Sportler hungern sich für den Erfolg krank
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Sportler hungern sich für den Erfolg krank

Hungern und Erbrechen für den Sieg: Der Leistungswahn treibt immer mehr Sportler in die Magersucht. Im Berner Inselspital suchen sie Hilfe.

«Die Verbreitung von Essstörungen bei Sportlern hat ein besorgniserregendes

Ausmass angenommen» sagt Bettina Isenschmid vom Inselspital. Rund 50 Prozent ihrer Patienten, die wegen Magersucht oder zwanghaftem Erbrechen in die Sprechstunde kommen, stammen aus einem sportlichen Umfeld. «Darunter sind bekannte Athleten, die sich auch nach der Karriere an ihre falschen Ernährungsgewohnheiten klammern», sagt Isenschmid.

Die Sportidole verschweigen ihre Hungersnöte. Nur der Ex-Skispringer Stefan Zünd, der bis zum Zusammenbruch nach dem Motto «ein Kilo weniger ist ein Skiflug-Meter mehr» lebte, hat sich bisher geoutet. Neu ist, dass nicht nur Kunstturner oder Bergflöhe aus dem Radrennzirkus den gesunden Appetit verlieren. Auch Amateure aus Disziplinen wie Rudern, Leichtathletik, Eiskunstlauf und Kampfsport knabbern nur noch Spezialnahrung und vergessen, wie eine normale Mahlzeit aussieht.

Besonders erschreckend sind die Essstörungen von Nachwuchssportlern, die dem Leistungsanspruch ihrer Eltern nicht gewachsen sind. Isenschmid fordert deshalb: «Die Trainer sowie das gesamte Umfeld müssen hellhörig werden und rascher handeln.»

Patrick Marbach

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