30.06.2018 07:14

Porsche 356 SpeedsterSportwagen mit Schweizer Einfluss

Ohne die Schweizer würde es Porsche in der heutigen Form vielleicht gar nicht geben – und dies gleich aus mehrfacher Hinsicht, wie der Speedster zeigt.

von
B. v. Rotz
30.6.2018
Eine knappe Windschutzscheibe und viel Luft: Der Porsche 356 Speedster bietet Offenfahren in seiner reinsten Form.

Eine knappe Windschutzscheibe und viel Luft: Der Porsche 356 Speedster bietet Offenfahren in seiner reinsten Form.

Bruno von Rotz/www.zwischengas.com
Da war nichts zu viel: 715 Kilo schwer war der Speedster, befeuert durch den bekannten Vierzylinder-Boxermotor mit Luftkühlung.

Da war nichts zu viel: 715 Kilo schwer war der Speedster, befeuert durch den bekannten Vierzylinder-Boxermotor mit Luftkühlung.

Sonnenblenden? Fehlanzeige! Dafür nur 1,22 Meter hoch.

Sonnenblenden? Fehlanzeige! Dafür nur 1,22 Meter hoch.

Bruno von Rotz/www.zwischengas.com

Natürlich hatten Ferdinand Porsche und sein Sohn Ferry gute Ideen. Aber ohne Enthusiasten aus der Schweiz und aus Österreich wäre daraus vermutlich nicht die Erfolgsgeschichte geworden, die wir heute kennen. Der Zürcher Ruprecht von Senger kaufte 1948 beispielsweise den ersten Sportwagen, der den Namen Porsche trug. Und sorgte auch für die Anschubfinanzierung bei der Produktion des Serienmodells 356.

Ein anderer Schweizer, Heinrich Sauter, sorgte mit der für ihn gebauten Sportversion des 356 für den Gedankenanstoss, der indirekt zum Porsche 356 Speedster führte.

Für die Amerikaner

Es war aber ein Österreicher, der für den notwendigen Innovationsdruck sorgte. Maximilian Hoffman war in den USA als Autoimporteur erfolgreich. Er hatte schon den Mercedes-Leuten beigebracht, was Amerikaner gern kaufen. Es war übrigens wiederum ein Schweizer, der Hoffman mit Ferry Porsche zusammenbrachte. Ein Auto für die heimkehrenden GIs sollten die Stuttgarter bauen, einfach, schnell und günstig, meinte Hofman.

Die Porsche-Ingenieure hörten zu, erinnerten sich an den Sauter-Porsche und bauten 1952 den America Roadster, intern Typ 540 genannt. Mit bei Gläser gebauter Aluminium-Karosserie und minimaler Wetterausrüstung erfüllte der neue Wagen zwar die Anforderungen, wurde wegen seiner Bauweise aber viel zu teuer und konnte nur 17-mal verkauft werden. Das musste doch günstiger (und schöner) gehen, schliesslich hatte der Typ 540 auch optisch nicht ganz überzeugt!

Richtig im zweiten Anlauf

Beim zweiten Anlauf machte man alles richtig. Man hielt sich enger ans 356er-Kleid, das man nur minimal anpassen musste. Eine flache, aber gebogene Frontscheibe und ein minimales Verdeck reichten, zusammen mit Steckscheiben und einfachen Sitzen, um das Gewicht um fast zwei Zentner zu senken. Weggelassen wurden auch ein Teil der Geräuschdämmung, die Sonnenblenden, die hinteren Notsitze und ein paar andere Dinge, die man zum Fahren nicht unbedingt brauchte.

Im September 1954 konnte man das Ergebnis vorstellen, der America Roadster war vergessen, US-Importeur Hoffman war glücklich.

«Auto Motor und Sport» schrieb: «Für Kalifornien, wo ewig die Sonne vom Himmel lacht, ist dieser neue Porsche-Roadster gedacht, von dem jetzt in Zuffenhausen eine grössere Serie aufgelegt worden ist. Der Speedster ist mit 1,22 m Gesamthöhe noch wesentlich niedriger als das normale Porsche-Coupe, weist ein sehr organisches neues Instrumentenbrett mit Stirnschutz für den Beifahrer auf, hat schmale, den Körperformen angepasste Rennsitze, keine Seitenscheiben und nur ein Roadster-Verdeck. Nur für den Amerika-Export vorgesehen, wird der Speedster drüben mit dem 55-PS-Anderthalbliter-Motor zu dem attraktiven Preis von Dollar 2950 verkauft.»

Freude am Fahren

Genug erzählt, jetzt ist Fahren angesagt. Der Einstieg gelingt (bei offenem Dach) problemlos und die Kübelsitze passen wie angegossen. Knapp unter der Scheibenoberkante blickt man auf die rundliche Front des 356ers. Schlüssel eingesteckt, gedreht und dann das Knöpfchen darüber gedrückt, und schon ertönt im Heck das luftige Geräusch des Vierzylinder-Boxers. Und ja, es erinnert immer noch an den VW Käfer.

Die rund 55 PS haben mit den gut 700 Kilo keine Mühe, im modernen Strassenverkehr fällt der Speedster nicht zurück, schwimmt fröhlich mit und lässt sich trotz seiner über 60 Jahre überraschend einfach fahren. Wenn er nur nicht so teuer geworden wäre.

Weitere Informationen und viele Fotos gibt es auf www.zwischengas.com.

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