Coronaimpfung - So gehen die Kantone mit Sprachbarrieren und Impfskepsis um
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CoronaimpfungSo gehen die Kantone mit Sprachbarrieren und Impfskepsis um

Bei Menschen mit Migrationsgeschichte soll die Skepsis den Impfungen gegenüber besonders gross sein. Was die Kantone unternehmen, um auch sie vom Impfen zu überzeugen.

von
Angela Rosser
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In Basel impfen mobile Teams direkt in den Asylzentren statt hier im Impfzentrum.

In Basel impfen mobile Teams direkt in den Asylzentren statt hier im Impfzentrum.

Landbote
Die Kantone verfassen grösstenteils ihre Informationen in mehreren Sprachen um möglichst vielen Menschen eine Impfung zu ermöglichen.

Die Kantone verfassen grösstenteils ihre Informationen in mehreren Sprachen um möglichst vielen Menschen eine Impfung zu ermöglichen.

Sabina Bobst
In Bern ist die Impfbereitschaft bei Asylsuchenden wesentlich tiefer als im Kanton Graubünden.

In Bern ist die Impfbereitschaft bei Asylsuchenden wesentlich tiefer als im Kanton Graubünden.

Yannick Pulver

Darum gehts

  • Sprachbarrieren aufzuheben ist ein wichtiger Schritt, um eine grosse Durchimpfung der Bevölkerung zu erreichen.

  • Die Kantone arbeiten mit verschiedensten Methoden daran, allen eine Impfung zu ermöglichen und sie zu informieren.

  • Die meisten Kantone verfassen Informationen in mehr als nur den Landessprachen.

In der Schweiz geht es derzeit rasant vorwärts, was Impfungen und Corona-Tests angeht. Schnelltests können in Apotheken beim Vorzeigen einer Krankenkassenkarte gratis bezogen werden und auf verschiedensten Plattformen können Impftermine in Impfzentren, bei Hausärzten und in Apotheken gebucht werden. Für Schweizerinnen und Schweizer bestehen diesbezüglich keine grossen Hürden mehr.

Anders sieht das für Menschen mit Migrationshintergrund, Asylsuchende, Sans Papiers und Menschen aus, die mit den Landessprachen nicht vertraut sind. Bei diesen Gruppen sei die Skepsis gegenüber der Impfung besonders gross, wie die «Aargauer Zeitung» berichtet. Trotzdem ist es wichtig, dass auch diese Menschen sich impfen lassen können, wenn sie das wollen, um eine grösstmögliche Durchimpfung der Bevölkerung zu erreichen. Daran arbeiten die Kantone mit verschiedensten Methoden.

Informationen in vielen Sprachen

Im Aargau wurden die entsprechenden Informationen in vielen Sprachen übersetzt und man arbeite innerhalb der Kantonsverwaltung mit verschiedenen Stellen zusammen, um diese Informationen den richtigen Personengruppen zugänglich zu machen. Dies habe auch schon während des ersten Lockdowns gut funktioniert, als es laufend neue Regeln gab.

Plakate im direkten Umfeld

Im Kanton Zürich steht Personen, die sich nicht über das kantonale Impftool anmelden können, die Impfhotline (0848 33 66 11) zur Verfügung, welche mehrsprachige Registrierungen und Terminbuchungen durchführt. Die Gesundheitsdirektion des Kantons arbeitet seit Beginn der Pandemie mit der kantonalen Fachstelle Integration und der Direktion der Justiz des Inneren zusammen, die die Gesundheitsdirektion im Erreichen von migrantischen und fremdsprachigen Zielgruppen berät. Zur Unterstützung aller Stellen stehen Flyer mit allgemeinen Informationen in zehn Sprachen bereit. Damit werden die Kanäle bespielt, die Menschen mit Migrationshintergrund nutzen. Es werden auch Plakate im Umfeld dieser Personen platziert wie zum Beispiel in Lebensmittel- oder Kleidergeschäften.

Um Randständigen und Sans-Papiers die Impfung zu ermöglichen, arbeitet die Gesundheitsdirektion mit verschiedenen Organisationen zusammen. Randständige zum Beispiel können sich im Ambulatorium Kanonengasse in der Stadt Zürich impfen lassen. Auch die TopPharm Europaallee-Apotheke biete Impfungen für diese Personen an.

Sans-Papier werden gemäss Prioritätenliste geimpft

In Basel Stadt ist das Anmeldetool in verschiedenen Sprachen inklusive Anleitung verfügbar. In einer nächsten Phase wird analysiert, ob und wieso bestimmte Gruppen eine geringere Impfbereitschaft aufweisen. Zeitlich ist diese Phase noch nicht festgelegt, sagt das Gesundheitsdepartement des Kantons Basel Stadt. Seit Beginn der Impfungen, impfe man auch Sans-Papiers gemäss der Prioritäten-Gruppe der Eidgenössischen Impfkommission, heisst es weiter. Für Asylsuchende gibt es einen separaten definierten Ablauf und man arbeite mit den Asylzentren und dem Amt für Migration zusammen.

Mobile Impf-Teams in Asylzentren

Keine speziellen Massnahmen, um Leute mit Sprachbarrieren zu erreichen, gibt es in Graubünden. Wer aber Probleme mit dem Anmeldetool hat, kann sich über die Hotline melden. In den Asylheimen sei die Impfwilligkeit sehr hoch, wie die Kommunikationsstelle Coronavirus des Kantons Graubünden mitteilt. 80 bis 90 Prozent hätten sich schon gemeldet und die Impfungen werden, wie in Alters und Pflegeheimen, mit mobilen Impfteams durchgeführt. Das Impfen werde zusammen mit dem Amt organisiert. Aufgrund des erhöhten Übertragungsrisikos sind die Asylzentren auch im Projekt für repetitives Testen integriert wie Schulen und analoge Betriebe auch.

Infoveranstaltungen und individuelle Gespräche

Der Kanton Bern hat ein eigenes, einfach zu bedienendes Tool entwickelt. Die Anmeldeschritte seien auch mit einem Sprachzertifikat Niveau A1 gut verständlich, schreibt die Gesundheitsdirektion. Separate Kommunikationsmittel für Impfwillige aus anderen Sprach- und Kulturkreisen sind auf der Homepage der Gesundheitsdirektion verfügbar. Im Bezug auf die Sans-Papiers steht der Kanton mit dem Schweizerischen Roten Kreuz, zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie dem BAG in Kontakt, um diesen Personen einen erleichterten Zugang zu niederschwelligen Impfangeboten zu garantieren.

Die involvierten Organisationen unterstützen Sans-Papiers bereits jetzt bei der Registrierung. Asylsuchende werden durch gezielte Informationsveranstaltungen sowie individuelle Gespräche über die Impfung informiert und unterstützt. Für jede Asylunterkunft wurde je nach Impfbereitschaft eine individuelle Lösung gesucht. Allgemein sei die Impfbereitschaft unter Asylsuchenden in Bern eher niedrig, schreibt der Kommunikationsleiter der Gesundheitsdirektion.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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