Desarmierung: Sprengstoff aus letzter Rheinbrücke entfernt
Aktualisiert

DesarmierungSprengstoff aus letzter Rheinbrücke entfernt

Im Kalten Krieg baute die Schweizer Armee Sprengsätze in Brücken, Tunnels und Strassen ein, um diese im Verteidigungsfall zu sprengen. Nun werden alle Sprengallen desarmiert. Zu voreilig, findet Hans Fehr.

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dia/rok/sda
Die Säckinger Brücke verbindet Stein AG mit Deutschland.

Die Säckinger Brücke verbindet Stein AG mit Deutschland.

Die letzte Rheinbrücke ist nun frei von Sprengstoff, berichten die deutsche Zeitung «Der Sonntag» und der Sender SWR. Am 16. Oktober führte das Schweizer Militär Desarmierungsarbeiten an der längsten gedeckten Holzbrücke Europas zwischen Stein AG und Bad Säckingen durch. In den Hohlräumen in den Brückenpfeilern sollen mehrere hundert Kilogramm TNT eingelagert wesen sein.

Jahrzehntelang baute die Schweizer Armee an den Grenzbrücken zu Deutschland Sprengstoff ein. Die Arbeiten erfolgten unter höchster Geheimhaltung. Das Konzept aus den Zeiten des Kalten Kriegs sah vor, dass im Kriegsfall alle Rheinbrücken, die mit Fahrzeugen passiert werden können, gesprengt würden. Die Massnahme richtete sich in erster Linie gegen die Panzer des Warschauer Pakts.

Die Errichtung der Sprengfallen reichte weit über den Kalten Krieg hinaus. Sogar in der 2006 eröffneten Autobahnbrücke bei Rheinfelden wurde gemäss deutschen Medienberichten noch Sprengstoff eingebaut worden haben. Amreesprecher Christoph Brunner bestätigte dies. «Die Brücke ist heute aber wieder desarmiert

2000 Sprengfallen

Nach Angaben des Militärhistorikers Gerhard Wyss, welche er gegenüber dem «Sonntag» machte, habe es schweizweit etwa 2000 Sprengfallen gegeben. Diese hätten sich allerdings nicht nur an der Grenze zu Deutschland, sondern auch an anderen strategisch wichtigen Orten innerhalb der Schweiz befunden.

Erste Kritik am Sprengstoffkonzept kam 2001 auf. Damals kam es im Gotthardtunnel zu einem schweren LKW-Unfall, nur wenige hundert Meter von einem Ort entfernt, an welchem drei Tonnen TNT gelagert wurden. Die Armee stufte das Risiko einer Denotation damals aber als gering ein. Auch bei extrem hohen Temperaturen würde der Sprengstoff nicht explodieren, sondern nur verbrennen. Auch bei den Brücken hätte für die Zivilbevölkerung keinerlei Gefahr bestanden, da die Zündvorrichtungen an einem sicheren Ort gelagert wurden.

«Desarmierung zu voreilig»

Die Sprengfallen brauche es heute allerdings nicht mehr. Klaus Eberhardt, Oberbürgermeister von Rheinfelden, sagte gegenüber dem SWR: «Im Zeichen des zusammenwachsenden Europas würde ich das nicht mehr als notwendig erachten.»

Neben den Brücken sind auch noch andere Objekte, wie etwa Tunnels oder Autobahnen, mit Sprengsätzen versehen worden. Gemäss Armeesprecher Christoph Brunner dauert bei diesen die Entschärfung jedoch noch etwas an: «Bis Ende November werden schweizweit alle ehemaligen Sprengobjekte desarmiert werden.»

Für SVP-Nationalrat und Sicherheitspolitiker Hans Fehr ist die Aufhebung aller Sprengfallen «zu voreilig»: Eine Reduktion der Sprengsätze sei angesichts der veränderter Bedrohungslager zwar angebracht, aber «an wichtigen Verkehrsachsen und Brücken müsste man die Sprengfallen instand halten oder zumindest sicherstellen, dass sie innert nützlicher Frist wieder geladen werden könnten.»

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