Aktualisiert 29.10.2007 22:21

«Spitzel» besuchen kranke Angestellte

Wenn der «Absenzen-Koordinator» bei krank geschriebenen Mitarbeitern klingelt: Eine Dienstleistung der Versicherung CSS für Firmen entsetzt Gewerkschafter.

Schweizweit nutzen schon 30 Unternehmen das Angebot der Krankentaggeld-Versicherung CSS. Und so funktionierts: Ist ein Mitarbeiter zum Beispiel länger als sieben Tage krank, wird er zunächst telefonisch von einem so genannten Absenzen-Koordinator der CSS kontaktiert.

Erscheint der Angestellte auch nach 20 Tagen nicht im Büro, besucht ihn der CSS-Spezialist zu Hause. «Bei diesem Krankenbesuch machen wir uns ein Bild der Situation, bieten Hilfe an und schauen, ob auch auf der privaten Seite etwas nicht stimmt», erklärt Markus Noser, einer von fünf Absenzen-Koordinatoren der CSS. Das Ziel: die Absenzendauer reduzieren.

Eine Firma, welche die Dienstleistung in Anspruch nimmt, kann ausserdem Prämien bei der Taggeld-Versicherung sparen: Melden sich wegen des strengen Regimes weniger Angestellte krank, erhält das Unternehmen von der CSS einen Bonus.

Unia-Gewerkschafter Roman Burger ist empört: «Es ist skandalös, wenn man jetzt systematisch Mitarbeitern hinterherschnüffelt und in jedem Kranken einen Simulanten sieht.» CSS-Mann Noser räumt ein, dass es sich um eine «sanfte Kontrolle» handle: «Aber wir bieten auch Hand zu Lösungen und das schätzen viele Angestellte.»

Bernhard Brechbühl

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