Aktualisiert 06.02.2014 07:02

Die Ball-Frage

Spieler, Clubs und Liga - alle wollen Einheitsball

Die Torhüter sprechen sich für einen einheitlichen Ball in der Super League aus. Dieser liegt nun bei den Sportchefs und die spielen den Pass weiter an die Swiss Football League.

von
Eva Tedesco

Sechs von zehn befragten Torhütern in der Super League sprechen sich für einen Liga-Ball aus. Er würde den Torhütern das «Leben vereinfachen», wie es FCB-Keeper Yann Sommer sagt und «einheitliche Bedingungen schaffen», betonen die Sportchefs. Zudem könnten sich die Fans ein Stück Super-League nach Hause holen. Dass sich das Modell bewährt, machen die grossen europäischen Ligen wie in England, Spanien, Italien und Deutschland seit Jahren vor.

«Die Situation mit Bällen fünf verschiedener Hersteller ist nicht ideal», gibt auch SFL-Mediensprecher Philippe Guggisberg zu. «Seitens der Liga können wir uns einen einheitlichen Spielball besonders aus sportlichen Gründen ebenfalls vorstellen und haben auch schon mit den Klubs Kontakt aufgenommen.» Und laut einer Umfrage von 20 Minuten unter den Sportchefs in der Super League sind die Verantwortlichen auch nicht abgeneigt, so ein Projekt zu unterstützen.

Bickel: «Ich bin auch dafür.»

«Wir würden einen Liga-Ball begrüssen. Die Initiative muss aber von der Liga ausgehen», sagt zum Beispiel Georg Heitz auf Anfrage. «Für Torhüter und Spieler wäre ein Einheitsball angenehmer», so der FCB-Sport-Direktor. «Ich bin auch dafür», erhält Heitz Unterstützung aus Bern. YB-Sportchef Fredy Bickel: «Ich weiss auch, dass es schon Bestrebungen gegeben hat und Projekte, um einen Liga-Ball zu realisieren.» «Aus sportlicher Sicht wäre es eindeutig einfacher für Spieler und Torhüter und ich kann die Argumente von David Zibung und seinen Kollegen nachvollziehen.»

Noch deutlicher sagt es FCL-Sportchef Alex Frei und der muss es schliesslich aus eigener Erfahrung wissen: «Grundsätzlich muss sich ein Profi an jeden Ball gewöhnen, aber für die Liga wäre es eine weitere Aufwertung und deshalb würde ich einen einheitlichen Ball begrüssen.»

Dieser Meinung ist man auch bei GC. «Es würde das Leben der Fussballer, aber auch der Klubs einfacher machen, weil wir nicht die Bälle der Marke des Gegners einkaufen müsste. Zudem hätte die Liga ein Produkt mehr, um die Schweizer Meisterschaft und einen Ausrüster populärer zu machen – neben einer Einnahmequelle mehr».

Vereine müssten aus bestehenden Verträgen raus

Das Problem, das die Einführung (noch) verhindere, liegt in den bestehenden Ausrüsterverträgen der Klubs. «Wir haben nicht die finanziellen Möglichkeiten, um die Vereine aus ihren Verträgen herauszukaufen» so Guggisberg. Die Klubs müssten bestehende Verträge nach verhandeln und neue Kontrakte ohne Ball aushandeln. «Diesen Teil müsste die Liga kompensieren», sagt Frei und auch seine Sportchef-Kollegen. Aus den Einnahmen, die die Liga mit einem offiziellen Ausrüster erzielt, müssten wieder zu den Klubs zurück fliessen ist der einheitliche Tenor in den Büros der Super Ligisten - und auch bei der Liga.

In Europa ist die Ausklammerung des Balls in den Ausrüsterverträgen bereits die übliche Praxis. Die Premier League kassiert als Ball-Marktführer pro Saison sieben Millionen Euro von Nike. In dieser Höhe schätzt man auch die Einnahmen beim DFB, nachdem Adidas den Ende dieser Spielzeit auslaufenden Vertrag bis zur Saison 2017/18 verlängert hat. Die Millionen werden nach einem bestimmten Schlüssel an die Klubs verteilt. Der offizielle Ausrüster wird mittels offenem, transparenten Ausschreibungsverfahren ausgewählt.

Adidas hat sich noch keine Gedanken über den Einheitsball gemacht

«Der Wiedererkennungs- und Mehrwert darf in dieser Sache nicht vergessen werden», sagt Dragan Rapic, «denn so ein Liga-Ball darf dann in keinem anderen Land gespielt werden.» Bleibt die Frage, ob ein kleines Land wie die Schweiz, das mit den rund 80 Millionen Einwohnern in Deutschland nicht vergleichbar ist, für einen Hersteller überhaupt lukrativ wäre. «Dieses Thema wurde bei uns noch nicht diskutiert», sagt Eric Steinmann von Adidas und lässt die Frage unbeantwortet. Aber man müsste es beim Hersteller mit den berühmten drei Streifen tun, wenn es aktuell würde. Der (einheitliche) Ball liegt deshalb weiterhin bei der Liga.

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