«Doom»: Spielfilm

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«Doom»Spielfilm

Hollywood tut sich schwer mit dem Verfilmen von Computerspielen. Doch das Genre wird tapfer weitergepflegt. Aktueller Versuch: «Doom».

Hollywood-Filme, die auf Videospielen basieren, stehen in der Regel unter einem schlechten Stern: Die Annahme, dass Videospiele genügend Stoff für sinnvolle Filmumsetzungen liefern, hat sich bislang meist als Illusion entpuppt – die Adaptionen von Games wie Mortal Kombat, Wing Commander oder Tomb Raider haben Gamefans reihenweise enttäuscht. Einzige Ausnahme bildete bisher Resident Evil 2. Deren Film-Adaption wurde als einzige auch von Gamern als genügend spielgetreu empfunden. Über den Status eines B-Movies ist indes auch dieser Streifen nicht hinausgekommen.

Mit dem Kinofilm «Doom» kommt nun eine weitere Umsetzung eines Kultspiels auf die Grossleinwand. Dabei soll sich die Geschichte des Films eng an diejenige des Horrorshooters halten. Gerade darin dürfte jedoch die Schwierigkeit liegen, denn bei Doom handelt es sich um einen ziemlich geradlinigen Ego-Shooter, in dem Monster zu Hunderten abgeknallt werden müssen – dies zugegebenermassen in einem beeindruckenden Horrorszenario und auf nervenzerfetzende Weise. Die Geschichte um einen Elite-Söldner, der in die dämonenverseuchten Schächte einer wissenschaftlichen Station auf dem Mars hinuntersteigen muss, erscheint dabei schlicht nebensächlich. Dass aber die Shooter-Action alleine für einen abendfüllenden Spielfilm nicht reicht, liegt gleichfalls auf der Hand. Also müssen Geschichten dazuerfunden werden. Cherchez la femme, lautet einmal mehr die Devise: Die Frau tritt glücklicherweise nicht in Form einer süssen Verführung in Erscheinung, sondern als Schwester der Hauptfigur, die Mühe mit dem Soldatenleben ihres Bruders bekundet.

Die Frage der Fans laute nicht, so das Gamemagazin CVG, ob Hollywood das Projekt vermassle, sondern lapidarer: «Wie sehr vermasseln sie es diesmal?» Die Befürchtung ist nicht zuletzt deshalb berechtigt, weil sich Fans mit ihrem Game stärker identifizieren als herkömmliche Kinobesucher – und somit ein persönliches Interesse an einer getreuen Umsetzung haben. Zudem sind es die Gamer, die einem Spiel zu Kultstatus verhelfen. Geht der Filmversion die Essenz eines Games also ab, verliert sie an Glaubwürdigkeit. Die Spieler fühlen sich um ihr Herzensobjekt betrogen.

Bei «Doom» sind es jedoch just die Statements der Beteiligten, die wenig glaubwürdig klingen: Von den Schauspielern über den Regisseur bis zu den Produzenten wird einstimmig beteuert, ein jeder sei ein wirklich grosser Doom-Fan, und man habe das Spiel schon gespielt und heiss geliebt, als es 1993 auf den Markt kam. Über diese für Hollywood typische Form, Echtheit zu erzeugen, können sich Gamer eigentlich nur wundern.

Für Hoffnung sorgt dagegen, dass die Doom-Erfinder selbst, darunter Todd Hollenshead und John Carmack, in die Produktion involviert waren. Um den Film möglichst spielnahe zu halten, wurde zudem eine vierminütige Shooter-Sequenz aus der Ego-Perspektive gefilmt – ebenso eine Reminiszenz an das Spiel wie eine Innovation für Film-Adaptionen. Ebenfalls hoffen lässt der Verzicht darauf, die Brutalität des Films zugunsten einer tieferen Alterszulassung zu entschärfen.

Zahlreiche Doom-Fans haben ihre Meinung jedoch schon gefasst, wie die Einträge in verschiedenen Online-Foren vermuten lassen. Am besten bringt die Erwartungshaltung wohl das Statement des Users Tom auf ChannelTV.com auf den Punkt: «Ich denke, ‹Doom› wird ein ziemlicher Schrott sein. Aber ich seh ihn mir trotzdem an.»

Jan Graber

«Doom», Regie: Andrzej Bartkowiak, mit The Rock, Karl Urban, Ben Daniels. Jetzt im Kino. Das Game Doom 3 ist für PC und Xbox erhältlich.

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