Aktualisiert 24.06.2004 16:35

Spitäler: Jeder fünfte Patient unterernährt

Fehlendes Wissen bei Ärzten, Pflegenden und Patienten, zu wenig Aufmerksamkeit für die Kranken und keine klar geregelten Verantwortlichkeiten für die Essensausgabe im Spital seien Gründe der Unterernährung.

Das zeigt eine an einer Fachtagung in Bern am Donnerstag vorgestellte Studie. Betroffen sind mehr ältere als jüngere Menschen.

An der Tagung anwesende Experten schätzen, dass in der Schweiz rund eine Million Menschen an Defiziten leiden, die mit der Ernährung zu tun haben. Die Ursache sei nicht beim Angebot von Esswaren, sondern bei der mangelhaften Nahrungsaufnahme zu suchen, schrieb die Gesellschaft für Klinische Ernährung der Schweiz (GESKES) am Donnerstag in einer Medienmitteilung.

Zu wenig Aufmerksamkeit

Fehlendes Wissen bei Ärzten, Pflegenden und Patienten, zu wenig Aufmerksamkeit für die Kranken und keine klar geregelten Verantwortlichkeiten für die Essensausgabe im Spital seien Gründe der Unterernährung. Dem Spitalmanagement halten die Experten vor, sich zu wenig für die Ernährung zu engagieren.

Der Ernährungszustand der Patienten werde beim Eintritt ins Spital in der Regel nicht erfasst, wurde der Arzt Reinhard Imoberdorf vom Kantonsspital Winterthur in der Mitteilung zitiert. Entsprechende Therapien würden deshalb nicht verordnet.

Gemäss der von Imoberdorf präsentierten Studie waren von 10 268 erfassten Patientinnen und Patienten 18% schwer unterernährt. In der Altersgruppe der 45- bis 64-Jährigen waren es lediglich 11%. Bei den 65- bis 84-Jährigen lag der Anteil der Unterernährten bei 21,5% und bei den über 85-Jährigen bei 27,5%.

Zwei Drittel der 675 Patienten, die während der Untersuchungszeit starben, waren stark unterernährt. Dies stehe allerdings in Zusammenhang mit der Schwere ihrer Krankheit, hiess es. In die Studie einbezogen wurden sieben Spitäler in den Kantonen Basel-Landschaft, Nidwalden, St Gallen und Zürich.

Ein Kostenfaktor

Einsamkeit, Kau- und Schluckbeschwerden, Krankheiten und fehlende Beweglichkeit sind Gründe, weswegen ältere Menschen zu Hause zu wenig oder falsch essen. Unterernährung verschlechtert den Allgemeinzustand, verzögert die Genesung von Kranken, führt zu längeren Spitalaufenthalten und treibt die Kosten in die Höhe.

Vergleiche zeigen, dass in den Spitälern aller europäischen Länder unterernährte Patientinnen und Patienten liegen. Gemäss einer von der GESKES zitierten Studie des Europarates sind bis zu 60 Prozent der Hospitalisierten betroffen.

Nachhaltige Verbesserungen seien nur möglich, wenn sich Ärzte, Ernährungsberaterinnen, Köche, Spitalverwaltungen und alle Fachleute, die mit der Nahrungsaufnahme in Spitälern zu tun hätten, gemeinsam handelten, erklärte GESKES-Präsidentin Mette Berger. Das Forum Mangelernährung stand unter dem Patronat des Bundesamtes für Gesundheit.

(sda)

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