Aktualisiert 19.12.2006 21:21

Springer kauft sich in die Schweiz ein

Der deutsche Axel-Springer-Konzern übernimmt für einen überraschend hohen Preis von 157 Millionen Franken den Jean-Frey-Verlag. Weitere Folgen: Ceo Filippo Leutenegger scheidet aus und Roger Koppel wird alleiniger Besitzer der Weltwoche.

Gemunkelt wurde seit Wochen. Heute ist es gewiss. Die Jean Frey geht mit ihren Titeln «Beobachter», «TV Star» und «Bilanz» an den deutschen Axel-Springer-Konzern, wie die Konzerleitung heute mitteilt. Der Springer-Verlag bezahlt dafür insgesamt 157,3 Millionen Franken. Der Preis setzt sich aus dem Unternehmenswert von 139,3 Millionen Franken und aus der Übernahme der liquiden Mittel von 18 Millionen Franken zusammensetzt.

Die Jean Frey AG kommt mit 240 Beschäftigten auf rund 70 Millionen Franken Umsatz. Ein Verkaufspreis von 157, 3 Millionen wird laut Insidern als eine äusserst hohe Bürde für die künftige Rentabilität der Titel betrachtet. Angebote für Jean Frey eingereicht haben im Vorfeld auch die Schweizer Medienhäuser Tamedia (die «20 Minuten» herausgibt) und Ringier. Springer wird durch die Transaktion zur vierten grossen Kraft im Schweizer Verlagsgeschäft.

Filippo Leutenegger, bisheriger Geschäftsführer und Delegierter des Verwaltungsrat der Jean Frey AG, scheidet Ende Jahr aus dem Unternehmen aus und wendet sich den Angaben zufolge neuen Aufgaben zu.

Weltwoche zu hundert Prozent an Köppel

Die Transaktion hat auch Folgen für die Weltwoche Verlags AG: Die Jean-Frey-Gruppe hat im Vorfeld ihre verbleibenden 40 Prozent an diesem Verlag an den «Weltwoche»-Verleger und Chefredaktor Roger Köppel verkauft. Die Weltwoche Verlags AG war im Sommer vom Jean-Frey-Verlag abgespalten worden und ist nun im alleinigen Besitz von Köppel. Der 41-jährige Köppel hatte bereits im Sommer von den Jean-Frey-Mehrheitsaktionären um Tettamanti 60 Prozent der neuen Weltwoche Verlags AG übernommen. Auch dieses Mal sei über den Kaufpreis Stillschweigen vereinbart worden, sagte Köppel. Er habe mit der Übernahme vor allem die volle Unabhängigkeit der «Weltwoche» sichern wollen. Bereits bei dem «Erwerb» der ersten 60 Prozent konnte Köppel nicht glaubhaft machen, wie er die Summe finanzieren könne. Kenner der Szene gehen davon aus, dass der erzliberale Finanzier Tettamanti die Zeitung dem erzliberalen Chefredaktor Köppel quasi geschenkt hat.

Laut Kennern der Jean-Frey-Gruppe haben sich zwei der drei Grossaktionäre der Mediengruppe - der Tessiner Financier Tito Tettamanti und der Basler Anwalt Martin Wagner - im Verwaltungsrat nach längerer Evaluation mit der Option Verkauf gegen den dritten Grossaktionär Gerhart Isler durchgesetzt.

voi

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