Gegen Waffenexporte: «Sprayer-Grosi» von Bern tritt wieder in Aktion

Aktualisiert

Gegen Waffenexporte«Sprayer-Grosi» von Bern tritt wieder in Aktion

Vor einem Jahr ging die Geschichte des Berner «Sprayer-Grosis» viral. Nun ist Louise Schneider (87) wieder zurück, um gegen Gelder für Waffenexporte zu demonstrieren.

von
ber

Sehen Sie im Video unter anderem die rührende Rede von Louise Schneider (87, rechts im Bild). Mit dabei: Die 86-jährige Susanne Bonanomi (Video: ber)

Freundlich winkt Louise Schneider den bereitstehenden Polizisten auf dem Bundesplatz zu. Diese erwidern den Gruss ebenso freundlich. «Das sind meine Freunde», erklärt die Rentnerin den Umstehenden und lächelt. Die Polizei würde sie bereits seit Jahrzehnten kennen.

Rückblende: Louise Schneider wird am 11. April 2017 verhaftet, weil sie die Worte «Geld für Waffen tötet» ans Nationalbankgebäude gesprayt hat, um gegen Gelder für Waffenexporte zu demonstrieren.

«Wieder zu sprayen, wäre blöd»

Auch in diesem Jahr kündete die Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA) an, die ältere Dame würde wieder aktiv. Und dies tat sie: Am Mittwochvormittag posierte Schneider mit anderen Aktivisten auf dem Bundesplatz, um erneut auf die Problematik von Waffenexporten aufmerksam zu machen.

Gesprayt hat sie diesmal nicht. Schneider: «Ich bin doch nicht so blöd und mache zweimal dasselbe. Das hat keine Wirkung.» Es gebe andere Möglichkeiten, auf das Thema aufmerksam zu machen. Ganz im Zaum kann sie ihre Gefühle dennoch nicht behalten. Spontan setzt die 87-Jährige zu einer Rede an: Sie klagt, welches Leid Kinder durch Waffengewalt erfahren würden. Und weiter: «Frieden fällt schliesslich nicht vom Himmel, sondern ist pickelharte Arbeit.»

Kleber-Offensive

Eine weitere betagte GSoA-Aktivistin ist Susanne Bonanomi. Die 86-Jährige würde sich aber das Sprayen nicht zutrauen. «Vielleicht mit jugendlicher Hilfe, aber ganz alleine wie das Louise getan hat, könnte ich das wohl nicht.»

Sie hat aber andere Wege gefunden, ihrem Unmut Luft zumachen. Seit einigen Jahren bringe sie jeweils Kleber mit der Aufschrift «Das vegane Zeitalter hat begonnen» an verschiedenen Orten in der Stadt an, verrät sie. Sie stellt aber klar: «Niemals an einer schönen Wand!»

Schluss ist für die beiden Urgrossmütter aber noch lange nicht. Louise Schneider: «Wenn ich nächstes Jahr noch lebe, komme ich mit einer neuen Idee wieder.»

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