppe, die hier in der Schweiz heimisch ist», so Zuta, die einen Podcast «von Albanern für Albaner» moderiert. «Für alle Veranstaltungen in der Schweiz sollten die gleichen Regeln gelten – egal wer der Veranstalter und seine Besucher sind», findet sie.

«Das ist skandalös»

Auch bei Përparim Avdili kommt die Begründung der Zürcher Regierung nicht gut an: «Mit dem Verweis auf die albanische Community wird eine ganze Bevölkerungsgruppe stigmatisiert», so der FDP-Politiker. Das sei skandalös und inakzeptabel, so Avdili: «So wird einer spezifischen Gruppe gesagt: ‹Ihr seid gefährlicher als andere.›»

SP-Nationalrat Mustafa Atici sieht in der Festival-Absage eine verpasste Chance für die Behörden: «Statt die Veranstaltung zu verbieten, hätte man sie für Aufklärungsarbeit nutzen können.» Für ihn ist zudem klar: «Das GGG-Prinzip muss für alle gelten.» Für die Bewältigung der Pandemie müssten alle in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen: «Spezielle Regeln für die albanische Community gehen gar nicht.»

Behörden sollten sensibilisiert sein

Im Gegensatz zu den beiden Politikern sieht die Schweizer Stiftung gegen Rassismus die Begründung der Behörden nicht als diskriminierend an: «Sie haben den Entscheid sachlich begründet, basierend auf Erkenntnissen aus dem Contact Tracing», sagt Geschäftsleiterin Dina Wyler.

Besonders wenn Minderheiten betroffen sind, sei es aber ratsam, dass die Behörden sensibilisiert seien, sagt sie: «Sie sollten keine Aussagen tätigen, die bereits bestehende rassistische Neigungen in der Bevölkerung zusätzlich anheizen könnten.»

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