Aktualisiert 06.11.2015 11:25

Zuger Sexskandal

Spiess-Hegglin traf bei Verhör auf Cyber-Mobber

Der mögliche Täter, der Jolanda Spiess-Hegglin Hassmails geschickt hatte, wurde am letzten Montag befragt. Spiess-Hegglin war mit dabei – aus therapeutischen Gründen.

von
dag/mme
Jolanda Spiess-Hegglin: «Ich war freiwillig dabei, weil ich den Mann sehen wollte.»

Jolanda Spiess-Hegglin: «Ich war freiwillig dabei, weil ich den Mann sehen wollte.»

Nach der Dezembernacht in der Zuger Schiff-Bar gingen bei der Grünen Partei Zug immer wieder Hassmails gegen Jolanda Spiess-Hegglin ein. In den Mails sei sie sexuell übel verunglimpft und immer wieder zum Rücktritt aufgefordert worden.

Nun hat die Polizei den möglichen Täter: «Er wurde am letzten Montag einvernommen. Ich war freiwillig dabei, weil ich den Mann sehen wollte», sagt Spiess-Hegglin auf Anfrage. Dieser Mann habe rund 40 E-Mails geschickt, die mit fiktiven Adressen oder von Personen gezeichnet waren, die es im Kanton Zug teilweise tatsächlich gibt. Schnell habe sich jedoch herausgestellt, dass nicht diese Personen selbst die Nachrichten verschickt haben, sondern dass ihre Namen widerrechtlich von einem unbekannten Täter benutzt worden seien. Spiess-Hegglin: «Seine Hartnäckigkeit nagte an meinem Selbstbewusstsein und die Schreiben gingen mir sehr nahe. Und die Mails beinhalteten auch Aussagen, die auf meine Familie bezogen waren.»

Bei der Einvernahme flossen Tränen

Bewusst habe sie an der Einvernahme persönlich teilgenommen. «Ich wollte mich aus therapeutischen Gründen damit auseinandersetzen. Ich ging dahin und dachte, diese Konfrontation schaffe ich locker.» Dann kam aber alles anders: «Es kam alles nochmals hoch, ich konnte meine Tränen nicht zurückhalten.» Es sei ihr einfach zu viel geworden, sie habe in den folgenden Nächten auch gar nicht gut geschlafen.

Bei der Einvernahme sei sie im Rücken des Mannes gesessen. Erst als sie Fragen gestellt habe, habe sich dieser nach ihr umgedreht. «Er schwitzte stark und war sehr unruhig. Er sagte, es tue ihm leid», sagt Spiess-Hegglin.

Es sei jedenfalls gut, dass sie ihn aus der Reserve habe locken können, «denn er hat gesehen, was er bei mir bewirkt hat». Obwohl ihr das Treffen viel näher gegangen sei als gedacht, würde sie wieder so handeln.

«Ich hoffe, er regelt das»

Laut Spiess-Hegglin ist der Mann einschlägig vorbestraft. Er sei Lehrer und Familienvater. Die Zuger Strafverfolgungsbehörden bestätigen, dass ein Verfahren läuft wegen Ehrverletzungsdelikten. In diesem Zusammenhang habe am letzten Montag eine Einvernahme stattgefunden, so Sprecherin Judith Aklin. Für den Mann gilt die Unschuldsvermutung.

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