Spiegel-Schweiz? - «Wir planen nichts»
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Spiegel-Schweiz? - «Wir planen nichts»

Die Schweizer Extra-Ausgabe des deutschen Magazins «Spiegel» wird von Branchenkennern als inhaltlich schwach und «Mist» bezeichnet. Die Verantwortlichen planen keine Wiederholung.

«Der Milliardär und sein Helfer» lautet der Titel einer der grossen Geschichten, mit denen der «Spiegel» in der Schweiz Leser gewinnen will. Es geht um Vekselberg und Borer, den russischen Oligarchen und den Schweizer Botschafter. Die beiden sind im vergangenen Jahr in 66 Artikeln in Schweizer Zeitungen zusammen erwähnt worden. Weiter wird das Spektrum der Schweiz-Klischees ziemlich vollständig abgedeckt - DJ Bobo, Kühe, Bankgeheimnis und Uhren. Eine Geschichte zeigt Christoph Blocher unter seinem berühmten Hodler-Bild des Holzfällers und beschreibt nebst der Inneneinrichtung seines Büros auch seine Sparwut. Ferner zeigt eine Umfrage, dass sich Deutsche und Schweizer allen Unkenrufen zum Trotz mögen.

Aus der Schweiz nichts Neues

Und davor hat sich die halbe Medienschweiz gefürchtet? Der grosse Wurf aus dem grossen Kanton? Wer das erwartet hat, wurde enttäuscht. Kurz: In der Schweizer Ausgabe des Spiegels steht wenig bis nichts, dass Herrn und Frau Schweizer neu wäre, dabei wären sie laut Spiegel-Auslandschef Gerhard Spoerl die Zielleserschaft. Die ersten Reaktionen in der Medienbranche sind denn auch nicht sehr wohlwollend. Als «Chutzemischt» und «weit unter Spiegel-Niveau» bezeichnet einer die Extraausgabe, als «inhaltlich schwach» ein anderer. Auch die Schweizer Werber sind wohl nicht im vornherein restlos begeistert vom neuen Spiegel-Produkt. Auf 52 Seiten kommen nur sechs Inserate.

Dicht statt neu

Der Split-Verantwortliche Spoerl relativiert die ersten, negativen Rückmeldungen aus der Schweiz: «Ja gut, man kann sagen, das sei alles schon bekannt. Dafür liefern wir eine aussergewöhnliche Dichte.» Die Vekselberg-Geschichte, als auch das Interview mit dem Schweizer Chefscout der deutschen Fussball-Nationalmannschaft Urs Siegenthaler seien sehr gut gelungen, so Spoerl.

Keine unheimlichen Pläne

Dennoch plant man derzeit keine Fortsetzung der Extra-Ausgabe für die Schweiz. Auch nicht nach den kürzlich erfolgten Einstellungen der beiden Wochenzeitungen «Cash» und «Facts», wie Spoerl versichert: «Es gibt weder heimliche noch unheimliche Pläne, regelmässig einen Schweiz-Split herauszugeben. Diese Ausgabe steht einfach mal für sich.» Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass die vier Schweizer Redaktoren der Sonderausgabe wieder zum Einsatz kommen. Eine regelmässige Ausgabe des Schweiz-Splits wird in Erwägung gezogen, wie Spoerl sagt: «Wir warten das publizistische Echo und die Entwicklung der Absatzzahlen in der Schweiz ab. Für eine Evaluation gibt es aber noch keinen Termin, Marktforschung betreiben wir nicht.»

Maurice Thiriet, 20minuten.ch

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