Knüller endet remis - Krimi in Bern – Feuerzeug-Wurf, VAR-Entscheid und verschossener Penalty

Knüller endet remisKrimi in Bern – Feuerzeug-Wurf, VAR-Entscheid und verschossener Penalty

Das Super-League-Duell der letzten Jahre lässt auch dieses Mal nicht zu wünschen übrig. Die Partie YB gegen FCB hat alles – nur keinen Sieger.

von
Darius Herzog
Adrian Hunziker
Lucas Werder

Die Moai-Steinköpfe auf den Osterinseln oder die Nazca-Linien in der Wüste Perus gehören zu den grössten ungelösten Rätseln unseres Planeten. Seit Mittwochabend ist die Menschheit um ein weiteres Mysterium reicher, als es ein ganz schwacher FC Basel irgendwie fertigbrachte, einen Punkt aus dem Berner Wankdorf zu entführen.

Denn was die Basler in den ersten 35 Minuten auf dem Berner Kunstrasen veranstalteten, hatte wenig mit Super-League-Niveau zu tun. Vermutlich hätte der FCB so sogar in der Promotion League Mühe, dort wo sonst Leandro Zbinden im Tor der U-21-Mannschaft von YB steht. «Ich bin sehr dankbar für jede Minute. Natürlich ist es nicht so ein Spiel, das sich ein Torwart erhofft – ein Schuss, ein Tor», sagte Zbinden nach der Partie.

Noch kein einziges Profi-Spiel hatte der 19-Jährige zuvor in seiner Karriere absolviert. Im Knüller gegen den FCB stellte David Wagner überraschend den jungen Goalie ins YB-Tor – und nicht Nicholas Ammeter, der gegen Servette für den verletzten Guillaume Faivre eingesprungen war.

Knüller YB gegen Basel hatte alles

YB gegen Basel war ein Krimi, der 1:1 endete. (Video: blue)

Der Auftakt eines Feuerwerks

Doch so wie die Gäste aus Basel zu Beginn im Wankdorf auftraten, hätte Wagner sich auch selber die Torhüter-Handschuhe anziehen können. Von Beginn an dominierte YB das Spiel und ging in der 20. Minute völlig verdient in Front. Nach einer Ecke brachten die Basler den Ball nicht aus dem eigenen Strafraum, Elia konnte aus kurzer Distanz einschieben. Es sollte der Auftakt eines Feuerwerks werden.

Nur drei Minuten später hätte Ngamaleu beinahe auf 2:0 für die Berner gestellt, der Pfosten und der Rücken des überraschten Lindner bewahrten den FCB vor dem Doppelschlag. Und wieder nur Sekunden später lenkte der FCB-Goalie einen Rieder-Knaller gerade noch über die Querlatte.

Bei Rotblau ging gar nichts mehr. YB-Stürmer Kanga lupfte den Ball nach einer zu kurz geratenen Kopfball-Rückgabe von Petretta an Lindner vorbei, der Basler Verteidiger grätschte den Ball im letzten Moment gerade noch via Pfosten von der Linie.

Plötzlich war der FCB da

Die Berner hatten das Spiel komplett im Griff – bis Millar an der Mittellinie zum Solo ansetzte und den Ball mit einem satten Flachschuss zum Ausgleich im YB-Gehäuse versorgte (37.). So schön das Tor, so unschön die Szene danach: Beim Jubeln wird Kasami von einem Feuerzeug im Gesicht getroffen. Nach einem kurzen Unterbruch konnte es zum Glück weitergehen. Und aus dem Nichts war der FCB plötzlich da. Ein Schlenzer von Palacios klatschte in der 42. Minute an die Latte.

Nach der Pause meldete sich plötzlich der VAR bei Schiedsrichter San, Pelmard hatte eine Hefti-Flanke mit dem Arm geblockt. Doch es schien an diesem Abend wirklich alles für den FCB zu laufen: Lindner parierte den fälligen Penalty von Ngamaleu tatsächlich, auch weil der Kameruner ganz schlecht schoss.

YB drückte weiter auf den Führungstreffer, während der FCB wie schon im ersten Durchgang meist nur die Zuschauerrolle inne hatte. Doch so klare Chancen wie zuvor konnten sich die Berner keine mehr herausspielen. Und beinahe hätte es doch noch geklappt. In der 90. Minute versuchte es Elia nochmals aus der Distanz, doch auch sein Abschluss landete nur am Pfosten.

So bliebs am Ende beim 1:1 – trotz 21 Schüssen, drei Alu-Treffern und einem Penalty aus Berner Sicht. «Wir können mit dem Punkt hier ganz gut leben, auch in Anbetracht des verschossenen Elfmeters», sagte FCB-Goalie Lindner. Mindestens genauso glücklich über die Punkteteilung wie die Basler dürfte auch Leader FCZ sein, der nun nach 17 Spielen ein Fünf-Punkte-Polster auf den zweitplatzierten FCB vorweisen kann. Was bedeutet: Die Zürcher sind Wintermeister.

Deine Meinung

Mittwoch, 15.12.2021

Auf Wiederlesen und eine schöne Restwoche!

Das sagt YB-Debütant und Goalie Zbinden

«Ich bin sehr dankbar für jede Minute. Natürlich ist es nicht so ein Spiel, das sich ein Torwart erhofft – ein Schuss, ein Tor. Ich versuchte allerdings während des Spiels immer aktiv zu bleiben. Zu Beginn war ich etwas nervös, aber ich merkte schnell, dass ich ja weiss, was ich kann. Mit der Zeit kam ich immer besser ins Spiel. Viele Teamkollegen meinten vor dem Spiel, es sei nur ein normales Fussballspiel. Trotzdem dachte ich, es wird nicht so einfach. Aber mit der Zeit ging es zunehmend besser.»

