Vorteile oder Risiken?: Sport in der Schwangerschaft.
Aktualisiert

Vorteile oder Risiken?Sport in der Schwangerschaft.

Sportliche Frauen fühlen sich besser, haben oft leichtere Schwangerschaften und bleiben beweglicher. Zuviel Sport in der Frühschwangerschaft kann aber das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen.

von
Kathrin Fischer

Schwangeren empfiehlt man moderaten Sport. Moderat, das heisst: Nicht ausser Atem kommen und sich wohl dabei fühlen. Sport kann - geeignete Umstände vorausgesetzt - viele Vorteile haben. Das körperliche, geistige und seelische Wohlbefinden profitiert, das Leiden unter den typischen Schwangerschaftsbeschwerden wird reduziert, Rückenschmerzen oder Verstopfung vermindert. Der Körper wird besser mit Sauerstoff versorgt, die Abwehrkräfte gestärkt, es wird weniger Wasser im Gewebe eingelagert, man schläft besser und ist generell fitter für die Geburt, so heisst es. Die Geburt sei ferner weniger schmerzhaft und auch die Wehen seien weniger stark, man erhole sich rascher im Wochenbett. Medizinische Studien zu diesen Aussagen gibt es allerdings erst wenige.

Zu früh und zu viel Sport ist ungesund

Schrecken löste dann allerdings eine Studie aus, die von der dänischen Universität in Odense durchgeführt wurde. Für diese wurden über 92'000 Schwangere zu Ernährungs- und Lebensgewohnheiten und zu ihren sportlichen Betätigungen befragt. Fazit: Zu viel Sport in den ersten Wochen der Schwangerschaft erhöht das Risiko einer Fehlgeburt. Über 3000 Frauen erlitten eine Fehlgeburt - die meisten von ihnen waren bis zur 18. Schwangerschaftswoche sportlich ausserordentlich aktiv.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Sporthäufigkeit und dem Risiko einer Fehlgeburt, errechneten die Wissenschaftler. Zudem: Bei den Frauen, die bis zur 18. Woche mehr als sieben Stunden Sport pro Woche trieben, war auch das Risiko einer Frühgeburt dreieinhalb mal höher als bei sportmuffeligen Schwangeren. Die Schwangerschaft ist keine Zeit für Hochleistungssport. Denn der Körper arbeitet durch die ablaufenden Veränderungen bereits auf Hochtouren.

Sich fit fühlen mit dem richtigen Sport

Die Sportart scheint ebenfalls einen Einfluss auf das Frühgeburtsrisiko zu haben, folgerten die Forscher. Sogenannte High-Impact-Sportarten wie Jogging, Fussball oder Tennis, aber auch die Low-Impact-Sportarten wie Aerobic, Tanzen, Wandern und sogar der regelmässige Besuch im Fitnessstudio schienen das Risiko einer Frühgeburt zu erhöhen. Einzig Schwimmen senkte das Risiko.

Die Empfehlung der Experten: «Schwangere Frauen sollen trotz erhöhter Vorsicht weiterhin körperlich aktiv bleiben und sich dabei vor allem wohl fühlen. Die kompetente und angemessene Belastungswahrnehmung der Schwangeren selbst spielt für das Wohlbefinden eine besonders entscheidende Rolle.»

Wann auf Sport verzichtet werden muss

Manche Frauen sollten allerdings auf Sport verzichten oder bei der sportlichen Betätigung besonders acht geben. Besonders, wenn bereits ein Fehlgeburt erlitten wurde oder die Frau schon eine Frühgeburt hatte. Denn dann ist das Risiko für beides grösser. Auch Frauen, die unter Blutarmut leiden, bereits Gelenksprobleme oder Schilddrüsenstörungen haben, müssen besonders aufpassen. Auch wer extremes Unter- oder Übergewicht hat und leicht in Atemnot gerät, sollte besser auf Sport verzichten. Holen Sie den Rat Ihres Arztes ein und beachten Sie diesen.

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Was man sicher weiss

- In der Schwangerschaft nehmen Herzfrequenz, Blutdruck und Blutmenge zu. Hochleitungs- und Ausdauersportlerinnen haben meist etwas untergewichtige Neugeborene. Das liegt am Stresshormon Noradrenalin und an der reduzierten Versorgung des Babys mit Sauerstoff.

- Tabu sind Gebirgstouren über 2500 Meter ü.M., weil zu wenig Sauerstoff vorhanden ist. Marathon oder Sport unter Wettkampf- und Hochleistungsbedingungen sollten Schwangere bleiben lassen.

- Zu anstrengender Sport führt zu einer Überwärmung des Körpers, was in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten zu vermeiden ist. Dann bilden sich die Organe und dies braucht stabile Temperaturverhältnisse. Auch längere Saunabesuche sind am Anfang nicht zu empfehlen. Bei Fieber unbedingt den Arzt informieren.

- Bänder und Sehnen werden weicher. Die Gelenke sind allerdings stabiler. Die Zunahme des Köpergewichts belastet die Gelenke stärker. Deshalb sollte der Sport die Gelenke nicht noch zusätzlich belasten.

- Durch die Verlagerung des Körperschwerpunkts und die Gewichtszunahme ist der Gleichgewichtssinn beeinträchtigt – Sportarten mit erhöhtem Verletzungspotenzial bleiben lassen.

- Mütterliche und kindliche Unterzuckerung infolge erhöhten Energiebedarfs ist ebenfalls ein Risiko für den Nachwuchs. Am besten immer auf einen optimalen Energiehaushalt achten.

- Sportkurse für Schwangere können Sie unbedenklich besuchen. Wenn Sie Mitglied eines Fitnesscenters sind und Ihnen das zu anstrengend ist, können Sie in vielen Fällen für den Rest der Schwangerschaft den Vertrag aussetzen.

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