Junge Corona-Patienten - Spital-Patienten werden jünger – was tun bis zur Impfung?
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Junge Corona-PatientenSpital-Patienten werden jünger – was tun bis zur Impfung?

Jüngere Menschen liegen vermehrt mit Covid im Spital und müssen am längsten auf die Impfung warten. Eine Epidemiologin und Jungpolitiker fordern Massnahmen, um diese Gruppe besonders zu schützen.

von
Bettina Zanni
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Da die jüngere Bevölkerung meist noch keinen Zugang zur Impfung hat, liegen mehrheitlich unter 60-jährige Covid-Patienten im Spital.

Da die jüngere Bevölkerung meist noch keinen Zugang zur Impfung hat, liegen mehrheitlich unter 60-jährige Covid-Patienten im Spital.

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Aktuell verzeichnet das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bei den 30-39-Jährigen 20 Hospitalisationen.

Aktuell verzeichnet das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bei den 30-39-Jährigen 20 Hospitalisationen.

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«Die Hälfte der Patienten sind aktuell jünger als 55 Jahre», sagt Petra Ming, Mediensprecherin der Insel Gruppe.

«Die Hälfte der Patienten sind aktuell jünger als 55 Jahre», sagt Petra Ming, Mediensprecherin der Insel Gruppe.

inselgruppe.ch

Darum gehts

  • Die Zahl der Hospitalisationen von jüngeren Corona-Patienten steigt.

  • Bis die breite Bevölkerung geimpft ist, dauert es noch mindestens bis Ende Juli.

  • Das Virus zirkuliere stark, weshalb Engpässe in den Spitälern drohten, warnt eine Epidemiologin.

Das Coronavirus greift zunehmend auf jüngere Altersgruppen über. Da diese meist noch keinen Zugang zur Impfung haben, liegen mehrheitlich unter 60-jährige Covid-Patienten im Spital. Auch junge Menschen erkranken öfter schwer am Virus: Aktuell verzeichnet das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bei den 30-39-Jährigen 20 Hospitalisationen. Zuletzt waren es in der zweiten Welle im November so viele. Bei den 20-29-Jährigen sind es neun Hospitalisierte.

Auch auf einigen Intensivstationen zählen die Ärztinnen und Ärzte mehr junge Patientinnen und Patienten. «Die Hälfte der Patienten sind aktuell jünger als 55 Jahre», sagt Petra Ming, Mediensprecherin der Insel Gruppe.

Ein Rettungssanitäter erzählt: «Ich hatte vor mehreren Wochen einen Mitte 20-Jährigen, der von uns in ein Zentrumsspital gebracht werden musste, weil sich sein Zustand weiter verschlechtert hat.» Für sein Team und ihn sei dies belastend. «Weil es halt viele Junge und auch unter 80-Jährige trifft.»

Todesfall eines Teenagers

Die Verschiebung bestätigte auch Patrick Mathys, Leiter der Sektion für Krisenbewältigung beim BAG, am jüngsten Point de Presse. Ein Teil davon könne auf die britische Variante zurückzuführen sein. Auch junge Hospitalisierte mit schwerem Verlauf überleben die Krankheit nicht in jedem Fall. Ende März meldete das BAG erstmals den Todesfall eines Teenagers. Dabei handelt es sich um einen 19-jährigen Risikopatienten aus dem Kanton Luzern.

Bis die breite Bevölkerung geimpft ist, dauert es noch mindestens bis Ende Juli. Neurowissenschaftler und Ex-Taskforce-Mitglied Dominique de Quervain kritisiert deshalb, dass Kinder und Jugendliche, die sich noch nicht impfen lassen könnten, offensichtlich komplett vergessen worden seien.

«Virus zirkuliert auf extrem hohem Niveau»

Taskforce-Mitglied Olivia Keiser teilt die Bedenken. «Unter den jungen Leuten ist fast noch niemand geimpft und das bleibt wohl noch länger so – insbesondere für Kinder, für welche die Impfung ja noch nicht zugelassen ist», so die Epidemiologin. Angesichts der neuesten Öffnungen und des Drei-Phasen-Modells sei insbesondere auch die junge Bevölkerung dem Virus stark ausgesetzt. Die britische Mutation sei ansteckender und laut Studien auch tödlicher. «Da das Virus auf extrem hohem Niveau zirkuliert und somit immer mehr Ungeimpfte schwer erkranken können, drohen in den Spitälern Engpässe.»

Keiser gibt zu Bedenken, dass ungeimpfte Personen, die nicht im Homeoffice arbeiten können, wie zum Beispiel Lehrpersonen, wenn möglich früher geimpft werden sollten. In Schulen müssten zudem konsequent Massentests durchgeführt, CO2-Messgeräte verwendet und auch Filteranlagen eingebaut werden. «Positive Fälle müssen sofort isoliert und die Quarantäne muss konsequent umgesetzt werden.»

Hinweis auf Risiko sei nötig

Als weitere Massnahme sollten laut Keiser Ungeimpfte explizit auf das Risiko von Aerosolübertragung in Innenräumen – auch auf weitere Distanz – hingewiesen werden. «Hier sind gute Masken und Abstand zentral.» Die Forscherin selbst würde sich wieder mehr Massnahmen wünschen. «Damit die Fallzahlen wieder gesenkt und deutlich mehr Leute geimpft werden können, bevor weitere Öffnungsschritte anstehen.» Auch Jungpolitiker stellen Forderungen auf (siehe Box).


Alain Berset verteidigte an der Medienkonferenz am Mittwoch die Öffnungsschritte. Auf die Frage, warum die Richtwerte gegen oben korrigiert worden seien, sagte er: «Ich habe den Eindruck, dass die Entwicklung im Moment unter Kontrolle ist. Und dank den Impfungen kann man auch etwas grosszügiger sein.» Explodierten die Fallzahlen wieder, sähe es wieder anders aus. «Es handelt sich um einen Vertrag, den wir mit der Bevölkerung abschliessen.»

So sollen Ungeimpfte trotz Öffnungen geschützt sein

Juso-Präsidentin Ronja Jansen: «Es ist höchst bedenklich, dass der Bundesrat höhere Fallzahlen akzeptieren will, obwohl noch nicht alle Zugang zu einer Impfung haben. Das Ansteckungsrisiko für Junge, die sich seit über einem Jahr solidarisch verhalten, steigt damit. Im schlimmsten Fall, müssen sie einen schweren Verlauf oder Long Covid in Kauf nehmen. Die Fallzahlen müssen sinken, wenn mehr Menschen geimpft sind, sonst steigt das Risiko für nicht-Geimpfte. Dafür braucht es im schlimmsten Fall erneute Massnahmen.»
Tobias Vögeli, Präsident der Jungen GLP, möchte die Lockerungen nicht zurücknehmen: «Es braucht ein kluges Öffnen. Die jungen Menschen können sich auch jetzt nicht zuhause verschanzen. Damit Infektionsketten besser unterbrochen werden können, braucht es Anreize für die Corona-App. Ist in der App zum Beispiel auch eine einfache Registrierung im Restaurant inklusive, werden mehr Menschen diese nutzen. Wichtig ist zudem, sich vor jedem Treffen einem Corona-Selbsttest zu unterziehen.»

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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