Aktualisiert 27.03.2013 09:20

Mehr Zusammenbrüche

Sport, Schule, Sex: Ab 14 herrscht Leistungsdruck

Sie müssen einen super Body haben, gute Noten abliefern und möglichst früh sexuell aktiv werden: Junge Mädchen stehen von allen Seiten unter Druck. Viele halten dem nicht mehr Stand.

von
S. Marty
Viele Mädchen sind vom ständigen Druck überfordert.

Viele Mädchen sind vom ständigen Druck überfordert.

Die Zwänge der Leistungsgesellschaft kommen bereits mit der Pubertät. Besonders Mädchen, aber auch Jungen, stehen in einem ständigen, scharfen Wettbewerb: «Die Belastung kommt von ganz verschiedenen Seiten. Es ist der Druck, ins Gymnasium zu wollen, über den Anspruch, sexuell aktiv sein zu müssen, bis hin zum Zwang vom perfekten Aussehen», so Moana Crescionini, Beraterin bei Pro Juventute.

Viele Mädchen versuchten, all diesen Ansprüchen gerecht zu werden und sie unter Kontrolle zu bringen. Doch nicht selten ende dies in einem psychischen Fiasko: «Sie zerbrechen an den steigenden Anforderungen der Gesellschaft und erleiden in der Folge einen Nervenzusammenbruch», so Crescionini weiter.

Dieser kann sich laut Experten in Form von Schrei- und Heulkrämpfen, aber auch depressiven und gar suizidalen Gedanken zeigen. Ein Problem, mit welchem die Beraterin der Notrufnummer 147 in letzter Zeit immer häufiger konfrontiert war: «Ich beobachte seit einiger Zeit eine Zunahme solcher Vorfälle. Es gibt Mädchen, die deswegen gar therapiert werden müssen», so Crescionini.

Mehr Einweisungen in Zürich und Luzern

Dies zeigt sich unter anderem auch in der steigenden Anzahl Anmeldungen beim Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst des Kantons Zürich, wobei auch Knaben von dieser Entwicklung nicht ausgenommen sind. Laut Chefärztin Dagmar Pauli haben sich «Fälle von akuten, psychischen Krisensituationen bei Jugendlichen ab 14 Jahren in den letzten fünf Jahren vervierfacht.» Die Zahl aller anderen Anmeldungen von Jugendlichen in der psychiatrischen Ambulanz habe sich seit 1997 von 219 Anmeldungen bis heute mit 1999 Anmeldungen gar verzehnfacht.

Eine Entwicklung, die Simone Krähenbühl, stellvertretende Chefärztin vom Kinder- und Jungendpsychiatrischen Dienst Luzern, grosse Sorgen bereitet. Denn auch in Luzern nehmen die Fälle von überforderten Teenagern Jahr für Jahr um etwa fünf Prozent zu: «Die Nervenzusammenbrüche sind allerdings oft erst der Anfang. Aus der Belastung kann sich auch eine psychische Erkrankung entwickeln. Bei Mädchen sind das nicht selten Essstörungen», so Krähenbühl.

Anerkennung auch ohne Leistung

Ein frühes Eingreifen ist laut den Experten deshalb entscheidend. «Die Gesellschaft vermittelt den Jugendlichen das Gefühl, perfekt sein zu müssen. Davon sollte man sich zu lösen versuchen», so Dagmar Pauli. Sie rät den Eltern sowie Lehrern, «Kinder zwar ihren Fähigkeiten entsprechend zu fordern, ihnen aber auch immer wieder unabhängig von einer erbrachten Leistung Anerkennung und Zuneigung entgegenzubringen.» Komme es trotzdem zu einem Zusammenbruch, sollte das Gespräch mit Fachpersonen gesucht werden.

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