Spinnerei am Uznaberg schliesst - 179 Entlassungen
Aktualisiert

Spinnerei am Uznaberg schliesst - 179 Entlassungen

Nach 171 Jahren steigt die Spinnerei am Uznaberg aus der Fabrikation von Baumwollgarnen aus. 179 Beschäftigte werden per Ende Juli entlassen.

Ein Sozialplan sei vorbereitet und solle in den kommenden Wochen verhandelt werden, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Grund für die Schliessung seien die ungenügenden Geschäftsresultate in den letzten drei Jahren, insbesondere der Umsatz- und Ertragseinbruch 2003, heisst es in einem Communiqué.

Rote Zahlen

Der Umsatz sei letztes Jahr um 16,7 Prozent auf 30 Mio. Fr. gesunken und das Unternehmen schreibe rote Zahlen. Die unmittelbaren Aussichten seien negativ. Die für einen langfristigen Weiterbestand der Firma notwendigen Erträge könnten nicht mehr erwirtschaftet werden, schreibt die Firma.

«Unsere Kunden in Europa weichen immer mehr nach Asien aus», sagte Norbert Huss, Vorsitzender der Direktion, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda: «Der Textilstandort Europa ist immer mehr gefährdet.»

Höchster Wettbewerbsdruck

Nicht nur bei den Baumwollgarnen selbst, sondern auch bei den Fertigprodukten der Bekleidungsindustrie herrsche höchster internationaler Wettbewerbsdruck. Lohnkosten und Energiepreise seien dagegen mit Ländern wie China und Indien nicht mehr kompetitiv.

Anderseits weise das Unternehmen immer noch eine gesunde Bilanz aus. Diese werde es der Spinnerei am Uznaberg ermöglichen, ihren Verpflichtungen gegenüber Kunden, Lieferanten und Banken sowie den Beschäftigten nachzukommen.

Noch drei Spinnereien

Der schwache US-Dollar habe die Lieferungen von Textil- und Bekleidungsprodukten aus dem in US-Dollar abrechnenden asiatischen Raum nach Europa massiv verstärkt. Zudem sei der Schweizer Technologievorsprung deutlich geringer geworden.

Die Spinnerei am Uznaberg war 1833 gegründet worden. In den letzten Jahren lag der Schwerpunkt auf der Fabrikation von Baumwollgarnen höchster Qualität und deren Verkauf in der Schweiz und vor allem im europäischen Ausland.

In der laufenden Pleitewelle der Schweizer Textilbranche hatte zuletzt die Spinnerei Streiff in Aathal ZH ihre Schliessung bekannt gegeben. 100 Beschäftigte werden dort entlassen. Laut Huss wird es nach der Schliessung der Spinnerei am Uznaberg in der Schweiz nur noch drei Spinnereien geben.

Noch vor sechs Jahren hatte die Spinnerei am Uznaberg 30 Mio. Fr. in einen Neubau mit Anlagen und Maschinen investiert und sich zum Produktionsstandort Schweiz bekannt.

(sda)

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