Spitzelaffäre in New York: Spionin mit Sexappeal und Hightech-Faible
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Spitzelaffäre in New YorkSpionin mit Sexappeal und Hightech-Faible

Jahrelang soll die attraktive Anna Chapman in Amerika für Moskau gespitzelt haben – dabei nutzte sie WLAN-Verstärker und Steganografie.

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Am Wochenende nahmen US-Ermittler, die sich selbst als russische Regierungsbeamte ausgegeben hatten, zehn Agenten in mehreren Städten im Nordosten der USA fest, die in den USA für Russland spioniert haben sollen. Dabei sollen sie laut Anklageschrift neuste IT eingesetzt haben: Per WLAN-Verstärker konnten sie ohne physischen Kontakt mit russischen Regierungsvertretern kommunizieren.

Die verdächtigen Männer und Frauen, von denen manche als Ehepartner mit Kindern zusammenlebten, hatten sich als Bürger der USA, Kanadas oder Perus ausgegeben. Das Aussenministerium in Moskau bestätigte später, dass es unter den Festgenommenen russische Staatsbürger gibt. Einige von ihnen sollen seit Anfang der 1990er-Jahre in den USA spioniert haben. Ein Grossteil von ihnen soll sogar ganz unauffällig unter den Einheimischen gelebt haben. Sie hätten «sich mit Nachbarn unterhalten, über Kindererziehung gesprochen und Kuchenrezepte ausgetauscht», steht in den Dokumenten, die das US- Justizministerium veröffentlichte.

Die Spione haben den Chef nie gesehen

Auch die attraktive Russin Anna Chapman soll im Januar mit ihrem Notebook in einem Coffeeshop in Manhattan gesessen und Daten mit einem Vertreter der russischen Regierung ausgetauscht haben. Zwei Monate später soll eine ähnliche Verbindung aus einem Buchladen heraus erfolgt sein. Ihre Kontaktperson habe die Spionin nie getroffen: Der russische Beamte sass in einem vorbeifahrenden Kleinbus. Chapman nutzte einen WLAN-Reichweitenverstärker, um die Verbindung herzustellen.

Manche der Angeklagten sollen eine in Moskau entwickelte Steganografiesoftware eingesetzt haben. Unter Steganografie versteht man das Verstecken von Botschaften in scheinbar harmlosen Dateien. Ausserdem habe man Nachrichten per Kurzwelle und unsichtbarer Tinte übertragen. Teilweise seien geheime Botschaften in öffentlich zugänglichen Bildern im Internet ausgetauscht worden. Mit identischen Taschen habe man sich in U-Bahn-Stationen Dokumente überreicht. Zudem seien Pässe gefälscht worden, schreibt die «New York Times»: Einer der Russen habe dabei die Identität eines toten Kanadiers angenommen.

Das Passwort war auf einem Zettel notiert

Die von der US-Regierung veröffentlichten Details dürften für die Russen hochpeinlich sein: Das Steganografieprogramm, das bei den Verdächtigen gefunden wurde, war auf einer CD gespeichert. Um die Software zu aktivieren, musste man Strg-Alt-E drücken und dann ein Passwort mit 27 Stellen eingeben, das man auf einem Erinnerungszettel gefunden habe.

Die Spione hatten offenbar den Auftrag, regierungsnahe Kreise zu infiltrieren und etwa Informationen über Washingtons Afghanistan- und Iran-Politik sowie über einen damals geplanten Rüstungsvertrag zwischen Washington und Moskau zu sammeln. Dabei sollten sie sich – wie im Fall von Anna Chapman – in New Yorker High-Society-Partys blicken lassen. Die 28-Jährige führte das perfekte Doppelleben: Sie lebte in einem schicken Apartment mitten in Manhattans Bankenviertel und betrieb einen Online-Immobilienhandel.

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