18.06.2017 11:04

Eat this!Sportgetränke für kleine Leistungssportler

Kleine Fussballstars verbrennen beim Trainieren locker sechs Teller Pasta. Wasser, Schorle oder Sportgetränk – was kommt in die Trinkflaschen der Kids?

von
Jürg Hösli
Teens, die häufig und intensiv trainieren, brauchen mehr Energie.  Was kommt am Besten in die Trinkflasche?

Teens, die häufig und intensiv trainieren, brauchen mehr Energie. Was kommt am Besten in die Trinkflasche?

Nycshooter, iStock

In meiner Arbeit mit verschiedenen Vereinen und Nationalverbänden ist es immer wieder zur grossen Frage gekommen, ob junge Sportler und Kindern Wasser trinken sollen oder doch besser ein Sportgetränk. Die meisten Trainer und Betreuer hielten an der Meinung fest, dass bei Jugendlichen ausschliesslich Wasser in die Trinkflasche kommen sollte. Darum haben wir begonnen den Kalorienverbrauch bei Kindern ab 10 Jahren und Jugendlichen zu messen. Die Resultate, welche wir erhalten haben, waren für uns unglaublich erstaunlich, darum ein kleines Beispiel:

Ein Vater kam mit seinem 10jährigen Sohn zu uns. Da wir den Eltern jeweils den realen Bedarf der Jugendlichen und Kinder zeigen wollen, haben wir den Vater vor dem Sohn gemessen und zu seinem Erstaunen hatte der Dreikäsehoch fast den gleichen Bedarf. Er verbrannte pro Stunde Fussball durchschnittlich rund 80g Kohlenhydrate, was einem Liter Sportgetränk entspricht. Der Jugendliche spielte fast täglich 1.5 Stunden und hat noch 3 Lektionen Schulsport.

Berechnen wir dies nun nach den üblichen Formeln können wir bei einem 10jährigen Leistungstrainierenden locker mit 2500 – 3000kcal pro Tag rechnen. Bei 14 – 19-Jährigen Leistungssportler, welche sich voll im Wachstum befinden, können dies bis 4000kcal werden. Beispielsweise verbrauchte der Eishockeyspieler Christian Marty, welcher ich bei den Kloten betreute, der eine Lehr als Forstwart absolvierte bis 5500kcal pro Tag. Wenn wir nun wissen, dass wir eine «normale» Mahlzeit mit 500kcal berechnen, dann dürfen wir uns fragen wann Christian diese 11 Teller pro Tag essen soll oder der 10-Jähre seine 6!

Was passiert aber , wenn Jugendliche zu wenig essen? Der körperliche Stress wird erhöht und wichtige mentale und körperliche Substanz geht verloren. Unaufmerksamkeit in der Schule, innere Unruhe am Abend, Schlafstörungen, Lustlosigkeit, Müdigkeit und selbst eine Verzögerung des Wachstums können eine Folge dieses Stresses sein. Umso wichtig ist es gerade in diesem Alter, dass die Ernährung optimal umgesetzt wird.

Wenn Eltern ihr Kind den Vereinen anvertrauen, dann sollten sie genauso überprüfen, ob der Verein die Körper der Kinder nur fordert oder eben auch fördert. Und ein wichtiger Teil dieser Förderung ist eine adäquate und bedarfsgerechte Ernährung. Wie würden nie in ein Auto steigen mit zu wenig Energie, aber von unseren Kindern wird im Training erwartet, dass sie mit Wasser funktionieren!

Wer pro Training zuvor eine Banane oder ein Weissbrotsandwich, während dem Training ein Mix zwischen Wasser und Apfelsaft oder ein Sportgetränk und nach dem Training einen halben Liter Ovo gibt, der schenkt dem Körper die Makronährstoffe, welche er rund um das Training verbraucht und führt den jungen Körpern genau dann zielgerichtet Nährstoffe zu, wenn er dieses am nötigsten sind. Wenn sie zudem etwas für die Zahngesundheit der Kinder machen möchten, dann gibt es hier auf dem Markt verschiedene säurefreie Sportgetränke, die den Zahnschmelz nicht angreifen.

Es gibt absolut keine sinnvolle Begründung, warum Jugendliche nur Wasser zum Sport trinken sollten, auch das Argument, dass Zucker ungesund sei, ist kompletter Blödsinn, denn der Körper der Kinder verbrennt keine vegane Vollkornerbsen sondern eben Zucker während dem Training. Je mehr Kinder zudem diesen Zucker über Sportgetränke während dem Sport trinken, desto weniger Lust auf Schokolade oder allgemein Süsses. Den Trainern welche heute immer noch jegliche Sportgetränke verbieten, sollte die rote Karte sowohl von den Vereinen wie auch von den Eltern gezeigt werden.

Jürg Hösli ist Ernährungswissenschaftler, Querdenker und greift gerne kontroverse Themen aus Sport, Psychologie und Ernährung auf. Er ist seit 30 Jahren im Leistungssport, hat Weltmeister und Olympiasieger betreut. Er ist Begründer der Ernährungsdiagnostik und der Schule für Ernährungsdiagnostik erpse in Winterthur. Hösli betreut hier vor allem übergewichtige Klienten und Menschen mit Reizdarm oder Erschöpfungszuständen. Für 20 Minuten schreibt er unter dem Namen Futterpapst Kolumnen.

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