Spitzel-Affäre nimmt immer grössere Ausmasse an
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Spitzel-Affäre nimmt immer grössere Ausmasse an

Die Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom nimmt immer grössere Ausmasse an. Nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» sollen neben Telefonverbindungen auch Bankdaten von Journalisten und Aufsichtsräten ausgespäht worden sein.

Zudem sollen mit einer speziellen Software Bewegungsprofile einzelner Personen erstellt worden sein. Demnach wurde über Mobilfunkdaten abgeglichen, wo sich diese aufhielten.

Der Bonner Staatsanwalt Fred Apostel bestätigte, derartige Hinweise von einer Berliner Sicherheitsfirma bekommen zu haben. Telekom-Sprecher Mark Nierwetberg sagte, er könne zu einer angeblichen Ausspähung von Bankdaten oder das Anlegen von Bewegungsprofilen nichts sagen.

Am Donnerstag hatte die Staatsanwaltschaft bei einer bundesweiten Razzia die Büroräume der Telekom durchsucht und ein Ermittlungsverfahren gegen «weniger als zehn Personen» eingeleitet. Darunter sind auch der frühere Konzernchef Kai-Uwe Ricke und der ehemalige Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel. Es geht um den Verdacht von Verstössen gegen Fernmeldegeheimnis und Datenschutz. Bei der Razzia in der Telekom-Zentrale wurde auch das Büro von Konzernchef René Obermann durchsucht. Telekom und Staatsanwaltschaft erklärten allerdings, gegen Obermann werde nicht ermittelt, ebenso wenig wie gegen einen der anderen aktuellen Vorstände.

Affäre beschäftigt nun auch die Bundesregierung

Inzwischen beschäftigen die Vorwürfe gegen die Telekom auch die Bundesregierung: Innenminister Wolfgang Schäuble will in der kommenden Woche mit den Chefs deutscher Telekommunikationsunternehmen sprechen. Dabei gehe es um den verantwortungsvollen Umgang mit Daten, sagte eine Sprecherin.

Wie die «SZ» weiter berichtet, untersuchen die Ermittler derzeit auch eine Rechnung über 359.000 Euro, die Ende November 2006 über die Kostenstelle des Vorstandsvorsitzenden der Telekom beglichen wurde. Die Rechnung mit dem Datum 23. November 2006 stammte von der Berliner Sicherheitsfirma und wurde innerhalb weniger Tage bezahlt, wie das Blatt schreibt. Obermann war damals erst wenige Tage im Amt.

Er sagte laut Vorabmeldung dem Blatt, er habe diese Rechnung vorher nicht gekannt und damals von dem Vorgang nichts erfahren. «Ich hatte in jenen Tagen einen überbordenden Terminkalender.» Erst im August 2007 habe er von dem Vorgang erfahren. Er versicherte laut «SZ», dass die Bespitzelungen ohne seine Kenntnis stattgefunden hätten. «Ich war nicht einbezogen», wurde er zitiert.

Der Vertreter der Gewerkschaft Ver.di im Aufsichtsrat, Lothar Schröder, erklärte am Freitag im ARD-Morgenmagazin, er hoffe nun auf schnelle Ermittlungsergebnisse. Der Reputationsschaden müsse eingegrenzt werden. Am Donnerstag hatten die Arbeitnehmervertreter angekündigt, sie wollten gesondert Strafanzeige gegen das Unternehmen stellen. «Wir fühlen uns in Gänze als potenziell Betroffene, die damit rechnen müssen, bespitzelt worden zu sein», sagte Schröder. (dapd)

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