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Maskendispens hin oder herSpital verweigert Behandlung von Patienten, die keine Maske tragen

Keine Maske, keine Behandlung: Im Kantonsspital Olten wurde ein Mann nicht behandelt, weil er keine Hygienemaske tragen wollte – trotz gültiger Maskendispens. Ist das erlaubt?

von
Lara Hofer
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Am Montag wollte sich der 60-jährige O.S. im Kantonsspital Olten untersuchen lassen, da er starke Schmerzen an der Schulter hatte.

Am Montag wollte sich der 60-jährige O.S. im Kantonsspital Olten untersuchen lassen, da er starke Schmerzen an der Schulter hatte.

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Der Mann konnte eine gültige Maskendispens vorweisen. Eine Lungenkrankheit habe er zwar nicht, dafür aber starke Atembeschwerden beim Tragen einer Maske. Deswegen habe er von seinem Hausarzt eine Dispens erhalten.

Der Mann konnte eine gültige Maskendispens vorweisen. Eine Lungenkrankheit habe er zwar nicht, dafür aber starke Atembeschwerden beim Tragen einer Maske. Deswegen habe er von seinem Hausarzt eine Dispens erhalten.

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Der verantwortliche Arzt wollte S. ohne Maske aber nicht untersuchen. Dispens hin oder her.

Der verantwortliche Arzt wollte S. ohne Maske aber nicht untersuchen. Dispens hin oder her.

ZVG

Darum gehts

  • Am Montag wollte sich ein 60-jähriger Mann im Kantonsspital Olten untersuchen lassen, weil er Schmerzen in seiner Schulter hatte.

  • Eine Hygienemaske trug der Mann an seinem Termin nicht – er wies dafür eine gültige Maskendispens vor.

  • Das Spital liess ihn dennoch abblitzen: Bis auf wenige Ausnahmen werde nur behandelt, wer eine Maske trage.

  • Völlig erzürnt postete der Mann die Vorkommnisse auf Facebook – und eröffnete damit eine hitzige Diskussion unter den Usern.

Der Olter O. S.* zog sich beim Fussballspielen eine Schulterverletzung zu. Der Vorfall ereignete sich vor einigen Monaten, aber im Verlauf der Zeit wurden seine Schmerzen immer stärker. Der 60-Jährige wollte sich darum diese Woche ärztlich untersuchen lassen. Doch trotz vereinbartem Termin beim Kantonsspital Olten, fiel die Behandlung ins Wasser.

Keine Untersuchung für maskenlosen Mann

Keine Maske, keine Verarztung. Das hiess es, als S. am Montag ohne Schutzmaske beim Kantonsspital Olten auftauchte. Dabei wies er dem Personal auch seine Maskendispens vor und beteuerte, dass er aus medizinischen Gründen keine Maske tragen könne, führt S. gegenüber 20 Minuten aus: «Ich habe keine Lungenkrankheit, aber Atembeschwerden, wenn ich eine Maske trage.» Deswegen habe er von seinem Hausarzt eine Dispens erhalten.

Davon wollte das Spital jedoch nichts wissen. «Der Arzt erklärte mir, dass er die Dispens nicht anerkennt», so der Oltner. In einem Schreiben, das 20 Minuten vorliegt, hielt das Spital seinen Entscheid fest. «Da Sie sich weigern eine Maske aufzusetzen, lehne ich persönlich eine Sprechstundenkonsultation ab», steht in dem Schreiben. Dies trotz der attestierten Maskendispens, wie der Arzt selber festhält.

«Maske beeinträchtigt die Atmung nicht»

Das Kantonsspital Olten bestätigt den Entscheid vom Montag gegenüber der «Solothurner Zeitung». Im Spital sei beschlossen worden, dass externe Zeugnisse betreffend einer Maskendispens keine Gültigkeit hätten. Dies, weil nach neusten Untersuchungen das Tragen einer Hygienemaske die Atmung und die Sauerstoffaufnahme nicht beeinträchtigen würden.

Bei einer psychischen Störung oder bei hoher Dringlichkeit könne jedoch eine Ausnahme gemacht werden. Beides sei bei Herrn S. aber nicht der Fall gewesen.

«Ich bin kein Coronaskeptiker!»

Mit diesem Entscheid gibt sich S. nicht zufrieden. Er sei kein Coronaskeptiker oder Maskenverweigerer. Erzürnt postete er den Vorfall in den sozialen Medien. «Um einen Arzt zu finden, der mich trotz Dispens behandelt, habe ich das Erlebnis im Kantonsspital Olten auf Facebook gestellt», so S.

Sein Facebook-Post löste unter den Usern eine grosse Diskussion aus. Die meisten Nutzer stellen sich auf die Seite des Spitals. Nur: Hat man dort überhaupt rechtmässig gehandelt?

Strenger, als der Bund vorschreibt

«Ja, zumindest im konkreten Fall», sagt Lukas Widmer vom Rechtsdienst des Departements des Innern. Die Spitäler seien den privaten Praxen in gewissen Bereichen gleichgestellt und dürften gemäss Bundesamt für Gesundheit auch strengere Schutzmassnahmen vorsehen als die Behörden.

Das weiss auch O.S.: «Rechtliche Schritte werde ich nicht prüfen», sagt er. «Die Solothurner Spitäler sind offenbar dazu befugt, schärfere Massnahmen umzusetzen, als der Bund verlangt.»

Im Notfall ist es anders

Dies betont auch der Dachverband der Schweizer Spitäler H+. Es sei zwar grundsätzlich davon auszugehen, dass die Schweizer Spitäler und Kliniken auch Patienten mit Maskendispens behandeln. Aber: «Letztendlich ist es der Entscheid des Spitals, wie mit solchen Fällen umgegangen wird», so Sprecher Stefan Althaus zu 20 Minuten.

Etwas anders sieht es bei Notfallsituationen aus, sagt Rechtsexperte Widmer. Hier bekäme das Spital im Streitfall wohl ein Problem mit dem Diskriminierungsverbot, wenn es einen Patienten mit Maskendispens ablehnen würde.

*Name der Redaktion bekannt

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