Romanshorn TG: Sportwagen-Lenker wird für sein Auto angefeindet
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Romanshorn TGSportwagen-Lenker wird für sein Auto angefeindet

Ein Thurgauer Unternehmer wurde wegen seines Sportwagens an einer Tankstelle von einem Unbekannten angegangen. Er schildert den Fall auf Facebook und erhält Zuspruch.

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In einem Facebook-Post erzählt ein Thurgauer Unternehmer davon, wie er von einem Mann auf seinen Sportwagen angesprochen und gefragt wurde, wie viele Menschen hätten mit dem Geld ernährt werden können. Seine Reaktion darauf postete er auf Facebook.

In einem Facebook-Post erzählt ein Thurgauer Unternehmer davon, wie er von einem Mann auf seinen Sportwagen angesprochen und gefragt wurde, wie viele Menschen hätten mit dem Geld ernährt werden können. Seine Reaktion darauf postete er auf Facebook.

Facebook
Um diesen Wagen geht es.

Um diesen Wagen geht es.

Facebook
Inzwischen wurde der Post über 350 Mal geteilt und 80 Mal kommentiert.

Inzwischen wurde der Post über 350 Mal geteilt und 80 Mal kommentiert.

Facebook

«Neulich an der Tankstelle schaute ein Typ auf meinen Sportwagen und fragte mich, wie viele Leute für das Geld, das der Sportwagen gekostet hat, hätten ernährt werden können», schreibt der Thurgauer Unternehmer auf Facebook. Er habe dem Mann anschliessend erklärt, dass durch die Produktion des Autos mehrere Leute hätten ernährt werden können. Der Post löste in den Kommentaren eine Diskussion aus und wurde in der Zwischenzeit fast 400 Mal geteilt und über 80 Mal kommentiert.

In seinem Post kommt er auf den Kapitalismus zu sprechen. So heisst es etwa: «Das ist der Unterschied zwischen Kapitalismus und Wohlfahrtsmentalität. Wenn wir etwas kaufen, geben wir Geld in die Taschen der Menschen und geben ihnen Würde für ihre Fähigkeiten. Wir halten somit die Wirtschaft am Laufen.» Wenn man jemandem etwas für nichts gebe, raube man ihm die Würde und den Selbstwert, ist er der Meinung.

Sein Post endet mit dem Satz: «Ich habe beschlossen, dass ich politisch nicht mehr korrekt sein möchte.»

Der moralische Zeigefinger

Doch woher kommt dieser Neid und die Anfeindung gegenüber jemanden, den man gar nicht kennt? Katja Rost, Professorin für Soziologie an der Universität Zürich, erklärt: «Heute werden viele Sachverhalte moralisch aufgeladen. Woher die Zunahme des moralischen Zeigefingers kommt, ist schwer zu sagen. Sicherlich spielen hierbei soziale Bewegungen wie die Zunahme und gesellschaftliche Akzeptanz ideologisch aufgeladener Bewegungen wie #MeToo oder Friday for Future eine Rolle.» Diese Bewegungen sind oft intolerant gegenüber Andersdenkenden, geben sich aber gern den Anschein der «Toleranz».

Einen Einfluss auf die Verbreitung solcher Bewegungen und auch auf die Steigerung von Neid habe Social Media. «Der soziale Vergleich wird so in globalem Ausmass ermöglicht – dies oftmals mit unrealistischen Informationen und Bildern, die mehr vortäuschen als da ist», führt Rost aus. Dadurch seien die Leute unzufriedener als früher und mehr Neid werde erzeugt.

Missgunst als Folge von Konkurrenzdenken

Gemäss dem Armutsforscher und emeritierten Soziologie-Professor Ueli Mäder hängt die Missgunst in der Gesellschaft auch damit zusammen, dass wir schon sehr früh Konkurrenz zu spüren bekommen: «Wir lernen in der Schule oder im Beruf, unser Bestes zu geben und besser als andere zu sein. Das begünstigt Schadenfreude oder Unmut gegenüber anderen.» Die in den letzten Jahren zunehmende Konkurrenzorientiertheit habe diese Problematik umso mehr verstärkt.

Missgunst und Neid ist entgegen mancher Erwartung laut dem Experten bei reichen Leuten eher verbreitet als unter der ärmeren Bevölkerung. «Ich staune immer wieder, wie wohlwollend viele arme Leute gegenüber Reichen denken», so Mäder. «Viele Leute, die sich nie ein solches Auto leisten könnten, regen sich kaum darüber auf.» Dies könne damit zusammenhängen, dass wohlhabendere Menschen mehr zu verlieren hätten. Deren Orientierung sei in der Regel auch darauf ausgerichtet, noch mehr zu haben. Zudem würden missgünstige Leute die Missgunst anderer umso stärker kritisieren.

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