Spielcasinos: Mehr Nutzen als Schaden
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Spielcasinos: Mehr Nutzen als Schaden

Zwischen 35 500 und 48 000 Personen in der Schweiz haben ein Glücksspiel-Suchtproblem. Die grösste Gefahr droht von den Geldspielautomaten ausserhalb der Spielcasinos.

Die Studie des Büros BASS entstand im Auftrag der Eidgenössischen Spielbankenkommision (ESBK) und des Bundesamtes für Justiz. Kurz nach der Zulassung und Einrichtung der Spielbanken wollten sich die Behörden einen Überblick über das Ausmass der Spielsucht in der Schweiz verschaffen.

Aus den verschiedenen Quellen schliessen die Autoren, dass zwischen 35 500 und 48 000 Personen ein Glücksspiel-Suchtproblem haben dürften. 1000 bis 1500 waren 2003 deswegen in einer Beratung oder Behandlung - bei stark steigender Tendenz. 102 wurden wegen schwerer Spielsucht behandelt, meist aufgrund einer Nebendiagnose.

Gefährliche Automaten

Süchtig machen können vor allem die Geldspielautomaten. Zwei Drittel davon stehen nicht in Casinos, sondern in Bars und Spielsalons. Diese Geräte müssen bis April 2005 entfernt werden. Laut ESBK-Präsident Benno Schneider gilt es darüber zu wachen, dass nicht angebliche Geschicklichkeitsautomaten sie ersetzen.

Vorläufig verboten ist die Aufstellung neuer Automaten für die elektronische Lotterie (Typ «Tactilo»). Noch offen ist, ob das in der Westschweiz populäre Spiel dem Lotterie- oder dem Spielbankengesetz unterstehen soll. Nach Ansicht Schneiders sollten die Anbieter jedenfalls auch hier ein Sozialkonzept etablieren müssen.

Im übrigen konnte Schneider von einem recht positiven Urteil über die Schutzmassnahmen Kenntnis nehmen. Effizienz attestiert die Studie insbesondere den derzeit rund 10 000 Spielsperren der Casinos. Auch die für Spielbanken obligatorischen Sozialkonzepte seien sinnvoll, wobei das Personal noch besser geschult werden sollte.

Vordergründig weit mehr Nutzen

Laut der BASS-Studie betragen die quantifizierbaren gesamtwirtschaftlichen Kosten des Glückspiels rund 100 Millionen Franken. Die Spielsucht macht dabei mit 92,6 Millionen für den Schuldenausfall, die Arbeitslosigkeit und Gerichtsfälle den Löwenanteil aus.

Auf den ersten Blick scheint der gesamtwirtschaftliche Nutzen des Glücksspielangebots klar zu überwiegen, denn er wird auf über 700 Millionen veranschlagt. Zu bedenken ist allerdings, dass sich viele soziale Folgekosten der Spielsucht für die Betroffenen und ihr Umfeld nicht beziffern lassen. (dapd)

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