Tabu im Hurling gebrochen: Spieler outet sich im irischen Macho-Sport
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Tabu im Hurling gebrochenSpieler outet sich im irischen Macho-Sport

Hurling ist eine typische Macho-Sportart. Das Outing eines irischen Sportler hat in seinem Heimatland hohe Wellen geschlagen. Weltweit sind bekennende homosexuelle Sportler selten – im streng katholischen Irland ist er gar der erste. Doch neben Häme erfährt der Hurlingspieler auch viel Solidarität.

von
tog

So wird Hurling gespielt. (Quelle: YouTube)

Die irische Nationalsportart Hurling ist fürwahr nichts für zarte Gemüter: Da wird mit Schlägern geschlagen, Gegner werden umgerannt, und wenn Sanitäter aufs Spielfeld gerufen werden, unterbricht der Schiedsrichter das Spiel nur bei gravierenden Verletzungen. Mitbringsel solch ruppiger Sportarten ist eine Macho-Kultur unter den Spielern. Das gilt für American-Football, Rugby und eben auch Hurling. Homosexualität ist tabu, im katholischen Irland noch mehr als anderswo. Umso grössere Wellen wirft deshalb das Outing eines Hurling-Spielers. Donal Og Cusack, 32, wagte nun diesen Schritt.

Nicht ganz freiwilliges Outing

Es ist das erste Mal, dass ein irischer Profisportler offen zu seiner Homosexualität steht. Ganz freiwillig outete sich der Torhüter aus Cloyne allerdings nicht. Schon seit längerem wurde über Cusacks sexuelle Ausrichtung spekuliert. Um sich nicht den Spekulationen der Boulevardblätter auszuliefern, entschloss sich Cusack für den Weg nach vorn.

Bereits 2006 begann das Gerüchtemeer höhere Wellen zu schlagen. Der Ire sah sich gezwungen, eine Südafrika-Tour mit seiner Mannschaft abzubrechen, um seine Familie zu informieren, weil er befürchtete, die Medien würden das Thema schon bald aufgreifen: «Mein Vater ist 63 Jahre alt. Er ist Kranführer. Baustellen können ein raues Umfeld sein, er hätte so was nicht gebraucht. In jeder Falte seines Gesichtes widerspiegelte sich seine Verwirrung», sagte Cusack gegenüber dem «Independent».

Für Angehörige schlimmer

Der irische Hurlingverband befürchtet nun negative Reaktionen «einer Minderheit» der Zuschauer. «Die Anfeindungen stehen aber in keinem Verhältnis zu den wohlwollenden Kommentaren», berichtet Co-Autor Tom Humphries von Cusacks Autobiographie. Diese erscheint in den nächsten Tagen. «Meine Mutter besucht keine Spiele mehr und meine Schwester fühlte sich tief gekränkt von den Dingen, welche sie sich anhören musste. Ich hasse es, was die Leute um mich einstecken müssen, besonders weil es mich nicht im Geringsten berührt», kommentiert der Betroffene selber die Anfeindungen auf dem Platz. Vielleicht motiviert Cusack weitere Athleten zu einem Outing und damit zum Bruch eines alten Tabus: Homosexuelle Sportler. Wenn man sich anhört, wie es in Sportstadien dieser Welt zugeht, dann braucht es dazu allerdings einiges. Vor allem Mut, Selbstvertrauen und eine dicke Haut.

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