Schumacher-Akten geklaut: Spital erstattet Anzeige wegen Diebstahl
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Schumacher-Akten geklautSpital erstattet Anzeige wegen Diebstahl

Seit Tagen werden Medienschaffenden im Internet Unterlagen zu Michael Schumachers Unfall für 60'000 Franken zum Kauf angeboten. Jetzt hat die Klinik in Grenoble Klage eingereicht.

von
pat

Unbekannte haben wohl einen Teil der Krankenakte des bei einem Skiunfall schwer verunglückten Formel-1-Rekordweltmeisters Michael Schumacher gestohlen.

Die Uni-Klinik im französischen Grenoble, in der Schumacher monatelang lag, und Schumachers Anwälte erstatteten Anzeige.

Dies bestätigte die Staatsanwaltschaft von Grenoble am Dienstag. Bereits am Montagabend informierte Schumachers Managerin Sabine Kehm über den Vorfall.

«Seit einigen Tagen werden einigen Medienvertretern gestohlene Dokumente/Daten zum Kauf angeboten, von denen der Anbieter behauptet, es handle sich um die Krankenakte von Michael Schumacher», erklärte sie in einer Stellungnahme. «Wir können nicht beurteilen, ob die Unterlagen echt sind. Fakt ist jedoch: Die Unterlagen sind gestohlen. Der Diebstahl wurde angezeigt. Ermittlungsbehörden sind eingeschaltet.»

60'000 Franken geboten

Nach Angaben aus französischen Ermittlerkreisen handelt es sich bei dem gestohlenen Dokument um einen Arztbrief, in dem die medizinische Behandlung Schumachers in Grenoble zusammengefasst wird. Das elf- bis zwölfseitige Schreiben war für die Klinik in Lausanne bestimmt, in die Schumacher am Montag vergangener Woche nach fünfeinhalb Monaten in Grenoble verlegt und zur Reha gebracht worden war.

Der Staatsanwalt von Grenoble, Jean-Yves Coquillat, sagte der Nachrichtenagentur AFP, es sei wahrscheinlich, dass dieses Dokument gestohlen worden sei, aber noch nicht erwiesen.

Die Behörden leiteten am vergangenen Freitag Ermittlungen ein, einen Tag nach dem Eingang der Anzeige der Uni-Klinik Grenoble wegen «Diebstahls und Verletzung des Arztgeheimnisses». Die Klinik erklärte, von Schumachers Managerin darauf aufmerksam gemacht worden zu sein, dass das Dokument Journalisten angeboten werde.

«Der oder die Täter haben eine bestimmte Zahl von französischen, Schweizer und deutschen Journalisten kontaktiert», sagte Staatsanwalt Coquillat. «Diese Person, die per E-Mail kommuniziert, verlangt 60'000 Schweizer Franken für das Dokument.» Um seine Angaben zu untermauern, habe der Unbekannte einen Teil des Dokuments angefügt.

Vor Veröffentlichung gewarnt

Die Polizei in Grenoble befragt nun alle Klinikmitarbeiter, die Zugriff auf den Arztbrief gehabt haben könnten. Zugleich überprüfte das Spital sein Computersystem auf einen möglichen Hackerangriff oder unbefugten Zugang. Um Schumachers Privatsphäre zu schützen, hatte die Uni-Klinik strikte Sicherheitsvorkehrungen getroffen.

Kehm warnte Medien vor einer Veröffentlichung des Dokuments: «Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass der Ankauf solcher Unterlagen/Daten sowie deren Veröffentlichungen verboten sind. Daten aus der Krankenakte sind höchst vertraulich und dürfen der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht werden.» Bei einer Veröffentlichung drohte Kehm Strafanzeige an.

Reha in Lausanne

Schumacher war Ende Dezember im französischen Skigebiet Méribel bei einem Sturz mit dem Kopf auf einen Felsen geprallt. Er erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und lag wochenlang im Koma. Am Montag vergangener Woche wurde er unter grösster Diskretion von Grenoble zur Reha nach Lausanne gebracht. Er ist nach Angaben seiner Managerin aus dem Koma erwacht.

Schumachers Unfall hatte ein riesiges Medieninteresse ausgelöst. Dabei wurde auch zu unlauteren Mitteln gegriffen: So soll kurz nach dem Unfall ein Journalist versucht haben, sich als Priester verkleidet Zugang zu Schumacher in dessen Krankenzimmer zu verschaffen. (pat/sda)

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