Universitätsspital Zürich: Spital lässt Patienten in Gluthitze schlafen
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Universitätsspital ZürichSpital lässt Patienten in Gluthitze schlafen

Viele Patienten könnten wegen hoher Temperaturen nicht mehr schlafen, sagt ein Mitarbeiter. Das Spital wiegelt ab.

von
ehs
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Im Universitätsspital Zürich (USZ) herrscht dicke Luft – und besonders warme. Die Temperaturen in den Zimmern sorgen für Ärger. Ein Pfleger lässt seiner Wut auf Facebook freien Lauf.

Im Universitätsspital Zürich (USZ) herrscht dicke Luft – und besonders warme. Die Temperaturen in den Zimmern sorgen für Ärger. Ein Pfleger lässt seiner Wut auf Facebook freien Lauf.

Keystone/Ennio Leanza
«Gestern im Unispital: draussen 33, in den Zimmern 40 Grad. Nachts um 5 Uhr draussen 23, drinnen 30», schreibt er. «Viele Patienten schlafen gar nicht mehr.»

«Gestern im Unispital: draussen 33, in den Zimmern 40 Grad. Nachts um 5 Uhr draussen 23, drinnen 30», schreibt er. «Viele Patienten schlafen gar nicht mehr.»

Keystone/Gaetan Bally
Das USZ wiegelt ab. Konkrete Zahlen zu den Temperaturen in den Patientenzimmern will die Medienstelle trotz zweimaligem Nachfragen nicht nennen.

Das USZ wiegelt ab. Konkrete Zahlen zu den Temperaturen in den Patientenzimmern will die Medienstelle trotz zweimaligem Nachfragen nicht nennen.

Keystone/Ennio Leanza

Im Universitätsspital Zürich (USZ) herrscht dicke Luft – und besonders warme. Ein Pfleger lässt seiner Wut auf Facebook freien Lauf. «Gestern im Unispital: draussen 33, in den Zimmern 40 Grad. Nachts um 5 Uhr draussen 23, drinnen 30», schreibt er. «Viele Patienten schlafen gar nicht mehr.» Zürich «kille Betroffene durch Hitze, um Hitze zu bekämpfen.» Der Kanton habe Ventilatoren für Alters- und Pflegeinstitute untersagt: «Strom sparen gegen Klimaerwärmung.» Zu 20 Minuten sagt der Mann: «Einige Patienten konnten trotz mehrfach verabreichten Sedativa kein Auge zumachen.» Patienten hätten sich sehr stark beklagt.

Das USZ wiegelt ab. Konkrete Zahlen zu den Temperaturen in den Patientenzimmern will die Medienstelle trotz zweimaligem Nachfragen nicht nennen. «Die Kälte- und Wärmewahrnehmung ist sehr individuell», sagt Sprecherin Martina Pletscher stattdessen. Patienten könnten sich jederzeit an Pflegefachpersonen wenden, sobald die Temperatur für ihr Empfinden unangenehm sei.

Eiswürfel zum Lutschen

In einem Beitrag auf einem internen Blog schreibt das USZ, was es bei Temperaturen «tagsüber von über 30 Grad» unternimmt. Patienten, die nicht oder wenig trinken dürfen, wird etwa eine Sprayflasche angeboten. Auf Wunsch gebe es Eiswürfel zum Lutschen, «das gibt ein erfrischendes Gefühl».

Besonders für ältere oder schwer kranke Patienten sei die Hitze eine zusätzliche Belastung von Herz und Kreislauf, die sich in Form von Müdigkeit, Schwächegefühl oder Schwindel zeigen könne, so das USZ. Basismassnahmen seien ähnlich wie zu Hause: gut lüften, einen Paravent in den Türrahmen stellen, rechtzeitig am Morgen die Fensterläden schliessen. Zudem würden die schweren Duvets durch Leintücher ersetzt und die Tagesplanung angepasst. Das Personal könne auch kühlende Fuss- oder Handbäder machen.

Ventilatoren nicht erlaubt

Ein generelles Verbot von Ventilatoren aus Stromspargründen gibt es für Spitäler allerdings nicht. Der Kanton Zürich hat nichts dergleichen verfügt. Aus medizinischen und spitalhygienischen Gründen seien Ventilatoren, Heizlüfter und mobile Kühlgeräte aber bis auf wenige Ausnahmen nicht erlaubt, so Sprecherin Pletscher.

Weshalb das USZ nicht mehr Klimageräte einbaut, wird in einer internen Richtlinie beantwortet. Das USZ müsse als Grossverbraucher seinen Energiebedarf gemäss dem Energiegesetz jährlich um zwei Prozent senken, heisst es dort. «Die zu hohen Raumluft-Temperaturen sollen deshalb nicht primär durch Kühlanlagen, sondern durch nächtliches Lüften und durch Sonnenabschattung gesenkt werden. Zudem sollen die Mitarbeitenden den Temperaturen angepasste Kleidung tragen.» Für die Erreichung der Energiesparziele arbeite das USZ mit dem Verein energho zusammen, der vom Bundesamt für Energie unterstützt werde, heisst es in der Richtlinie aus dem Jahr 2018.

Personal leidet

Darunter leiden während der Hitzewelle die Patienten. In Patientenzimmern oder Aufenthaltsräumen für Patienten, deren Fenster geöffnet werden können, sind weder Lüftung noch Klimatisierung vorgesehen. Die gleiche Regelung gilt für die Aufenthaltszimmer des Personals.

Auch dieses spürt die Hitze. Regina Soder, Präsidentin des Pflegeverbands Zürich, sagt, die Hitzesituation stelle «eine enorme Herausforderung» dar. «Wir appellieren an die Institutionen, entsprechende Schritte in die Wege zu leiten, damit solche Hitzespitzen für die Patienten nicht zur Tortur werden.» Gegenüber den Angestellten seien die Institutionen «klar in der Pflicht», zu handeln, wenn das Personal wegen der Hitze kaum oder nicht mehr unter zumutbaren Umständen arbeiten könne.

Kühlung auf der Intensivstation

USZ-Sprecherin Pletscher weist darauf hin, dass alle Räume klimatisiert seien, in denen das aus medizinischer oder behördlicher Vorschrift gefordert sei. Zudem würden Räume gekühlt, in denen das aus Mitarbeiter- oder Patientensicht notwendig sei. Klimatisiert seien etwa Operationssäle, Intensivpflegestationen, die Brandverletztenstation, die Stammzellenstation, die Neonatologie und bildgebende Bereiche wie MRI oder CTI.

Die Pflegefachfrauen und -männer achteten auch aktiv darauf, dass die Temperatur für ihre Patienten stimme, sagt Pletscher. In einem Punkt irre sich der Verfasser des Facebook-Posts zudem: «Am USZ gibt es keine Hitzetoten.»

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