Eine neue Dimension: Sprayer überbieten sich mit Mega-Tags
Aktualisiert

Eine neue DimensionSprayer überbieten sich mit Mega-Tags

Immer höher, immer grösser: Die Zürcher Graffiti-Szene ärgert mit Sprayereien im Riesenformat die Hauseigentümer. An vordester Front aktiv ist die Crew «2047». Die Polizei rätselt.

von
Felix Burch

Mit einem Superknall machte im Januar dieses Jahres die Crew «2047» auf sich aufmerksam. An der Heinrichstrasse in Zürich wurde eine Riesenfassade fast komplett mit der Zahl 2047 besprayt. Die Farbe erreichte eine Höhe von zehn Metern. Ein Tag, wie die gesprayten Schriftzüge genannt werden, von dieser Grösse gab es in der Stadt noch nie (siehe Diashow, Bild 4). Doch das war offenbar erst der Anfang. Seither sind zahlreiche Riesen-Tags dazugekommen. Sei es bei den Blöcken neben der Josefwiese beim Wipkinger Viadukt (siehe Bild 3), an der Fassade der Sportanlage Sihlhölzi (Bild 2) oder bei der Seebahnstrasse (siehe Bild 1), die Signatur «2047» ist omnipräsent. Dies ist auch der Polizei bekannt: «Seit kurzem werden in der Stadt wieder teils grossflächige Graffiti mit der Zahl 2047 registriert», sagt Michael Wirz, Sprecher der Stadtpolizei Zürich.

Die immer grösseren Tags sind dank Feuerlöschern möglich, in welche Farbe gefüllt wird. Im Gegensatz zu Spraydosen kann so höher und weiter gesprayt werden – es können Flächen bearbeitet werden, die sonst nicht erreichbar sind. Nebst Leuten der «2047»-Crew, die sich selber als «Fire-Ex-Sprayers» bezeichnen, scheinen unter anderem auch Gruppen wie «Kcbr» oder «Trash»(siehe Bilder 6 bis 10) ähnlich vorzugehen. Ganz neu ist die Technik nicht; warum sie plötzlich so auffällig angewendet wird, ist schwierig zu sagen.

«Es lohnt sich nicht mehr schön zu sprayen»

Ein Szenen-Kenner sagt gegenüber 20 Minuten Online das Ganze könnte eine Reaktion auf das immer härtere Vorgehen gegen Sprayer sein. Tags und Graffiti würden wohl nirgends so rasch entfernt wie in Zürich. «Wenn die Werke nur noch so kurz stehen bleiben, lohnt es sich nicht mehr, schön zu sprayen.» Dies sei ein oft gehörtes Argument. «Für andere ist es wohl einfach eine provokative und auffällige Ausdrucksform von Protest», so der Kenner weiter.

Wieder andere beobachten ein Aufrüsten in der Szene. Um Schriftzüge an unzugänglichen Orten anzubringen, würden Sprayer heute mit Teleskopstangen und Farbrollern ausrücken, sagte Philipp Meier vom Cabaret Voltaire im Januar dem «Tages-Anzeiger». Es laufe ein Wettbewerb, Tags an immer extremeren Orten anzubringen, um sich so Respekt zu verschaffen. Die Signatur soll zudem wohl von möglichst vielen Leuten gesehen werden.

Wer steckt hinter «2047»?

Der letzte Punkt ist der «2047»-Crew in den letzten Wochen gelungen, was auch immer die Motivation sein mag. Die Gruppe ist stadtbekannt, allerdings weiss man relativ wenig über sie.

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Vor zehn Jahren war bereits eine Gruppe, die den «2047»-Schriftzug verwendete, sehr aktiv. Danach wurde es ruhiger - bis jetzt. «Ob es sich um eine neue Täter-Gruppe oder um die bereits bekannte handelt, ist nicht bekannt», sagt Polizei-Sprecher Wirz. Noch nie konnte ein Mitglied von «2047» gefasst werden. Wer hinter «2047» steckt, bleibt ein Rätsel.

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Zwei Sprayer festgenommen

Die Stadtpolizei Zürich verhaftete am frühen Mittwochmorgen, 25. April 2012, in Zürich-Altstetten zwei junge Männer, die zuvor verschiedene Örtlichkeiten besprayt hatten. Es entstand Sachschaden von mehreren tausend Franken. Ob die Männer zu einer Crew gehören - und zu welcher - kann laut der Polizei noch nicht beurteilt werden. Es deute jedoch nichts darauf hin, dass Leute von «2047» am Werk waren.

SBB kämpft mit Wachen gegen Sprayer

Ob Sprayereien im Allgemeinen in Zürich zugenommen haben, ist schwer zu sagen. Bei der Polizei gehen pro Jahr rund 2000 Anzeigen wegen Graffiti ein. Priska Rast, Graffiti-Beauftragten der Stadt Zürich, sowie der Hauseigentümerverband Zürich sprechen von einer konstanten Anzahl Schadensmeldungen betreffend Graffiti. Bei den SBB stellt man weder eine Ab- noch eine Zunahme fest. Dies sei allerdings nur mit grossem Aufwand erreicht worden. «Wir müssen wegen den Sprayern heute unsere Zugdepots bewachen lassen, sie einzäunen und beleuchten», so SBB-Sprecher Daniele Pallecchi. Jedes Graffiti werde zur Anzeige gebracht.

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