Kindsmissbrauch: Spitzentrainer als Sexmonster
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KindsmissbrauchSpitzentrainer als Sexmonster

Ein deutscher Leichtathletik-Bundestrainer steht wegen hundertfachen sexuellen Missbrauchs von jungen Sportlern vor dem Münchner Landgericht. Eines seiner Opfer missbrauchte er mindestens 215 Mal.

von
Maria Marquart/AP

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 49-jährigen Ewald K. aus dem oberbayerischen Penzberg vor, sich zwischen 1990 und 2008 an insgesamt acht Sportschülern vergangen zu haben. Alle Opfer waren Jungen unter 18 Jahren. Das erste Opfer, ein heute 26-jähriger Mann, war laut Anklage beim ersten Missbrauch acht Jahre alt. Dem Trainer drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis, er sitzt seit November 2008 in Untersuchungshaft.

Sein Anwalt kündigte nach einer Absprache mit dem Gericht ein Geständnis seines Mandanten an. «Er wird sich ausführlich äussern», erklärte Verteidiger Florian Schneider. Die Opfer müssten dann nicht als Zeugen aussagen. Zudem wolle sich Ewald K. in einem Brief bei den jungen Männern entschuldigen und eine Therapie beginnen. «Er sieht die Jungs als Opfer, und es tut ihm sehr leid, was da passiert ist», sagte der Anwalt. Die meisten Opfer wollten mit dem Missbrauch nicht mehr konfrontiert werden.

Zum Analverkehr gezwungen

Die Staatsanwaltschaft wirft dem ledigen Mann vor, in etwa 300 Fällen Jungen und junge Männer missbraucht zu haben, die seinen Trainingsgruppen angehörten. In 15 Fällen fügte der Mann seinen Opfern auch körperliche Verletzungen zu. So zwang er einen der Jungen im Alter von etwa neun Jahren zum Analverkehr. Laut Anklage befahl er dem Jungen zu schweigen und machte ihm auch Geschenke. Allein dieses Opfer missbrauchte der Trainer laut Anklage innerhalb von sechs Jahren mindestens 215 Mal.

Junge sogar im Kinderzimmer missbraucht

An den meisten der Jungen verging sich der Trainer in Sporthallen, etwa auch in der Münchner Olympiahalle. Der Mann nutzte aber auch Trainingslager, seine Wohnung und Autofahrten für sexuelle Übergriffe. Einmal missbrauchte Ewald K. einen Jungen bei einem Besuch sogar in dessen Kinderzimmer.

Seine Trainerlaufbahn begann der gebürtige Österreicher beim TSV Penzberg, wo er mehrere Jahre für das Lauftraining von Jungen ab sechs Jahren zuständig war. Bis 1998 arbeitete der gelernte Restaurantfachmann als stellvertretender Oberkellner in einem Münchner Luxushotel. Seit 2001 war er hauptberuflich Bundestrainer des Deutschen Leichtathletikverbandes und hielt auch Weiterbildungen. Zudem trainierte er Schüler eines Sportgymnasiums. «Ich habe den Job gelebt und geliebt», sagte Ewald K. vor Gericht über seine Trainerlaufbahn.

Keine Missbrauchsgerüchte

Eine Bekannte von Ewald K., die als Zuschauerin zu dem Prozess gekommen war, beschrieb den Angeklagten als offen, nett und fröhlich. Die Sportler hätten grossen Respekt vor ihm gehabt, und viele hätten gehofft, von ihm als Talent entdeckt zu werden, berichtete die junge Frau. Es habe keine Missbrauchsgerüchte gegeben. «Das hat mein Weltbild zusammengeschmissen», sagte die Frau. «Wie kann man nur kleinen Jungs so etwas antun.»

Nach der Absprache mit dem Gericht erklärte der Verteidiger, er rechne mit einer Strafe unter zehn Jahren. Eine Sicherungsverwahrung halte er für eher unwahrscheinlich. Für den Prozess wurden bis zum Mittwoch zunächst zwei Verhandlungstage angesetzt.

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