Griechisches Sparprogramm: Spitäler streiken – Banken bleiben zu
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Griechisches SparprogrammSpitäler streiken – Banken bleiben zu

Wenige Stunden vor der Debatte im Parlament in Athen über die Reformauflagen legt ein Streik den Verkehr lahm. Im Regierungslager regt sich heftiger Widerstand. Die Banken bleiben geschlossen.

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dia
Gespenstische Ruhe: Eine Frau reinigt die Treppenstufen zum Hauptsitz der Bank of Greece. (15. Juli 2015)

Gespenstische Ruhe: Eine Frau reinigt die Treppenstufen zum Hauptsitz der Bank of Greece. (15. Juli 2015)

Mit der Abstimmung über die Spar- und Reformauflagen der internationalen Gläubiger entscheidet Griechenlands Parlament am späten Abend auch über das Schicksal der eigenen Regierung. Die Billigung im Eilverfahren ist Voraussetzung dafür, dass die Kreditgeber mit Athen über neue Finanzhilfen verhandeln.

Regierungschef Alexis Tsipras warb trotz eigener Bedenken um Zustimmung zu dem Paket. Verweigern ihm allzu viele Parteifreunde die Gefolgschaft, drohen ein Koalitionsbruch und Neuwahlen.

Nach einer für den Nachmittag angesetzten Parlamentsdebatte sollen die Abgeordneten gegen 23.00 Uhr über das vier Milliarden Euro schwere Sparpaket namentlich abstimmen.

Debatten in Athen: Das griechische Parlament will über ein erstes Spar- und Reformpaket abstimmten: Video: Reuters

Es umfasst vor allem höhere Mehrwertsteuern und Zusatzabgaben für Freiberufler sowie Besitzer von Luxusautos, Häusern und Jachten. Auch sollen Frühverrentungen grösstenteils abgeschafft werden.

Damit soll das Parlament quasi in Vorleistung treten für ein drittes internationales Hilfsprogramm im Umfang von bis zu 86 Milliarden Euro. Griechenland wurde bereits seit 2010 mit zwei Hilfspaketen im Gesamtvolumen von fast 240 Milliarden Euro vor der Pleite bewahrt.

Widerstand im Regierungslager

Im Regierungslager regt sich heftiger Widerstand. Sollten mehr als 40 Abgeordnete der linken Regierungspartei Syriza ausscheren, steht die Koalition trotz angekündigter Abstimmungshilfe der Opposition vor dem Aus. Auch eine Neuwahl schloss Tsipras nicht aus.

In einem Fernseh-Interview hatte der Ministerpräsident eindringlich für die Billigung des Reformpakets geworben. Zwar sei dieses auf Druck einflussreicher EU-Staaten zustande gekommen und widerspreche dem europäischen Geist. Dafür solle es noch in diesem Jahr eine Diskussion über Griechenlands Umschuldung und Grossinvestitionen von 35 Milliarden Euro für mehr Wachstum geben.

Alexis Tsipras nahm im TV Stellung zum mit den Partnern der Euro-Zone erzielten Schuldenkompromiss. (Reuters: Video)

Von dem Parlamentsbeschluss hängt auch die Zwischenfinanzierung Athens für die kommenden Wochen ab. Bislang ist offen, wie die bis Mitte August benötigten rund 12 Milliarden Euro aufgebracht werden sollen - zumal Athen beim Internationalen Währungsfonds (IWF) bereits in Zahlungsrückstand ist.

Banken bleiben geschlossen

Ohne zustimmendes Parlamentsvotum dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) auch ihre Notkredite für Griechenlands Banken nicht aufstocken, die laut dem Finanzministerium bis mindestens bis morgen geschlossen bleiben werden. Ausserdem muss Athen am Montag 3,5 Milliarden Euro an die EZB zahlen.

Die EU-Kommission schlägt den EU-Finanzministern vor, den Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus (EFSM) zur Brückenfinanzierung für Athen zu nutzen. Dazu sollte ein eigenes Programm aufgelegt werden, um den Finanzbedarf Griechenlands von 7 Milliarden Euro bis Ende Juli zu decken, heisst es in einem Dokument der Brüsseler Behörde.

Die griechische Regierung und die EU-Kommission hätten sich auf Expertenebene schon auf das Programm geeinigt, hiess es. Der Rat der EU-Finanzminister muss aber noch über den Antrag entscheiden.

Staatsbedienstete streiken

Gut 70 Prozent der Griechen sind laut einer Umfrage der Zeitung «To Vima» für die Billigung des schmerzhaften Reformpakets. Das linke Blatt «I Efimerida ton Syntaktón» klagte hingegen über «Massnahmen, die wie Feuer brennen».

Keine Fahrt: Passagiere warten vor geschlossenen Türen zu einem Bahnhof in Athen. (Foto: Reuters; 15. Juli 2015)

Aus Protest gegen die Einsparungen traten griechische Staatsbedienstete am Mittwoch in einen 24-stündigen Streik, dem sich auch das Personal staatlicher Spitäler und Eisenbahner anschlossen. Für den Nachmittag und Abend riefen Gewerkschafter zu Demonstrationen im Athener Stadtzentrum und vor dem Parlament auf.

Erster Rücktritt in Griechenland

Die stellvertretende griechische Finanzministerin Nadja Valavani ist zurückgetreten. Zur Begründung erklärte die Politikerin der linken Regierungspartei Syriza, sie könne das von den internationalen Gläubigern geforderte Sparprogramm und die damit verbundenen harten Einschnitte nicht unterstützen. «Alexis, ich kann nicht mehr weitermachen», schrieb Valavani in einem Brief an den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras. (dia/sda)

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