Spracherwerb: Was geht in Baby-Köpfen vor?
Aktualisiert

Spracherwerb: Was geht in Baby-Köpfen vor?

Konstanzer Forscher wollen herausfinden, wie Kinder ihre Muttersprache lernen. Dazu wurde ein Baby-Sprachlabor eingerichtet. Das Besondere daran: Es werden deutsche und schweizerische Babys untersucht.

Marius lauscht aufmerksam und konzentriert. Der kleine Junge hat tags zuvor seinen ersten Geburtstag gefeiert. Nun sitzt er im Baby-Sprachlabor im Dienste der Wissenschaft. Mit seiner Hilfe und 299 anderen Babys wollen Professorin Janet Grijzenhout und ihr Team herausfinden, wie Kinder verschiedene Laute wahrnehmen.

Erst hören, dann sprechen

Denn was scheinbar so mühelos funktioniert, wie das Erlernen der Muttersprache, ist in Wirklichkeit ein komplizierter Prozess. Lange bevor das erste Wort gesprochen wird, lernt jedes Baby zunächst einmal ganz genau hinzuhören. Im Alter von etwa sechs Monaten gelingt es dem Kind eine Struktur zu erkennen.

Gleichzeitig beginnt es zu unterscheiden, welche Lautkontraste für die eigene Sprache typisch sind. Im ersten Lebenshalbjahr können Babys noch sämtliche Sprachlaute unterscheiden. Später konzentrieren sie sich auf die Laute der eigenen Muttersprache.

Was ähnlich klingt, wie etwa P- und B-Laute, können sie nur noch unterscheiden, wenn sie in der Muttersprache vorkommen. Sonst werden Unterschiede einfach ignoriert. Daher untersuchen die Konstanzer Forscher Babys in zwei Altersgruppen und zwar mit sechs bis acht Monaten und mit zwölf Monaten.

Zwei Sprachen vergleichen

«Wir wollen wissen, was im Kopf der Kinder vorgeht, denn noch ist nicht bekannt, worauf sie beim Spracherwerb achten. Hier an der deutsch-schweizerischen Grenze haben wir die Möglichkeit, zwei verschiedene Sprachen zu untersuchen,» erklärt Janet Grijzenhout.

Die Professorin kennt das unterschiedliche Hörvermögen aus eigener Erfahrung. Sie ist Niederländerin, typisch deutsche Laute sind ihr also fremd und sie kann die feinen Unterschiede nicht hören. «Das ist manchmal frustrierend, wenn ein Kind mit zwölf Monaten etwas kann und ich nicht», erzählt sie und lacht.

Bei dem Test, der rund fünf Minuten dauert, sitzt das Baby auf dem Schoss von Vater oder Mutter. Auf einer Leinwand sieht es einfache Bilder und hört dazu die verschiedenen Sprachsignale. Eine Videokamera zeichnet die Reaktionen wie Augen- umd Kopfbewegungen auf. Die Auswertung erfolgt später mit einem Computerprogramm.

Schweizer Kinder gesucht

Marius hat sich mustergültig verhalten. Seine Muttersprache ist Schweizerdeutsch und er kann die Unterschiede in sehr ähnlich klingenden Schweizer Lauten genau hören. Spielt man ihm immer denselbe Ton vor, langweilt er sich und dreht den Kopf weg. Hört er aber einen neuen Ton, konzentriert er sich und lauscht angestrengt.

Für die Untersuchung werden vor allem noch Schweizer Babys gesucht. Als kleines Dankeschön erhält jedes Kind, das beim Test mitgemacht hat, ein T-Shirt mit dem Logo des Baby-Sprachlabors.

Weitere Informationen und Anmeldungen zum Test im Internet unter: http://ling.uni-konstanz.de/bsl/, telefonisch unter: 0049 7531 88 2587 oder per E-Mail: BSL@uni-konstanz.de.

Deine Meinung