«Rote Linie überschritten»: In Basel tobt ein Graffiti-Krieg
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«Rote Linie überschritten»In Basel tobt ein Graffiti-Krieg

Nachdem das Streetart-Projekt vom Basler Tiefbauamt an der Schwarzwaldbrücke verschmiert wurde, liegt nun ein Bekennerschreiben vor. Sprayer warnen die Stadt, sie habe eine rote Linie überschritten.

von
Elodie Kolb
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Das Streetart-Projekt an der Schwarzwaldbrücke konnte nicht nur positive Stimmen verbuchen. Nachdem die Wandbemalungen nur wenige Tage nach Start des Projekts bereits übersprayt wurden, tauchte nun im Netz ein anonymes Bekennerschreiben auf.

Das Streetart-Projekt an der Schwarzwaldbrücke konnte nicht nur positive Stimmen verbuchen. Nachdem die Wandbemalungen nur wenige Tage nach Start des Projekts bereits übersprayt wurden, tauchte nun im Netz ein anonymes Bekennerschreiben auf.

Wandschmuck 
Auf Wandschmuck2 schreibt der anonyme Mailverfasser: «Es liegt in der Natur von Graffiti, dass es illegal ist».

Auf Wandschmuck2 schreibt der anonyme Mailverfasser: «Es liegt in der Natur von Graffiti, dass es illegal ist».

Screenshot/ Wandschmuck
Er kritisiert darin die Beteiligten des Projekts, Teil des «Anti-Graffiti-Programms der Stadt zu sein.

Er kritisiert darin die Beteiligten des Projekts, Teil des «Anti-Graffiti-Programms der Stadt zu sein.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Ein grosses Streetart-Projekt in Basel stösst in der Graffiti-Szene auf Ablehnung.
  • Bereits nach wenigen Tagen wurden die Kunstwerke verschandelt.
  • In einem Bekennerschreiben schreiben die Sprayer das Anti-Graffiti-Programm der Stadt überschreite eine «rote Linie».

In Basel tobt seit über einer Woche ein Graffiti-Krieg. Entzündet hat sich der Konflikt an der sogenannten Streetart-Meile an der Schwarzwaldbrücke, die im Auftrag des Kantons von Künstlern gestaltet wird. Damit will man illegalem Graffiti vorbeugen. Jedoch bereits nach wenigen Tagen übersprayten Vandalen die Kunstwerke, wie 20 Minuten berichtete.

Auf dem Basler Graffiti-Blog Wandschmuck ist inzwischen ein anonymes Bekennerschreiben publiziert worden. Darin legen die Täter ihre Gründe für ihren Kunst-Vandalismus dar: «Es liegt in der Natur von Graffiti, dass dieses illegal ist. Frei und unkontrollierbar.» Mit der Umsetzung dieses Projektes ist für die Verfasser «die rote Linie langsam aber sicher überschritten». Sie werfen der Stadt vor, «Unsummen auszugeben um die Illusion von vermeintlicher Sicherheit und Kontrolle aufrechtzuerhalten», anstatt zu akzeptieren, dass Graffiti zur Stadt dazugehöre.

Die am Projekt der Stadt mitwirkenden Künstler werden frontal angegriffen dafür, dass sie «organisch» und «wild» entstandene Graffitis übermalen und damit Teil des «Anti-Graffiti-Programms der Stadt» sind. Die Verfasser drohen ihnen, dass sie deshalb ihre anderen Kunstwerke in der Stadt verlieren würden. Auch die Organisatorin des Projektes, Patrizia Stalder, warnen sie ausdrücklich: «Wer mitverdienen will, am Anti-Graffiti-Programm der Stadt, muss mit entsprechenden Konsequenzen rechnen.»

«Graffiti ist ein Schmelztiegel verschiedener Meinungen»

Einer der Betreiber des Wandschmuck-Blogs sagt auf Anfrage: «Wir versuchen mit unserer Webseite ein möglichst breites Spektrum von Graffiti in und um Basel abzudecken. Wir zeigen alles, legale und illegale Flächen.» Auftragsarbeiten hingegen, würden sie normalerweise nicht zeigen. Das Ziel sei eine Art öffentlichen Archivs, zur Dokumentation von Malereien. Interessiert seien sie vor allem an der Veränderung der Wände.

Die Person, die anonym bleiben möchte, weist darauf hin, dass Streetart-Projekte welche in erster Linie einen etwas kreativeren Graffitischutz darstellen, in grossen Teilen der Szene wenig Anklang finden.

Er zeigt sich aber auch erfreut, über die von der Stadt zur Verfügung gestellten Wände, welche frei gestaltet werden dürfen. «Aber auch legale Flächen sind bei gewissen Leuten nicht sonderlich beliebt und auch wir wurden teilweise für unseren Einsatz für solche freien Flächen angefeindet». Er betrachtet Graffiti als das was es ist: «Ein Schmelztiegel verschiedener Meinungen und Einstellungen. Darum ist es auch nicht möglich, es allen Recht zu machen.»

Er steht dem Kanton aber nicht grundsätzlich feindselig gegenüber und lobt die Bemühungen der Verantwortlichen: «Ich persönlich finde, dass der Kanton im letzten Jahr mehr gemacht hat, als in allen Jahren zuvor. Ich bin sehr dankbar für die überraschend offenen Ohren bei der Stadtreinigung, wenn es darum geht, Flächen für alle zu schaffen.»

Das Projekt an der Schwarzwaldbrücke in Basel stösst nicht nur auf Zustimmung.

Elodie Kolb/ 20 Minuten 

Streetart-Projekte bereits an anderen Stellen der Stadt

Das Projekt des Tiefbauamtes stellt nicht das einzige Projekt dieser Art in Basel dar. In den vergangenen Jahren wurden diverse ähnliche Projekte lanciert. Beispielsweise 2013 bei der Dreirosenbrücke, wie die «TagesWoche» damals schrieb. Bereits dort sei «die Rechnung nicht ganz aufgegangen» bereits nach kurzer Zeit wurde das 60 Quadratmeter grosse Kunstwerk versprayt.

Auch beim Heuwaagekiosk wurde 2012 mit dem Projekt «Bunterführung» die triste Unterführung unter der Ägide des Basler Künstler Tarek Abu Hageb farblich freundlich gestaltet.

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