Das sagt FCB-Goalie Lindner nach der Partie

«In der zweiten Hälfte war YB besser, wir haben auf Konterchancen gelauert. Wir können mit dem Punkt hier ganz gut leben, auch in Anbetracht des verschossenen Elfmeters. Wir wissen, dass YB auf dem Kunstrasen zuhause eine sehr starke Mannschaft ist. Wir versuchten, mit Kontern Nadelstiche zu setzen. Am Ende sind wir froh, dass es ein Punkt geworden ist. Wir sind im zweiten Durchgang kompakter gestanden und haben den Gegner besser in den Griff bekommen. Nach dem verschossenen Elfmeter hatte ich das Gefühl, dass keiner mehr reingehen würde – schade, dass uns der Lucky Punch nicht mehr gelungen ist. Aber insgesamt können wir zufrieden sein.»

Die Basler sind mit dem Punkt zufrieden

Zwei verlorene Zähler für YB, ein gewonnener für den FCB

Die Berner Young Boys müssten dieses Topduell gegen den FC Basel eigentlich für sich entscheiden. Gerade angesichts der überzeugenden ersten Halbzeit, als das Heimteam den FCB regelrecht einschnürte und sich Top-Möglichkeiten um Top-Möglichkeiten erspielte. Darüber hinaus traf YB zweimal Aluminium und verschoss in Person von Ngamaleu noch einen Elfmeter. Der Gast aus Basel blieb lange Vieles schuldig, traf im zweiten Abschnitt durch Palacios aber auch nochmals Alu – dieses Mal die Latte.

SCHLUSSPFIFF IN BERN! 1:1 IM VERFOLGERDUELL!

93': Nach drei Minuten Nachspielzeit hat Schiri San genug und pfeift ab.

Elia trifft auch den Pfosten!

90': Meschack Elia zieht einfach mal ab und sieht, wie der Ball vom Pfosten an Lindners Rücken, aber eben nicht ins Tor geht! Es wäre übrigens auch ein Treffer aus dem Nichts gewesen. Viele Highlights gab es in letzter Zeit nicht zu verzeichnen.

Die Emotionen kochen nochmals hoch

89': Es geht in die finale, entscheidende Phase und jede Entscheidung von Schiedsrichter Fedayi San wird mittlerweile mit lautem Geschrei beantwortet. Nach wie vor 1:1, es geht im Duell zwischen YB und Basel immer auch um eine gehörige Portion Prestige.

Gelingt einem Team noch der Lucky Punch?

86': Noch etwas weniger als zehn Minuten inklusive Nachspielzeit sind zu absolvieren auf dem Kunstrasen im Wankdorf. Gelingt einer Mannschaft noch der berühmt-berüchtigte Lucky Punch? Es ist derzeit wirklich schwer vorherzusagen, auch wenn YB nach wie vor leichte Vorteile hat.

Esposito kommt beim FC Basel!

81': Und für die letzten rund zehn Minuten kommt also tatsächlich Esposito, er ersetzt Ndoye. Ausserdem kommt Burger für Quintillà.

Sulejmani soll frischen Wind bringen

80': Vielleicht kann ja der technisch versierte Serbe neues Feuer entfachen? Er und Maier kommen für Rieder und Hefti.

Würde es bei diesem Spielstand bleiben ...

78': … dann wäre dies das dritte 1:1-Remis zwischen diesen zwei Teams aus den letzten vier Duellen. Und das erste 1:1 in Bern gegen Basel seit dem 22. September 2019, als sich noch Seoane und Koller an der Seitenlinie gegenüberstanden.

Males für Palacios

75': Nächster FCB-Wechsel kurz vor der YB-Viertelstunde, Darian Males darf noch eine gute Viertelstunde mittun.

Cabral holt Eckball raus, der nichts einbringt

74': Die beiden Mannschaften begegnen sich derzeit absolut auf Augenhöhe. Weder YB noch Basel gelingt es, sich eine reelle Torchance herauszuspielen. Arthur Cabral wird für einmal schön lanciert, kann aber nur einen Corner erzwingen. Dieser wird dann von den Gastgebern weggedroschen.

Hat da einer eine Vorahnung?

Esposito kriegt Gelb!

69': Da sorgt er also bereits wieder für Schlagzeilen und ist noch nicht mal auf dem Spielfeld – Sebastiano Esposito. Der junge Italiener macht sich an der Seite warm für einen allfälligen Einsatz und kommt dabei einem Berner in die Quere. Schiri San zückt kurzerhand Gelb.

Auf wessen Seite kippt das Spiel?

67': Es ist zurzeit ein etwas seltsames Spiel. YB ist nach wie vor die etwas gewilltere Mannschaft, die mehr unternimmt und aktiver nach der Führung sucht. Aber der FC Basel bleibt irgendwie schwer einzuschätzen. Die Gäste lauern auf mögliche Fehler, um dann schnellstmöglichst umzuschalten. Grosse Chancen erleben wir derzeit nicht.

Knapp über 20'000 Zuschauer im Wankdorf

Gebrauchter Abend: Ngamaleu geht

62': Insgesamt natürlich ein gebrauchter Abend für Nicolas Moumi Ngamaleu. Er war auffällig, ja, und ein Aktivposten. Aber eben auch viele vergebene Chancen und besonders der fahrlässig liegen gelassene Elfmeter. Quentin Maceiras ersetzt ihn.

Vom FCB kommt bisher wenig bis nix

60': Wird nun der FC Basel stärker? Ein verschossener Elfmeter des Gegners kann bekanntermassen auch ein Boost sein. Von den Gästen kam in der zweiten Halbzeit bisher erstaunlich wenig. Ein gewisser Cabral ist beinahe unsichtbar.

51 Kommentare