Aktualisiert 19.08.2009 17:28

«Inglourious Basterds»Spiel mir das Lied vom Nazi-Tod

Quentin Tarantino hat sich mit seiner jüngsten Regiearbeit selbst übertroffen. Endlich stimmt nicht nur die Form, sondern auch
der Inhalt.

Mal ehrlich: Finden Sie «Pulp Fiction» nicht auch über­bewertet, «Jackie Brown» langfädig und «Kill Bill» übertrieben?

Nicht alle Streifen von Kultregisseur Quentin Tarantino kommen überall gleich gut an. Von «Reservoir Dogs» und «Death Proof» ganz zu schweigen. Mit seiner jüngsten Regierabeit ­erinnert der frühere Videothekar an die grossen Filmklassiker von Sergio Leone («Once Upon a Time in the West»), aber auch «The Dirty Dozen» oder «The Bridge on the River Kwai».

Nur schon die Einstiegssequenz nimmt sich ungewöhnlich viel Zeit für einen Spannungsaufbau, der unweigerlich in seinen Bann zieht. Es ist das erste Jahr der deutschen Besatzung Frankreichs: Shosanna Dreyfus (eine Neuentdeckung: Mélanie Laurent) muss mit ansehen, wie der Nazi-Oberst Hans Landa (fies: Christoph Waltz) ihre gesamte Familie ermordet.

Shosanna gelingt es nur knapp zu entkommen. Sie flieht nach Paris und legt sich in den nächsten vier Jahren eine neue Identität als Besitzerin eines Kinos zu. Anderswo in Europa stellt Leutnant Aldo Raine (mit herrlichem Südstaaten-Akzent: Brad Pitt) eine Gruppe – bestehend aus jüdisch-amerikanischen Soldaten – zusammen, die flinke, schockierende Vergeltungsschläge begehen soll. Später werden sie dem Feind als «Die Basterds» ein Begriff sein.

Raines Truppe kontaktiert die deutsche Schauspielerin und Geheimagentin Bridget von Hammersmark (Diane Kruger) für einen Einsatz, um die Führer des Dritten Reichs zu töten. Schicksale verschmelzen im politischen Untergrund und im Schutz von Shosannas Kino. Die junge Frau plant dabei ihren ganz persönlichen Rachefeldzug.

Immer wieder offenbart Tarantino mit schwarzem Humor und effektvollem ­Zynismus seine Vorliebe für B-Movies und Spaghetti-Western. Waren seine bisherigen Filme oft selbstverliebt, langatmig und brachial-brutal, so erzählt er hier eine spannende Geschichte. ­Anders als Tom Cruise mit «Valkyrie» (und viele andere Filme über den Zweiten Weltkrieg) geht es ihm nicht um Authenti­zität, sondern vielmehr um spannendes Kino.

Während Steven Spielberg seinen Nazi-Hass in Form von Indiana Jones («Raiders of the Lost Ark») auslebte, serviert Quentin Tarantino nun Shosannas und Aldos feurige Selbstjustiz-Tour. Frei nach dem Motto: Once Upon a Time … in France.

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